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Ratgeber

GLP-1-Therapie verständlich erklärt: Grundlagen für Einsteiger

GLP1-Therapie für Einsteiger sicher starten

Wer sich erstmals mit Medikamenten zur Gewichtsreduktion beschäftigt, stößt auf Begriffe wie GLP-1, Semaglutid oder „Abnehmspritze“. Dieser Beitrag erklärt die Grundlagen einer GLP-1-Therapie, von der Wirkweise über die verfügbaren Wirkstoffe bis zum Alltag mit der Behandlung. Ob sie für Sie persönlich infrage kommt, klärt eine ärztliche Prüfung.

Das Wichtigste in Kürze

  • GLP-1-Medikamente ahmen ein körpereigenes Darmhormon nach, das Sättigung, Magenentleerung und Blutzucker beeinflusst.
  • Aus dieser Wirkstoffgruppe sind in der EU Liraglutid, Semaglutid und Tirzepatid für das Gewichtsmanagement zugelassen, als Spritze und bei Semaglutid auch als Tablette.
  • Die Therapie ergänzt Ernährung und Bewegung, sie ersetzt sie nicht. Nach dem Absetzen steigt das Gewicht häufig wieder an.
  • Die Medikamente sind verschreibungspflichtig. Ob eine Behandlung passt, entscheidet immer eine Ärztin oder ein Arzt.

Was GLP-1 ist und wie die Medikamente wirken

GLP-1 steht für Glucagon-like Peptide-1. Der Darm schüttet dieses Hormon nach dem Essen aus. Es fördert abhängig vom Blutzucker die Freisetzung von Insulin, verlangsamt die Magenentleerung und sendet Sättigungssignale an das Gehirn.

GLP-1-Rezeptoragonisten wie Liraglutid und Semaglutid binden an dieselben Rezeptoren, wirken aber deutlich länger als das körpereigene Hormon. Tirzepatid aktiviert zusätzlich den Rezeptor für GIP, ein zweites Darmhormon, und wird deshalb als dualer GIP/GLP-1-Rezeptoragonist bezeichnet. Im Alltag ist oft vereinfacht von GLP-1-Therapie die Rede, auch wenn Tirzepatid gemeint ist.

Spürbar wird die Wirkung vor allem über den Appetit. Viele Behandelte werden früher satt und denken seltener an Essen. Wie stark das ausgeprägt ist, unterscheidet sich von Person zu Person.

Welche Wirkstoffe und Darreichungsformen es gibt

Für das Gewichtsmanagement bei Erwachsenen sind in der EU derzeit diese GLP-1-basierten Wirkstoffe zugelassen:

Wirkstoff Anwendung Besonderheit
Liraglutid Spritze einmal täglich seit Längerem zugelassen, tägliche Anwendung
Semaglutid Spritze einmal wöchentlich oder Tablette einmal täglich Die Tablette wird nüchtern mit wenig Wasser eingenommen, danach mindestens 30 Minuten warten.
Tirzepatid Spritze einmal wöchentlich wirkt an GLP-1- und GIP-Rezeptoren

Einige dieser Wirkstoffe gibt es unter anderen Handelsnamen und in anderen Dosierungen auch zur Behandlung von Typ-2-Diabetes. Diese Präparate sind nicht beliebig austauschbar, weil sich Dosis, Pen und Zulassung unterscheiden. Einen sachlichen Vergleich der Optionen bietet der Beitrag: Medikamente zur Gewichtsreduktion: Wirkstoffe im Überblick.

Was die Therapie leisten kann und was nicht

Zugelassen sind die Medikamente als Ergänzung zu einer kalorienreduzierten Ernährung und mehr körperlicher Aktivität. In den Zulassungsstudien erhielten alle Teilnehmenden eine solche Begleitung, auch die Gruppen mit Placebo. Die Medikamente erleichtern es, weniger zu essen. Veränderungen bei Essgewohnheiten, Bewegung und Schlaf bleiben trotzdem Teil der Behandlung.

Gewichtsverlust verläuft nicht gleichmäßig. Er entwickelt sich über Monate, und nach einer gewissen Zeit flacht die Kurve ab. Manche Menschen sprechen deutlich an, andere nur wenig. Neben dem Gewicht zählen auch Blutdruck, Blutzucker, Beweglichkeit und Wohlbefinden.

Eine GLP-1-Therapie ist auf längere Zeit angelegt. In Studien, in denen die Behandlung durch Placebo ersetzt wurde, nahmen die Teilnehmenden wieder zu. Das ist kein persönliches Versagen, sondern Folge der wegfallenden Wirkung auf den Appetit. Wie lange behandelt wird, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Für wen die Behandlung grundsätzlich gedacht ist

Bei Erwachsenen setzt die EU-Zulassung für das Gewichtsmanagement einen BMI ab 30 kg/m² voraus oder einen BMI ab 27 bis unter 30 kg/m², wenn mindestens eine gewichtsbedingte Begleiterkrankung besteht. Dazu zählen zum Beispiel Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Prädiabetes oder Typ-2-Diabetes, Schlafapnoe und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Diese Grenzen sind eine Voraussetzung, keine Zusage. Vorerkrankungen, Medikamente, Kinderwunsch und frühere Erfahrungen fließen in die ärztliche Entscheidung ein. Welche Punkte im Einzelnen geprüft werden, erläutert der Beitrag: Semaglutid zur Gewichtsreduktion: medizinische Voraussetzungen.

Praktisches vor der ersten Anwendung

Die Spritzen werden mit einem Fertigpen unter die Haut gesetzt, meist in Bauch oder Oberschenkel, je nach Präparat auch in den Oberarm. Wechseln Sie die Einstichstelle regelmäßig und teilen Sie einen Pen nie mit anderen Personen, auch nicht mit neuer Nadel. Lesen Sie vor der ersten Anwendung die Bedienungsanleitung in der Packungsbeilage.

Ungeöffnete Pens werden im Kühlschrank gelagert und dürfen nicht einfrieren. Wie lange ein Pen ungekühlt aufbewahrt werden darf, hängt vom Präparat ab und steht in der Packungsbeilage.

  • Planen Sie den Beginn nicht direkt vor wichtigen Terminen oder einem Urlaub, weil die ersten Wochen mit Magen-Darm-Beschwerden verbunden sein können.
  • Die Dosis wird in Stufen gesteigert. Wie das abläuft, erklärt der Ratgeber zur Dosissteigerung.
  • Erwähnen Sie die Behandlung vor Operationen, Narkosen oder einer Magenspiegelung, weil sich der Magen verzögert entleert.
  • Wer Insulin oder Sulfonylharnstoffe anwendet, hat ein höheres Risiko für Unterzuckerungen. Die Dosis dieser Mittel muss eventuell ärztlich angepasst werden.
  • Frauen im gebärfähigen Alter wird während der Behandlung eine wirksame Verhütung empfohlen. Vor einer geplanten Schwangerschaft muss das Medikament rechtzeitig abgesetzt werden.
  • Achten Sie trotz geringeren Appetits auf ausreichend Eiweiß und Flüssigkeit. Krafttraining kann helfen, Muskulatur zu erhalten.

Beziehen Sie verschreibungspflichtige GLP-1-Medikamente nur mit ärztlichem Rezept aus einer registrierten Apotheke. Die europäischen Arzneimittelbehörden haben vor gefälschten Pens gewarnt, die ohne Rezept über Internetseiten oder soziale Medien angeboten werden.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Erbrechen und Bauchschmerzen. Die Nebenwirkungen treten vor allem zu Beginn und nach Dosiserhöhungen auf und lassen bei vielen Menschen mit der Zeit nach. Melden Sie sich ärztlich, wenn Beschwerden stark sind, anhalten oder Sie nicht ausreichend trinken können.

Sofort abklären lassen sollten Sie starke, anhaltende Bauchschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen können, Gelbfärbung von Haut oder Augen, wiederholtes Erbrechen mit Zeichen von Austrocknung, einen plötzlichen Sehverlust und Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion wie Atemnot oder Schwellungen im Gesicht. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112 (Schweiz: 144).

Häufige Fragen

Ist eine GLP-1-Therapie eine Diät?

Nein. Es handelt sich um eine medikamentöse Behandlung, die eine kalorienreduzierte Ernährung und mehr Bewegung ergänzt. Das Medikament erleichtert es, weniger zu essen, gesunde Gewohnheiten bleiben aber die Grundlage.

Muss ich mir die Spritze selbst setzen?

In der Regel ja. Die Fertigpens sind für die Selbstanwendung gedacht, die Packungsbeilage erklärt jeden Schritt. Für Semaglutid gibt es alternativ eine Tablette, die täglich nach festen Regeln eingenommen wird. Welche Form infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Wie lange dauert eine Behandlung?

Die Therapie ist auf längere Zeit angelegt, eine feste Dauer gibt es nicht. Weil das Gewicht nach dem Absetzen häufig wieder steigt, sollte die Frage nach Dauer und Beendigung früh ärztlich besprochen werden.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

In Deutschland schließen die gesetzlichen Krankenkassen Arzneimittel, die überwiegend der Gewichtsreduktion dienen, grundsätzlich von der Erstattung aus. Private Krankenversicherungen und Schweizer Krankenkassen haben eigene Regeln. Fragen Sie vor Beginn bei Ihrer Versicherung nach.

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Allgemeine Informationen zu Behandlungsmöglichkeiten bei Übergewicht und Adipositas finden Sie auf unserer Themenseite.

Zum Bereich Gewichtsmanagement

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112 (Schweiz: 144).

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