Finasterid in Tablettenform wird bei erblich bedingtem Haarausfall von Männern eingesetzt. Neben der Wirkung auf die Haare kann der Wirkstoff die Sexualfunktion und die Stimmung beeinflussen. Dieser Beitrag richtet sich an Männer, die Finasterid einnehmen oder eine Behandlung erwägen, und fasst den aktuellen Wissensstand zusammen.
Das Wichtigste in Kürze
- Verminderte Lust, Erektionsprobleme, Ejakulationsstörungen und Depression sind gelegentliche Nebenwirkungen von Finasterid 1 mg.
- Nach einer EU-weiten Überprüfung gelten Suizidgedanken seit 2025 als Nebenwirkung von Finasterid-Tabletten; wie häufig sie auftreten, ist nicht bekannt.
- Bei gedrückter Stimmung, Depression oder Suizidgedanken soll die Einnahme beendet und umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden.
- Schwangere und Frauen, die schwanger werden könnten, sollten zerbrochene oder zerstoßene Tabletten nicht berühren.
Wie Finasterid wirkt und woher Nebenwirkungen kommen
Finasterid hemmt das Enzym 5-Alpha-Reduktase vom Typ 2. Dieses Enzym wandelt Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) um. Bei entsprechender Veranlagung lässt DHT die Haarwurzeln an Oberkopf und Stirn allmählich schrumpfen. Sinkt der DHT-Spiegel, kann der Haarausfall gebremst werden.
DHT wirkt jedoch nicht nur an den Haarwurzeln. Es ist auch an der Funktion von Prostata und Geschlechtsorganen beteiligt, und Enzyme dieser Gruppe kommen im Gehirn vor. Daraus lassen sich mögliche Auswirkungen auf Sexualfunktion, Brustgewebe und Stimmung ableiten. Wie genau die psychischen Effekte entstehen, ist bislang nicht abschließend geklärt.
Sexualfunktion: was bekannt ist
Laut Fachinformation für Finasterid 1 mg treten verminderte sexuelle Lust (Libido), Erektionsstörungen und Ejakulationsstörungen gelegentlich auf, also bei bis zu 1 von 100 Behandelten. Dazu zählt auch eine geringere Samenmenge. In Studien bildeten sich diese Beschwerden bei Männern, die die Behandlung beendeten, zurück, bei vielen auch unter fortgesetzter Einnahme.
Nach der Markteinführung wurde zusätzlich berichtet, dass sexuelle Funktionsstörungen nach dem Absetzen fortbestehen können. Die Häufigkeit ist nicht bekannt, und aus Einzelmeldungen lässt sich nicht ableiten, wie wahrscheinlich das im Einzelfall ist. Ebenfalls mit unbekannter Häufigkeit sind Hodenschmerzen, Blut im Sperma, Unfruchtbarkeit und eine verminderte Samenqualität beschrieben.
Erektionsprobleme haben oft mehrere Ursachen, zum Beispiel Stress, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder andere Arzneimittel. Einen Überblick gibt der Beitrag: Welche Medikamente die Erektion beeinflussen. Neue sexuelle Beschwerden unter Finasterid sollten Sie ärztlich besprechen, auch weil sexuelle Probleme ihrerseits die Stimmung belasten können.
Stimmung und Psyche: die EU-Bewertung von 2025
Depression ist in der Fachinformation für Finasterid 1 mg als gelegentliche Nebenwirkung aufgeführt, Angst mit unbekannter Häufigkeit. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat außerdem Meldungen zu Suizidgedanken in einem EU-weiten Verfahren geprüft. Die Europäische Kommission hat dazu im August 2025 einen rechtsverbindlichen Beschluss gefasst. Die wichtigsten Punkte:
- Suizidgedanken sind als Nebenwirkung von Finasterid-Tabletten mit 1 mg und 5 mg bestätigt. Die meisten Meldungen betrafen Männer, die Finasterid gegen Haarausfall einnahmen.
- Wie häufig Suizidgedanken auftreten, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen.
- Packungen mit Finasterid 1 mg enthalten eine Patientenkarte, die auf mögliche Stimmungsveränderungen und sexuelle Funktionsstörungen hinweist.
- Für Finasterid-Sprays zur Anwendung auf der Kopfhaut fand die Überprüfung keinen Hinweis auf einen solchen Zusammenhang.
Für die Behandlung heißt das: Wenn Sie unter Finasterid eine gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit oder Suizidgedanken bemerken, beenden Sie die Einnahme und holen Sie umgehend ärztlichen Rat ein. Angehörige bemerken solche Veränderungen manchmal früher als man selbst. Es kann daher sinnvoll sein, eine vertraute Person über die Behandlung zu informieren.
Brustgewebe, PSA-Wert und Schwangerschaft
Unter Finasterid können Brustspannen und eine Vergrößerung der Brust auftreten. Bei Männern, die Finasterid einnahmen, wurden außerdem Fälle von Brustkrebs berichtet. Achten Sie deshalb auf Knoten, Schmerzen, Veränderungen der Brustwarze oder Ausfluss und lassen Sie solche Befunde ärztlich untersuchen.
Finasterid senkt den PSA-Wert im Blut, der unter anderem zur Früherkennung von Prostatakrebs bestimmt wird. Informieren Sie vor einer PSA-Messung die Ärztin oder den Arzt über die Einnahme, damit der Wert richtig bewertet werden kann.
Finasterid ist nicht zur Anwendung bei Frauen bestimmt. Weil der Wirkstoff die Entwicklung der Geschlechtsorgane eines männlichen Ungeborenen stören kann, sollten Schwangere und Frauen, die schwanger werden könnten, zerbrochene oder zerstoßene Tabletten nicht berühren. Intakte Filmtabletten haben einen Überzug, der den Kontakt mit dem Wirkstoff bei normaler Handhabung verhindert.
Weitere Nebenwirkungen und die Frage des Absetzens
Mit unbekannter Häufigkeit sind Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschlag, Juckreiz, Nesselsucht und Schwellungen von Lippen, Zunge oder Gesicht beschrieben, außerdem Herzklopfen und erhöhte Leberwerte. Schwellungen im Gesicht oder Rachen mit Atem- oder Schluckbeschwerden sind ein Notfall: Wählen Sie den Notruf 112 (Schweiz: 144).
Die Wirkung auf die Haare zeigt sich meist erst nach 3 bis 6 Monaten regelmäßiger Einnahme. Nach dem Absetzen geht der Effekt allmählich wieder verloren, in der Regel innerhalb von 9 bis 12 Monaten. Ob eine Behandlung fortgesetzt oder beendet wird, sollte deshalb gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt abgewogen werden, unter Berücksichtigung von Beschwerden, Nutzen und persönlichen Prioritäten.
Eine Ausnahme bilden Stimmungsveränderungen und Suizidgedanken. Hier steht nicht die Abwägung, sondern das Beenden der Einnahme und die rasche ärztliche Beurteilung im Vordergrund.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
Sprechen Sie zeitnah mit einer Ärztin oder einem Arzt, wenn unter Finasterid oder nach dem Absetzen:
- die Lust auf Sex nachlässt oder Erektions- und Ejakulationsprobleme auftreten oder bestehen bleiben,
- Niedergeschlagenheit, Ängstlichkeit oder Antriebslosigkeit auftritt,
- Knoten, Schmerzen oder andere Veränderungen an der Brust auftreten,
- Hodenschmerzen oder Blut im Sperma auffallen,
- ein Kinderwunsch besteht und Sie Fragen zur Fruchtbarkeit haben.
Bei Suizidgedanken warten Sie bitte nicht ab. Rund um die Uhr erreichbar sind in Deutschland die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111 und in der Schweiz die Dargebotene Hand unter 143. In akuter Gefahr wählen Sie den Notruf 112 (Schweiz: 144).
Bei Fragen zu einer Behandlung, die Sie über Doctorcura erhalten haben, können Sie sich per E-Mail an contact@doctorcura.com wenden. Dieser Beitrag ersetzt keine persönliche ärztliche Beratung.
Häufige Fragen
Verschwinden sexuelle Nebenwirkungen nach dem Absetzen wieder?
In Studien bildeten sich sexuelle Beschwerden nach dem Absetzen zurück, bei vielen Männern auch unter weiterer Einnahme. Es gibt jedoch Berichte über Beschwerden, die nach dem Absetzen fortbestehen. Die Häufigkeit ist nicht bekannt. Besprechen Sie anhaltende Probleme deshalb ärztlich.
Gilt die Warnung zu Suizidgedanken auch für Finasterid-Sprays?
Die EU-weite Überprüfung fand für Sprays zur Anwendung auf der Kopfhaut keinen Hinweis auf einen Zusammenhang mit Suizidgedanken. Stimmungsveränderungen sollten Sie trotzdem bei jeder Behandlung ernst nehmen und ärztlich ansprechen.
Darf meine Partnerin die Tabletten anfassen?
Bei intakten Filmtabletten verhindert der Überzug bei normaler Handhabung den Kontakt mit dem Wirkstoff. Ist Ihre Partnerin schwanger oder könnte sie schwanger werden, sollte sie zerbrochene oder zerstoßene Tabletten nicht berühren. Bewahren Sie die Tabletten am besten in der Originalpackung auf.
Muss ich die Einnahme vor einem PSA-Test angeben?
Ja. Finasterid senkt den PSA-Wert. Damit das Ergebnis richtig bewertet werden kann, sollte die Ärztin oder der Arzt wissen, dass Sie Finasterid einnehmen oder eingenommen haben.
Allgemeine Informationen zu Formen, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Haarausfall finden Sie auf der Informationsseite.
Fachlich geprüft vom medizinischen Team von Doctorcura am 26. September 2026 · So entstehen unsere Inhalte

