Terbinafin in Tablettenform wird vor allem bei Nagelpilz eingesetzt, wenn eine äußerliche Behandlung nicht ausreicht. Weil die Einnahme meist mehrere Monate dauert, lohnt es sich, Nebenwirkungen und notwendige Kontrollen zu kennen. Dieser Beitrag erklärt, worauf Sie während der Behandlung achten sollten, mit besonderem Blick auf die Leber.
Das Wichtigste in Kürze
- Sehr häufig sind Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Hautausschlag sowie Gelenk- und Muskelschmerzen.
- Leberschäden sind selten, können aber schwer verlaufen. Die Leberwerte sollen vor Beginn und regelmäßig während der Behandlung kontrolliert werden, erstmals nach 4 bis 6 Wochen.
- Gelbe Haut oder Augen, dunkler Urin, heller Stuhl, anhaltende Übelkeit oder ungewöhnliche Müdigkeit sind Gründe, die Einnahme zu beenden und sofort ärztlich abzuklären.
- Geschmacksstörungen sind häufig und klingen nach dem Absetzen meist innerhalb weniger Wochen ab, in Einzelfällen dauern sie länger.
Warum die Behandlung Geduld und Kontrollen braucht
Nicht jede verdickte oder verfärbte Nagelplatte ist ein Pilzbefall. Auch Schuppenflechte, Verletzungen oder Durchblutungsstörungen können ähnlich aussehen. Vor einer Behandlung mit Tabletten sollte der Pilz deshalb möglichst durch eine Laboruntersuchung von Nagelmaterial nachgewiesen werden. Bei leichtem Befall weniger Nägel kommen oft zunächst wirkstoffhaltige Nagellacke infrage.
Terbinafin reichert sich im Nagel an und wirkt dort gegen Fadenpilze. Die Behandlung dauert laut Fachinformation meist 6 Wochen bis 3 Monate. Bei Fingernägeln reicht oft weniger als 3 Monate, bei Zehennägeln sind in den meisten Fällen 3 Monate nötig, teils auch 6 Monate oder länger. Der sichtbare Erfolg zeigt sich erst, wenn der gesunde Nagel nachgewachsen ist. Das kann noch Monate nach der letzten Tablette dauern. Ein unveränderter Nagel am Ende der Einnahme bedeutet deshalb nicht, dass die Behandlung erfolglos war.
Häufige Nebenwirkungen
Laut Fachinformation sehr häufig sind Kopfschmerzen, Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, Übelkeit, leichte Bauchschmerzen und Durchfall. Ebenfalls sehr häufig treten Hautausschläge, Nesselsucht sowie Gelenk- und Muskelschmerzen auf.
Häufig sind Geschmacksstörungen, Schwindel, Sehstörungen und Müdigkeit beschrieben. Auch depressive Verstimmungen und Angst kommen vor, teils als Folge anhaltender Geschmacksstörungen. Viele dieser Beschwerden sind leicht und vorübergehend. Wenn sie Sie belasten oder zunehmen, sprechen Sie das ärztlich an.
Die Leber: Kontrollen und Warnzeichen
Terbinafin wird in der Leber abgebaut. Selten kommt es zu Leberentzündungen, Gelbsucht, Gallestau oder schwerem Leberversagen, das in Einzelfällen eine Lebertransplantation erforderlich machte oder tödlich verlief. Leberschäden können auch ohne vorbestehende Lebererkrankung auftreten. Bei schwerer Leberfunktionsstörung darf Terbinafin nicht eingenommen werden, bei chronischen oder akuten Lebererkrankungen wird es nicht empfohlen.
| Zeitpunkt | Was vorgesehen ist |
|---|---|
| Vor Behandlungsbeginn | Bestimmung der Leberwerte, Abfrage von Lebererkrankungen, Alkoholkonsum und anderen Arzneimitteln |
| Nach 4 bis 6 Wochen | Erneute Kontrolle der Leberwerte, danach in Abständen nach ärztlicher Vorgabe |
| Während der gesamten Einnahme | Auf Warnzeichen achten; bei erhöhten Werten wird Terbinafin sofort abgesetzt |
Beenden Sie die Einnahme und lassen Sie sich umgehend ärztlich untersuchen, wenn eines dieser Zeichen auftritt:
- Gelbfärbung von Haut oder Augenweiß,
- dunkler Urin oder heller Stuhl,
- anhaltende Übelkeit, Erbrechen oder Appetitlosigkeit,
- Schmerzen im rechten Oberbauch,
- ungewöhnliche Müdigkeit oder Schwäche ohne erkennbaren Grund.
Geschmack und Geruch
Ein abgeschwächter Geschmack bis hin zum Geschmacksverlust gehört zu den häufigen Nebenwirkungen. Laut Fachinformation klingt die Störung nach dem Absetzen gewöhnlich innerhalb weniger Wochen ab, in Einzelfällen hält sie länger an. Mit unbekannter Häufigkeit ist außerdem ein verminderter oder fehlender Geruchssinn beschrieben, der auch dauerhaft bestehen bleiben kann.
Wer kaum noch etwas schmeckt, isst oft weniger. Das kann zu Gewichtsabnahme und Niedergeschlagenheit führen. Melden Sie deutliche Veränderungen des Geschmacks deshalb frühzeitig ärztlich. Gemeinsam lässt sich dann entscheiden, ob die Behandlung beendet werden sollte.
Haut, Blutbild und Immunsystem
Sehr selten treten schwere Hautreaktionen wie ein Stevens-Johnson-Syndrom oder eine toxische epidermale Nekrolyse auf. Auch eine Arzneimittelreaktion mit Fieber und Beteiligung innerer Organe (DRESS) ist beschrieben, ihre Häufigkeit ist nicht bekannt. Warnzeichen sind ein sich ausbreitender Ausschlag mit Blasen, Hautablösung, Schleimhautentzündungen oder Fieber. Brechen Sie die Einnahme in diesem Fall ab und holen Sie sofort Hilfe, bei Atemnot oder Schwellungen im Gesicht über den Notruf 112 (Schweiz: 144).
Terbinafin kann außerdem eine Schuppenflechte verschlechtern und einen Lupus erythematodes auslösen oder verstärken. Hinweise auf einen Lupus sind zum Beispiel ein schmetterlingsförmiger Ausschlag im Gesicht, Gelenkschmerzen und Fieber. Sehr selten verändert sich das Blutbild. Fieber mit Halsschmerzen, Entzündungen im Mund, ungewohnte Blutergüsse oder Blutungen sollten deshalb ärztlich abgeklärt werden, gegebenenfalls mit einem Blutbild.
Wechselwirkungen und besondere Situationen
Terbinafin hemmt das Leberenzym CYP2D6 und kann dadurch die Spiegel anderer Arzneimittel erhöhen. Das betrifft unter anderem trizyklische Antidepressiva, bestimmte SSRI, Betablocker wie Metoprolol und Antiarrhythmika wie Flecainid oder Propafenon. Umgekehrt senkt Rifampicin den Terbinafin-Spiegel, während Cimetidin und Fluconazol ihn erhöhen können. Die Wirkung von Ciclosporin kann abgeschwächt werden.
Fluconazol ist selbst ein Pilzmittel, das zum Beispiel bei Scheidenpilz eingesetzt wird und ebenfalls die Leber belasten kann. Mehr dazu im Beitrag: Nebenwirkungen von Fluconazol. Bei Frauen, die die Pille einnehmen, sind vereinzelt Zyklusunregelmäßigkeiten beschrieben. Bei eingeschränkter Nierenfunktion, in der Schwangerschaft und in der Stillzeit wird Terbinafin in Tablettenform in der Regel nicht angewendet.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
Sprechen Sie zeitnah mit einer Ärztin oder einem Arzt, wenn Geschmack oder Geruch sich deutlich verändern, Sie ungewollt abnehmen, sich niedergeschlagen fühlen, neue Hautausschläge oder Gelenkschmerzen auftreten oder die Kontrolle der Leberwerte noch aussteht. Informieren Sie auch über neu verordnete Arzneimittel.
Beenden Sie die Einnahme und holen Sie sofort Hilfe bei Zeichen einer Leberschädigung, ausgedehntem Ausschlag mit Blasen, hohem Fieber mit Halsschmerzen oder einer schweren allergischen Reaktion. In Deutschland erreichen Sie außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. Dieser Beitrag ersetzt keine persönliche ärztliche Beratung.
Häufige Fragen
Muss ich unter Terbinafin auf Alkohol verzichten?
Die Fachinformation enthält kein ausdrückliches Alkoholverbot. Da Terbinafin in der Leber abgebaut wird und Alkohol die Leber zusätzlich belastet, ist Zurückhaltung sinnvoll. Regelmäßigen oder höheren Alkoholkonsum sollten Sie vor Beginn ärztlich angeben.
Kommt der Geschmack nach dem Absetzen zurück?
In der Regel ja, laut Fachinformation meist innerhalb weniger Wochen. In Einzelfällen halten Geschmacksstörungen länger an. Melden Sie Veränderungen frühzeitig, damit ärztlich entschieden werden kann, ob die Behandlung beendet werden sollte.
Warum sieht der Nagel nach der Behandlung noch krank aus?
Terbinafin wirkt im Nagel, der betroffene Teil wächst aber nur langsam heraus. Ein Fußnagel braucht dafür oft viele Monate. Ob die Behandlung erfolgreich war, lässt sich deshalb meist erst deutlich nach der letzten Tablette beurteilen.
Gelten die Leberwarnungen auch für Terbinafin-Creme?
Bei äußerlicher Anwendung auf der Haut gelangt nur sehr wenig Wirkstoff ins Blut. Die beschriebenen Leberrisiken und Kontrollen beziehen sich auf die Einnahme von Tabletten. Hautreizungen an der behandelten Stelle sind bei Cremes möglich.
Allgemeine Informationen zu Nagelpilz, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf der Informationsseite.
Fachlich geprüft vom medizinischen Team von Doctorcura am 26. September 2026 · So entstehen unsere Inhalte
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