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Ratgeber

Salbutamol: Zittern und Herzklopfen richtig einordnen

Person hält einen Inhalator vor dem Oberkörper

Salbutamol ist ein kurz wirksames Asthmamittel, das verengte Atemwege innerhalb weniger Minuten erweitert. Viele Menschen bemerken danach ein feines Zittern oder einen spürbaren Herzschlag. Dieser Beitrag erklärt, woher diese Beschwerden kommen, welche Reaktionen typisch sind und bei welchen Zeichen Sie ärztliche Hilfe brauchen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zittern, Kopfschmerzen und ein beschleunigter Puls gehören zu den häufigen Nebenwirkungen und lassen meist mit der Wirkung wieder nach.
  • Starke Brustschmerzen, unregelmäßiger Herzschlag mit Schwindel, zunehmende Atemnot direkt nach dem Inhalieren oder Schwellungen im Gesicht sind Warnzeichen.
  • Wer das Spray häufiger braucht als gewohnt, sollte die Asthmabehandlung ärztlich überprüfen lassen, statt die Dosis selbst zu erhöhen.
  • Nicht selektive Betablocker und kaliumsenkende Arzneimittel können Wirkung und Verträglichkeit von Salbutamol verändern.

Warum Salbutamol Zittern und Herzklopfen auslösen kann

Salbutamol regt sogenannte Beta-2-Rezeptoren an. Diese sitzen in der Muskulatur der Bronchien, die sich dadurch entspannt und die Atemwege weitet. Beta-2-Rezeptoren gibt es aber auch in der Skelettmuskulatur, in den Blutgefäßen und in geringerem Umfang im Herzen.

Ein Teil des inhalierten Wirkstoffs gelangt über die Lunge und über verschluckte Anteile ins Blut. Die Skelettmuskeln reagieren darauf mit einem feinen Zittern, das vor allem an den Händen auffällt. Die Blutgefäße weiten sich etwas, und das Herz schlägt schneller, teils als Ausgleich, teils durch direkte Anregung.

Diese Effekte hängen von der Dosis ab: Je mehr Hübe in kurzer Zeit angewendet werden, desto deutlicher fallen sie aus. Außerdem reagieren Menschen unterschiedlich empfindlich. Manche spüren schon nach einem Hub Herzklopfen, andere bemerken auch nach mehreren Hüben kaum etwas.

Häufige und seltene Nebenwirkungen im Überblick

Nach den Fachinformationen für Salbutamol-Dosieraerosole gehören Zittern, Kopfschmerzen und ein beschleunigter Puls (Tachykardie) zu den häufigen Nebenwirkungen. Gelegentlich treten ein bewusst wahrgenommenes Herzklopfen, Reizungen im Mund- und Rachenraum sowie Muskelkrämpfe auf.

Selten sinkt der Kaliumspiegel im Blut oder die kleinen Blutgefäße erweitern sich spürbar. Sehr selten sind Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern oder Extraschläge, Unruhe und Überaktivität, allergische Reaktionen und eine paradoxe Verengung der Atemwege beschrieben. Die folgende Übersicht hilft bei der Einordnung.

Beobachtung Einordnung
Feines Zittern der Hände Häufig, lässt meist mit nachlassender Wirkung wieder nach
Beschleunigter Puls, spürbarer Herzschlag Häufig bis gelegentlich, bei gesundem Herzen meist vorübergehend
Kopfschmerzen, Kratzen im Hals Häufig beziehungsweise gelegentlich, meist vorübergehend
Muskelschwäche, Krämpfe, Herzstolpern Möglicher Hinweis auf niedrigen Kaliumspiegel, ärztlich abklären
Starker oder anhaltender Brustschmerz, Ohnmacht Sofort Hilfe holen
Atemnot wird direkt nach dem Inhalieren schlimmer Warnzeichen für eine paradoxe Bronchienverengung, sofort Hilfe holen
Schwellung von Gesicht, Lippen oder Zunge, Nesselsucht Mögliche schwere allergische Reaktion, Notruf 112 (Schweiz: 144)

Wenn die Atmung nach dem Inhalieren schlechter wird

Sehr selten verengen sich die Atemwege direkt nach der Anwendung, statt sich zu weiten. Fachleute sprechen von einem paradoxen Bronchospasmus. Typisch ist, dass pfeifende Atmung, Husten oder Atemnot unmittelbar nach dem Hub zunehmen.

In diesem Fall soll das Präparat nicht weiter angewendet werden. Holen Sie sofort ärztliche Hilfe, bei ausgeprägter Atemnot über den Notruf 112 (Schweiz: 144). Welche Alternative infrage kommt, entscheidet anschließend die Ärztin oder der Arzt.

Davon zu unterscheiden ist ein Asthmaanfall, der trotz Spray nicht ausreichend nachlässt. Auch das ist ein Notfall, vor allem wenn das Sprechen schwerfällt, die Lippen sich bläulich verfärben oder die Atmung sehr angestrengt ist.

Häufigerer Bedarf ist ein Signal für die Asthmakontrolle

Salbutamol lindert akute Beschwerden, behandelt aber nicht die Entzündung in den Atemwegen. Wenn Sie das Spray häufiger brauchen als gewohnt oder die Wirkung kürzer anhält, deutet das meist auf ein schlechter kontrolliertes Asthma hin. Die Fachinformation sieht in dieser Situation ausdrücklich eine ärztliche Überprüfung vor.

Eine selbst gesteigerte Dosis verstärkt vor allem die Nebenwirkungen: Das Zittern nimmt zu, der Puls steigt, und der Kaliumspiegel kann sinken. Bei sehr hohen Dosen, wie sie etwa über Vernebler bei schweren Anfällen gegeben werden, ist außerdem eine Übersäuerung des Blutes durch Milchsäure (Laktatazidose) beschrieben. Ärztlich wird stattdessen geprüft, ob eine entzündungshemmende Dauertherapie begonnen oder angepasst werden sollte.

Auch die Inhalationstechnik lohnt einen Blick. Wer den Sprühstoß nicht mit dem Einatmen abstimmt, bringt weniger Wirkstoff in die Lunge und greift eher erneut zum Spray. Eine Inhalierhilfe (Spacer) kann die Anwendung erleichtern. Lassen Sie sich die Technik bei Unsicherheit in der Apotheke oder in der Praxis zeigen.

Herz, Kaliumspiegel und Wechselwirkungen

Bei Herzerkrankungen wie koronarer Herzkrankheit oder Herzrhythmusstörungen, bei schwerem Bluthochdruck und bei einer Schilddrüsenüberfunktion wird Salbutamol mit besonderer Vorsicht eingesetzt. Auch ein Diabetes sollte ärztlich bekannt sein, weil höhere Dosen den Blutzucker vorübergehend erhöhen können. In Schwangerschaft und Stillzeit sollte die Anwendung ärztlich besprochen werden; ein gut kontrolliertes Asthma ist dabei auch für das Kind wichtig.

Ein niedriger Kaliumspiegel verursacht oft keine eindeutigen Beschwerden. Mögliche Hinweise sind Muskelschwäche, Krämpfe oder Herzstolpern. Das Risiko steigt, wenn zusätzlich Arzneimittel eingenommen werden, die ebenfalls Kalium senken, zum Beispiel harntreibende Mittel (Diuretika), Kortison in Tablettenform oder Theophyllin.

Nicht selektive Betablocker wie Propranolol können die Wirkung von Salbutamol abschwächen und bei Asthma selbst eine Verengung der Atemwege auslösen. Das gilt auch für manche Augentropfen gegen grünen Star. Geben Sie deshalb im medizinischen Fragebogen und in der Apotheke alle Arzneimittel an. Propranolol wird unter anderem zur Migränevorbeugung eingesetzt. Wie Druckgefühle in der Brust bei Migränemitteln einzuordnen sind, erklärt der Beitrag: Nebenwirkungen von Sumatriptan.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Leichtes Zittern oder ein kurz beschleunigter Puls nach dem Inhalieren sind bekannte Nebenwirkungen und klingen meist wieder ab. Besprechen Sie die Behandlung dennoch zeitnah ärztlich:

  • wenn Sie das Spray häufiger benötigen als bisher oder nachts wegen Atemnot aufwachen,
  • wenn Zittern oder Herzklopfen deutlich stärker sind als gewohnt oder ungewöhnlich lange anhalten,
  • wenn Muskelschwäche, Krämpfe oder Herzstolpern auftreten,
  • wenn Sie eine Herzerkrankung haben und neue Beschwerden bemerken.

Sofortige Hilfe über den Notruf 112 (Schweiz: 144) brauchen Sie bei starken oder anhaltenden Brustschmerzen, Ohnmacht, stark unregelmäßigem Herzschlag, zunehmender Atemnot trotz Spray oder Zeichen einer schweren allergischen Reaktion. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie in Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. Dieser Beitrag ersetzt keine persönliche ärztliche Beratung.

Häufige Fragen

Wie lange hält das Zittern nach Salbutamol an?

Zittern und Herzklopfen folgen in der Regel dem Wirkverlauf und lassen nach, wenn die Wirkung abklingt. Die Wirkung eines Hubs hält meist einige Stunden an. Bleiben die Beschwerden ungewöhnlich lange bestehen oder werden sie stärker, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

Ist Herzklopfen nach dem Asthmaspray gefährlich?

Ein beschleunigter Puls ist eine häufige und meist vorübergehende Nebenwirkung. Ärztlich abklären sollten Sie Herzklopfen, das mit Brustschmerz, Schwindel, Ohnmacht oder deutlich unregelmäßigem Herzschlag einhergeht, sowie neue Beschwerden bei einer bekannten Herzerkrankung.

Darf ich wegen der Nebenwirkungen seltener inhalieren?

Bei akuter Atemnot bleibt das Bedarfsspray wichtig. Wenn Nebenwirkungen Sie belasten, sprechen Sie die Anwendung ärztlich ab. Dabei kann geprüft werden, ob Technik, Dosis oder die Dauertherapie angepasst werden sollten.

Kann eine Inhalierhilfe die Anwendung verbessern?

Eine Inhalierhilfe erleichtert vielen Menschen die Abstimmung von Sprühstoß und Einatmen. Dadurch erreicht mehr Wirkstoff die Lunge, und weniger bleibt in Mund und Rachen hängen. Ob sie im Einzelfall sinnvoll ist, kann in der Apotheke oder ärztlich besprochen werden.

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Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112 (Schweiz: 144).

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