Zolpidem ist ein verschreibungspflichtiges Schlafmittel aus der Gruppe der Z-Substanzen. Wie alle Schlafmittel kann es Nebenwirkungen haben, von Müdigkeit am nächsten Tag bis zu seltenen, aber ernsten Reaktionen wie Schlafwandeln. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Informationen aus der Gebrauchsinformation zusammen und richtet sich an Menschen, denen Zolpidem verordnet wurde, und an ihre Angehörigen.
Das Wichtigste in Kürze
- Zolpidem ist nur für die Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen bei Erwachsenen vorgesehen, höchstens 4 Wochen einschließlich Ausschleichen.
- Häufige Nebenwirkungen sind Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Albträume, Gedächtnislücken und Magen-Darm-Beschwerden.
- Schlafwandeln, Essen oder Autofahren im Schlaf sind möglich. Wer das erlebt, sollte Zolpidem nicht erneut einnehmen.
- Zwischen Einnahme und Autofahren sollten mindestens 8 Stunden liegen.
- Zolpidem kann abhängig machen. Zusammen mit Alkohol oder Opioiden drohen gefährliche Atemprobleme.
Was Zolpidem ist und wann es nicht angewendet werden darf
Zolpidem verstärkt im Gehirn die Wirkung des dämpfenden Botenstoffs GABA. Es wird rasch aufgenommen und hat mit 2 bis 4 Stunden eine kurze Halbwertszeit. Laut Gebrauchsinformation ist es zur Kurzzeitbehandlung klinisch bedeutsamer Schlafstörungen bei Erwachsenen bestimmt. Die Behandlung soll so kurz wie möglich sein, meist wenige Tage bis 2 Wochen und höchstens 4 Wochen einschließlich der Phase, in der die Dosis verringert wird. Ältere und geschwächte Menschen erhalten in der Regel eine niedrigere Dosis.
Nicht angewendet werden darf Zolpidem unter anderem bei schwerer Leberfunktionsstörung, Schlafapnoe, Myasthenia gravis, akuter oder schwerer Atemschwäche und nach früheren komplexen Schlafverhaltensweisen unter Zolpidem. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollen es nicht einnehmen. In der Schwangerschaft, besonders in den ersten drei Monaten, und in der Stillzeit soll Zolpidem laut Gebrauchsinformation nicht angewendet werden. Nach der Leitlinie ist bei chronischen Schlafstörungen zudem zuerst eine Verhaltenstherapie die empfohlene Behandlung.
Häufige Nebenwirkungen
Als häufig gelten Nebenwirkungen, die bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen. Bei Zolpidem sind das laut Gebrauchsinformation unter anderem:
- Schläfrigkeit, auch am nächsten Tag, und Müdigkeit
- Kopfschmerzen und Schwindel
- verstärkte Schlaflosigkeit und Albträume
- Unruhe und Halluzinationen
- Gedächtnislücken für die Zeit nach der Einnahme
- Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen
- Rückenschmerzen und Infekte der Atemwege
Bei älteren Menschen wiegen Schläfrigkeit, Gangunsicherheit und verminderte Aufmerksamkeit besonders schwer, weil sie das Sturzrisiko erhöhen. Seltener sind Verwirrtheit, Reizbarkeit, Aggressivität und andere paradoxe Reaktionen, verschwommenes oder doppeltes Sehen sowie erhöhte Leberwerte. Selten kommt es zu Leberschäden.
Schlafwandeln und andere komplexe Verhaltensweisen
Zolpidem kann komplexe Verhaltensweisen im Schlaf auslösen. Betroffene stehen auf, gehen umher, essen, telefonieren, haben Sex oder fahren sogar Auto, ohne vollständig wach zu sein. Am nächsten Morgen fehlt meist jede Erinnerung daran. Solche Episoden können auch bei der ersten Einnahme auftreten und die betroffene Person sowie andere gefährden.
Das Risiko steigt, wenn zusätzlich Alkohol getrunken wird, andere dämpfende Mittel eingenommen werden oder die verordnete Dosis überschritten wird. Bemerken Sie selbst oder Angehörige ein solches Verhalten, sollte Zolpidem nicht erneut eingenommen und umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden. Um Gedächtnislücken vorzubeugen, sollte Zolpidem erst unmittelbar vor dem Schlafengehen und nur dann eingenommen werden, wenn eine ungestörte Nachtruhe möglich ist.
Nachwirkung am nächsten Tag und Fahrtüchtigkeit
Obwohl Zolpidem kurz wirkt, können Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit am nächsten Morgen noch eingeschränkt sein. Die Gebrauchsinformation empfiehlt, zwischen der Einnahme und Tätigkeiten wie Autofahren, dem Bedienen von Maschinen oder Arbeiten in der Höhe mindestens 8 Stunden verstreichen zu lassen. Das Risiko ist höher, wenn weniger Zeit vergangen ist, die Dosis überschritten wurde oder zusätzlich Alkohol oder andere dämpfende Mittel im Spiel sind.
Manche Betroffene fühlen sich morgens fit, obwohl ihre Reaktionszeit noch verlängert ist. Wer sich benommen, schwindelig oder unkonzentriert fühlt, sollte auch nach 8 Stunden nicht fahren. Mehr zu Nachwirkungen und Risikogruppen lesen Sie im Beitrag: Risiken von Schlafmitteln.
Abhängigkeit, Entzug und Rebound
Zolpidem kann zu Missbrauch sowie körperlicher und psychischer Abhängigkeit führen. Laut Gebrauchsinformation steigt das Risiko mit Dosis und Behandlungsdauer und ist bei einer Anwendung über mehr als 4 Wochen erhöht. Menschen, die bereits von Alkohol, Medikamenten oder Drogen abhängig waren, sind besonders gefährdet. Bei regelmäßiger Einnahme kann außerdem die Wirkung nachlassen.
Wird Zolpidem nach längerer Einnahme plötzlich abgesetzt, können Entzugserscheinungen auftreten, etwa Kopf- und Muskelschmerzen, Angst, Unruhe, Verwirrtheit und Reizbarkeit, in schweren Fällen Wahrnehmungsstörungen oder Krampfanfälle. Auch ein Rebound mit vorübergehend verstärkter Schlaflosigkeit ist möglich. Die Dosis sollte deshalb schrittweise und in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt verringert werden. Wie das gelingt, erklärt der Beitrag: Abhängigkeit von Schlafmitteln.
Wechselwirkungen und Alkohol
Die gleichzeitige Einnahme von Zolpidem und Opioiden kann zu starker Schläfrigkeit, Atemdämpfung und Koma führen, im schlimmsten Fall tödlich enden. Eine solche Kombination kommt nur in Betracht, wenn es keine Alternative gibt, und dann mit niedrigster Dosis und kürzester Dauer. Auch andere dämpfende Mittel wie Beruhigungsmittel, bestimmte Antidepressiva, Antipsychotika, Antiepileptika und sedierende Antihistaminika verstärken die Wirkung.
Einige Arzneimittel verändern den Abbau von Zolpidem. Von einer gleichzeitigen Anwendung mit Fluvoxamin, Ciprofloxacin oder Johanniskraut rät die Gebrauchsinformation ab. Bestimmte Pilzmittel wie Ketoconazol können die Wirkung verstärken, Rifampicin oder Carbamazepin können sie abschwächen. Alkohol sollte während der Behandlung ganz gemieden werden, weil er die Wirkung unvorhersehbar verstärkt und das Risiko für Schlafwandeln und Atemprobleme erhöht. Einen kurzen Vergleich der beiden Z-Substanzen enthält der Beitrag: Zopiclon: Nebenwirkungen, Abhängigkeit und Wechselwirkungen.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
Sprechen Sie zeitnah mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Nebenwirkungen anhalten oder stärker werden, wenn Sie gestürzt sind, sich an Teile der Nacht nicht erinnern, die Wirkung nachlässt oder Ihre Schlafprobleme nach der kurzen Behandlung weiter bestehen. Das gilt auch bei gedrückter Stimmung, denn Zolpidem behandelt keine Depression und kann bestehende Beschwerden verstärken. Eine Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunkler Urin oder anhaltende Oberbauchschmerzen sollten ebenfalls rasch abgeklärt werden.
Sofortige Hilfe brauchen Sie bei flacher oder verlangsamter Atmung, schwer weckbarer Person, Schwellungen von Gesicht oder Rachen und bei einer möglichen Überdosierung, besonders zusammen mit Alkohol oder Opioiden: Notruf 112 (Schweiz: 144). Bei Vergiftungsverdacht berät in der Schweiz Tox Info Suisse unter 145. Bei Gedanken an Selbstverletzung erreichen Sie in Deutschland die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111 und in der Schweiz Die Dargebotene Hand unter 143.
Häufige Fragen
Wie lange nach der Einnahme von Zolpidem darf ich Auto fahren?
Die Gebrauchsinformation nennt mindestens 8 Stunden zwischen Einnahme und Autofahren. Fühlen Sie sich danach noch müde, benommen oder unkonzentriert, sollten Sie auch später nicht fahren. Alkohol und andere dämpfende Mittel verlängern die Beeinträchtigung.
Was soll ich tun, wenn ich mich an nächtliche Aktivitäten nicht erinnere?
Nehmen Sie Zolpidem nicht erneut ein und sprechen Sie umgehend mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Hinweise können zum Beispiel Essensreste, verschickte Nachrichten oder Berichte von Angehörigen sein. Nach einem solchen Ereignis darf Zolpidem laut Gebrauchsinformation nicht mehr angewendet werden.
Kann ich Zolpidem einfach absetzen?
Nach längerer oder regelmäßiger Einnahme sollten Sie Zolpidem nicht abrupt absetzen, weil Entzugserscheinungen und Rebound-Schlaflosigkeit auftreten können. Besprechen Sie einen schrittweisen Plan mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Darf ich Zolpidem in der Schwangerschaft oder Stillzeit nehmen?
Nein. Laut Gebrauchsinformation soll Zolpidem in der Schwangerschaft, besonders in den ersten drei Monaten, und in der Stillzeit nicht angewendet werden. Wird es gegen Ende der Schwangerschaft eingenommen, können beim Neugeborenen niedrige Körpertemperatur, Muskelschwäche, Atemprobleme oder Entzugszeichen auftreten. Wenn Sie schwanger sind, eine Schwangerschaft planen oder stillen, besprechen Sie Schlafprobleme ärztlich.
Weitere Informationen zu Schlafstörungen, ihren Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf der Informationsseite zur Schlafberatung.
Fachlich geprüft vom medizinischen Team von Doctorcura am 26. September 2026 · So entstehen unsere Inhalte
Passende Präparate
ZolpidemZolpidemab 103,36 €95,55 €CHF 88,00CHF 80,0089,47 €88,68 €92,07 €94,68 €108,57 €90,33 €98,59 €91,20 €93,81 €86,86 €
ZopiclonZopiclonab 90,44 €83,60 €CHF 77,00CHF 70,0078,28 €77,60 €80,56 €82,84 €95,00 €79,04 €86,26 €79,80 €82,08 €76,00 €
TemazepamTemazepamab 103,36 €95,55 €CHF 88,00CHF 80,0089,47 €88,68 €92,07 €94,68 €108,57 €90,33 €98,59 €91,20 €93,81 €86,86 €


