Für die Behandlung von Erektionsstörungen stehen mehrere Wirkstoffe zur Verfügung. Diese wirken auf unterschiedliche Weise und kommen in unterschiedlichen Situationen infrage. Dieser Beitrag gibt einen sachlichen Überblick über die zugelassenen Möglichkeiten, erklärt, worauf bei der Auswahl geachtet wird, und grenzt die Behandlung eines vorzeitigen Samenergusses ab.
Das Wichtigste in Kürze
- Häufig kommen zuerst PDE-5-Hemmer zum Einsatz: Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und Avanafil. Alle sind verschreibungspflichtig.
- Die vier Wirkstoffe unterscheiden sich vor allem im Einnahmezeitpunkt, im Zeitfenster und im Einfluss von Mahlzeiten.
- Alprostadil kommt infrage, wenn Tabletten nicht ausreichen oder nicht eingenommen werden dürfen. Testosteron kommt nur bei nachgewiesenem Mangel infrage.
- Für frei verkäufliche Potenzmittel ist eine Wirkung nicht ausreichend belegt. Manche enthalten versteckte Wirkstoffe.
PDE-5-Hemmer: die vier zugelassenen Wirkstoffe
PDE-5-Hemmer verstärken bei sexueller Erregung die Wirkung körpereigener Botenstoffe, sodass mehr Blut in die Schwellkörper strömen kann. Ohne sexuelle Stimulation entsteht keine Erektion. In der EU sind vier Wirkstoffe dieser Gruppe zur Behandlung der erektilen Dysfunktion zugelassen. Die Angaben in der Tabelle stammen aus den europäischen Fachinformationen.
| Wirkstoff | Einnahme vor sexueller Aktivität | Einfluss von Mahlzeiten | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Sildenafil | etwa 1 Stunde | Wirkungseintritt kann verzögert sein | Zeitfenster in Studien 4 bis 5 Stunden; Sehveränderungen häufig |
| Tadalafil | mindestens 30 Minuten | kein Einfluss | Zeitfenster bis zu 36 Stunden; auch tägliche Einnahme in niedriger Dosis; zusätzlich bei gutartiger Prostatavergrößerung zugelassen |
| Vardenafil | etwa 25 bis 60 Minuten | fettreiche Mahlzeit kann den Wirkungseintritt verzögern | Zeitfenster in Studien 4 bis 5 Stunden; auch als Schmelztablette erhältlich |
| Avanafil | etwa 15 bis 30 Minuten | Wirkungseintritt kann verzögert sein | zusätzliche Gegenanzeigen, etwa schwere Nierenfunktionsstörung und starke CYP3A4-Hemmer |
Alle vier dürfen nicht mit Nitraten, Stickstoffmonoxid-Donatoren wie Poppers oder Riociguat eingenommen werden. Bei schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einem kürzlich erlittenen Herzinfarkt oder Schlaganfall, niedrigem Blutdruck und einem Sehverlust durch eine Durchblutungsstörung des Sehnervs sind sie ausgeschlossen. Verschiedene PDE-5-Hemmer dürfen nicht kombiniert werden. Einen ausführlichen Vergleich von Sildenafil und Tadalafil bietet der Beitrag: Sildenafil und Tadalafil: Unterschiede verständlich erklärt.
Wie die Auswahl getroffen wird
Einen Wirkstoff, der für alle Männer gleichermaßen passt, gibt es nicht. Die Ärztin oder der Arzt berücksichtigt bei der Auswahl unter anderem:
- wie häufig sexuelle Aktivität geplant ist und wie wichtig ein längeres Zeitfenster ist
- ob die Einnahme häufig im Zusammenhang mit Mahlzeiten stattfindet
- frühere Erfahrungen mit Wirkung und Nebenwirkungen
- Vorerkrankungen, besonders an Herz, Leber, Nieren und Augen
- andere Medikamente, zum Beispiel Alphablocker, Blutdrucksenker oder Mittel gegen HIV und Pilzinfektionen
Wirkt ein Wirkstoff nicht wie erhofft, liegt das oft an der Einnahme, etwa an einem zu kurzen Abstand, einer schweren Mahlzeit, Alkohol oder fehlender Stimulation. Bleibt die Wirkung auch bei richtiger Anwendung aus, kann ärztlich über eine Dosisanpassung oder einen anderen Wirkstoff entschieden werden.
Weitere Wirkstoffe: Alprostadil und Testosteron
Alprostadil: Dieses Mittel erweitert die Blutgefäße direkt im Penis und wirkt unabhängig vom Botenstoffweg der Tabletten. Es kann in den Schwellkörper gespritzt, als kleines Stäbchen in die Harnröhre eingeführt oder als Creme an der Harnröhrenöffnung aufgetragen werden. Diese Formen kommen vor allem infrage, wenn Tabletten nicht ausreichend wirken oder nicht eingenommen werden dürfen. Die Anwendung erfordert eine ärztliche Anleitung. Mögliche Nebenwirkungen sind örtliche Schmerzen und in seltenen Fällen eine Dauererektion.
Testosteron: Das Hormon ist kein Mittel gegen Erektionsstörungen im engeren Sinn. Es wird nur eingesetzt, wenn typische Beschwerden bestehen und mehrere Blutuntersuchungen einen Mangel bestätigen. Dann kann es das sexuelle Verlangen verbessern und dazu beitragen, dass andere Behandlungen besser ansprechen. Neben Medikamenten kommen auch Beckenbodentraining, Sexualtherapie, Vakuumerektionshilfen oder ein Schwellkörperimplantat infrage. Wie diese Verfahren aufeinander aufbauen, beschreibt der Beitrag: Therapie der erektilen Dysfunktion.
Frei verkäufliche Mittel und Nahrungsergänzungen
Präparate mit Aminosäuren wie L-Arginin, Pflanzenextrakten wie Ginseng oder Maca und ähnlichen Inhaltsstoffen werden häufig als natürliche Alternative beworben. Eine Wirkung bei erektiler Dysfunktion ist für sie nicht ausreichend belegt.
Problematisch sind vor allem Produkte, die trotz angeblich natürlicher Zusammensetzung sehr stark wirken. Behörden in Deutschland und der Schweiz warnen regelmäßig vor solchen Mitteln, weil sie nicht deklarierte PDE-5-Hemmer oder ähnliche Stoffe enthalten. Wer zugleich Nitrate einnimmt, gerät dadurch in Lebensgefahr. Warum eine ärztliche Verordnung sinnvoll ist, erklärt der Beitrag: Potenzmittel auf Rezept.
Medikamente bei vorzeitigem Samenerguss
Ein vorzeitiger Samenerguss ist ein eigenes Beschwerdebild und wird anders behandelt als eine Erektionsstörung. Neben Verhaltenstechniken und Beratung gibt es zwei medikamentöse Ansätze:
- Örtlich betäubende Mittel: Ein Spray mit Lidocain und Prilocain wird kurz vor dem Geschlechtsverkehr auf die Eichel aufgetragen und verringert die Empfindlichkeit.
- Dapoxetin: ein kurz wirksamer Wirkstoff aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, der bei Bedarf etwa 1 bis 3 Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen wird. Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen, auch Kreislaufreaktionen bis zur Ohnmacht sind möglich. Bei bestimmten Herzerkrankungen und zusammen mit vielen anderen Antidepressiva ist er ausgeschlossen.
PDE-5-Hemmer sind für den vorzeitigen Samenerguss nicht zugelassen. Bestehen beide Probleme gleichzeitig, wird in der Regel zuerst die Erektionsstörung behandelt.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
Lassen Sie Erektionsstörungen abklären, bevor Sie ein Medikament einnehmen, besonders wenn sie neu aufgetreten sind oder Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen bestehen. Erektionsstörungen können ein frühes Zeichen für Gefäßerkrankungen sein.
Wählen Sie den Notruf 112 (Schweiz: 144) bei Brustschmerzen, Ohnmacht oder einer Erektion, die länger als vier Stunden anhält. Bei plötzlichem Seh- oder Hörverlust nach der Einnahme setzen Sie das Mittel ab und lassen Sie sich sofort untersuchen.
Häufige Fragen
Gibt es ein Medikament, das bei allen Männern wirkt?
Nein. Wie gut ein Wirkstoff wirkt und vertragen wird, hängt von der Ursache der Erektionsstörung, von Begleiterkrankungen und von der richtigen Anwendung ab. Nach Operationen im Beckenbereich oder bei ausgeprägten Nervenschäden sprechen Männer im Durchschnitt schlechter auf Tabletten an.
Helfen die Tabletten auch bei fehlender Lust?
Nein. PDE-5-Hemmer erleichtern die Erektion bei sexueller Erregung, steigern aber nicht das Verlangen. Bei anhaltender Lustlosigkeit sollten Ursachen wie Hormonmangel, Depressionen, Medikamente oder Belastungen in der Partnerschaft abgeklärt werden.
Muss ich ein Mittel gegen Erektionsstörungen dauerhaft einnehmen?
Die meisten Wirkstoffe werden bei Bedarf eingenommen. Ob eine Behandlung langfristig nötig ist, hängt von der Ursache ab. Lassen sich Auslöser wie Übergewicht, Rauchen oder bestimmte Medikamente beheben, kann sich die Erektionsfähigkeit auch wieder bessern.
Warum kann Alprostadil helfen, wenn Tabletten nicht ausreichen?
PDE-5-Hemmer verstärken ein Signal, das bei sexueller Erregung von den Nerven ausgeht. Sind diese Nerven etwa nach einer Operation im Beckenbereich geschädigt, fällt die Wirkung oft schwächer aus. Alprostadil erweitert die Gefäße direkt im Schwellkörper und ist weniger auf dieses Signal angewiesen. Ob es infrage kommt, wird in der Regel in einer urologischen Praxis geklärt.
Weitere Informationen zu Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten bei Erektionsstörungen finden Sie auf unserer Themenseite.