In der EU sind mehrere Arzneimittel zur Gewichtsregulierung zugelassen. Die Mittel unterscheiden sich darin, wie sie wirken, wie sie angewendet werden und welche Nebenwirkungen im Vordergrund stehen. Dieser Überblick stellt die Wirkstoffe sachlich nebeneinander. Er soll Ihnen helfen, das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt vorzubereiten, und ersetzt keine individuelle Beratung.
Das Wichtigste in Kürze
- Zur Gewichtsregulierung stehen in der EU Semaglutid, Tirzepatid, Liraglutid, Orlistat und die Kombination Naltrexon/Bupropion zur Verfügung.
- Die Wirkstoffe unterscheiden sich im Wirkprinzip und in der Anwendung: Spritze oder Tablette, täglich oder einmal pro Woche.
- Alle werden ergänzend zu Ernährungsumstellung und mehr Bewegung eingesetzt. Die meisten sind verschreibungspflichtig.
- Welcher Wirkstoff infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach Prüfung von Vorerkrankungen, Medikamenten und persönlicher Situation.
Für wen Medikamente zur Gewichtsreduktion gedacht sind
Die Arzneimittel sind für Erwachsene mit Adipositas (BMI ab 30) oder mit Übergewicht und mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung zugelassen. Für die meisten Wirkstoffe liegt diese Grenze bei einem BMI ab 27, für Orlistat bei einem BMI ab 28 mit Risikofaktoren. Typische Begleiterkrankungen sind Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Prädiabetes, Typ-2-Diabetes oder Schlafapnoe.
Alle Medikamente wirken nur im Rahmen einer umfassenden Behandlung mit angepasster Ernährung und Bewegung. Die Medikamente sind keine kurzfristige Lösung für wenige Kilo, sondern auf eine längere Anwendung ausgelegt.
Die Wirkstoffe und ihr Wirkprinzip
GLP-1-Rezeptoragonisten: Semaglutid und Liraglutid
Beide Wirkstoffe ahmen das körpereigene Darmhormon GLP-1 nach, verstärken das Sättigungsgefühl im Gehirn, verlangsamen die Magenentleerung und senken so den Appetit. Semaglutid wird einmal wöchentlich unter die Haut gespritzt. Seit 2026 ist es in der EU zur Gewichtsregulierung zusätzlich als Tablette zugelassen, die einmal täglich nüchtern eingenommen wird. Liraglutid wirkt kürzer und wird täglich gespritzt, die Dosis wird wöchentlich gesteigert. Wurden nach zwölf Wochen auf der Enddosis nicht mindestens 5 Prozent des Ausgangsgewichts verloren, soll die Behandlung bei Erwachsenen beendet werden.
Semaglutid ist unter anderem der Wirkstoff von Wegovy, Liraglutid der von Saxenda. Beide Wirkstoffe gibt es auch in Präparaten zur Diabetesbehandlung. Diese haben andere Dosisstärken und Pens und sind nicht einfach gegen die Präparate zur Gewichtsregulierung austauschbar.
GIP- und GLP-1-Rezeptoragonist: Tirzepatid
Tirzepatid aktiviert neben dem GLP-1-Rezeptor auch den Rezeptor für das Hormon GIP. Es wird einmal wöchentlich gespritzt, beginnend mit 2,5 mg. Die Dosis wird in Schritten von mindestens vier Wochen erhöht. Tirzepatid ist der Wirkstoff von Mounjaro und in der EU sowohl für Typ-2-Diabetes als auch für das Gewichtsmanagement zugelassen. Die Unterschiede zu Semaglutid beschreibt der Beitrag: Semaglutid und Tirzepatid im Vergleich.
Orlistat
Orlistat hemmt im Darm das Enzym Lipase, sodass ein Teil des Nahrungsfetts unverdaut ausgeschieden wird. Die Kapseln werden zu den Hauptmahlzeiten eingenommen. Fettreiche Mahlzeiten führen zu fettigen, weichen Stühlen und plötzlichem Stuhldrang. Weil die Aufnahme fettlöslicher Vitamine sinken kann, wird oft ein Vitaminpräparat empfohlen. In niedriger Dosierung ist Orlistat in Deutschland rezeptfrei in Apotheken erhältlich.
Naltrexon/Bupropion
Die Kombination wirkt im Gehirn auf Regelkreise für Hunger und Belohnung. Die Tabletten werden über vier Wochen aufdosiert. Nach 16 Wochen wird geprüft, ob mindestens 5 Prozent Gewicht verloren wurden, andernfalls wird die Behandlung beendet. Danach wird mindestens jährlich neu beurteilt, ob die Behandlung fortgesetzt werden soll. Nicht angewendet werden darf die Kombination unter anderem bei nicht eingestelltem Bluthochdruck, Krampfanfällen oder Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht (jeweils auch in der Vorgeschichte), einer bipolaren Störung oder bei Einnahme von Opioiden. Die Kombination ist nicht in allen Ländern verfügbar.
Vergleich auf einen Blick
| Wirkstoff | Anwendung | Wirkprinzip | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Semaglutid | Spritze einmal wöchentlich oder Tablette einmal täglich | GLP-1-Rezeptoragonist | Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Müdigkeit |
| Tirzepatid | Spritze einmal wöchentlich | GIP- und GLP-1-Rezeptoragonist | Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Verstopfung, Bauchschmerzen |
| Liraglutid | Spritze einmal täglich | GLP-1-Rezeptoragonist | Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung |
| Orlistat | Kapsel zu den Hauptmahlzeiten | Hemmung der Fettaufnahme im Darm | fettige Stühle, Stuhldrang, Blähungen |
| Naltrexon/Bupropion | Tabletten, nach Aufdosierung zweimal täglich | Wirkung auf Hunger- und Belohnungszentren im Gehirn | Übelkeit, Verstopfung, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Mundtrockenheit |
Nebenwirkungen und Sicherheitshinweise
Bei Semaglutid, Tirzepatid und Liraglutid stehen Magen-Darm-Beschwerden im Vordergrund, vor allem während der Dosissteigerung. Deshalb beginnen alle drei mit einer niedrigen Dosis. Seltener, aber ernst zu nehmen sind eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung, Gallensteine und ein Flüssigkeitsverlust durch Erbrechen oder Durchfall, der die Nieren belasten kann. Vor einer Narkose oder tiefen Sedierung sollte das Behandlungsteam von der Anwendung wissen. In Kombination mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen steigt das Risiko für Unterzuckerungen. Ausführliche Informationen zu Semaglutid finden Sie im Beitrag: Nebenwirkungen von Semaglutid. Für Tirzepatid gibt es einen eigenen Beitrag: Nebenwirkungen von Tirzepatid.
Semaglutid, Tirzepatid und Liraglutid sollen während einer Schwangerschaft nicht angewendet werden. Wer schwanger werden möchte, muss sie je nach Wirkstoff mit zeitlichem Vorlauf absetzen, bei Semaglutid mindestens zwei Monate, bei Tirzepatid mindestens einen Monat vorher. Orlistat kann die Aufnahme anderer Arzneimittel verändern, etwa von Schilddrüsenhormonen, Mitteln gegen Epilepsie oder Blutverdünnern. Bei Naltrexon/Bupropion werden Blutdruck und Puls kontrolliert, und Stimmungsveränderungen sollten sofort ärztlich besprochen werden.
Was bei der Auswahl eine Rolle spielt
Die Entscheidung beginnt nicht bei einem bestimmten Präparat, sondern bei Ihrem Gesundheitsprofil. Ärztlich berücksichtigt werden unter anderem:
- Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck
- Vorerkrankungen wie eine frühere Bauchspeicheldrüsenentzündung, Gallensteine, Epilepsie, psychische Erkrankungen oder Essstörungen
- alle weiteren Medikamente, besonders Insulin, Blutverdünner und Mittel mit enger Dosierungsgrenze
- Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit
- die Anwendung im Alltag, etwa Spritze oder Tablette, täglich oder wöchentlich
- die Verträglichkeit früherer Behandlungen sowie Verfügbarkeit und Kosten
Wechseln Sie nicht eigenständig zwischen Wirkstoffen und kombinieren Sie nie zwei GLP-1-basierte Medikamente. Beziehen Sie Arzneimittel ausschließlich über Apotheken und nicht über soziale Netzwerke oder Angebote ohne Rezept.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
Wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Nebenwirkungen Ihren Alltag deutlich beeinträchtigen, wenn Sie eine Schwangerschaft planen oder wenn eine Operation ansteht. Starke, anhaltende Bauchschmerzen, wiederholtes Erbrechen, Zeichen eines Flüssigkeitsmangels oder eine Gelbfärbung von Haut oder Augen müssen umgehend abgeklärt werden. Bei Atemnot oder Schwellungen im Gesicht und Rachen rufen Sie den Notruf 112 (Schweiz: 144).
Häufige Fragen
Sind Semaglutid-Präparate zur Diabetesbehandlung und zur Gewichtsregulierung dasselbe?
Die Präparate enthalten denselben Wirkstoff, unterscheiden sich aber in Zulassung, Dosisstärken und Pens. Deshalb sind sie nicht beliebig austauschbar. Welches Präparat für Ihre Diagnose zugelassen ist, klärt die Ärztin oder der Arzt.
Kann ich von einem Wirkstoff auf einen anderen wechseln?
Ein Wechsel ist möglich, wenn er ärztlich geplant wird. Es gibt keine feste Umrechnung der Dosen, und die Anwendung zweier ähnlicher Wirkstoffe gleichzeitig ist nicht vorgesehen. Die Ärztin oder der Arzt legt Startdosis und Zeitpunkt fest.
Gibt es Medikamente zur Gewichtsreduktion als Tablette?
Ja. Orlistat und Naltrexon/Bupropion werden als Kapsel oder Tablette eingenommen. Semaglutid ist seit 2026 in der EU zur Gewichtsregulierung auch als Tablette zugelassen. Ob diese Form in Ihrem Land bereits erhältlich ist, kann unterschiedlich sein.
Wie lange werden die Medikamente angewendet?
Die Behandlung ist in der Regel langfristig angelegt. Ob sie fortgeführt wird, hängt vom Verlauf, der Verträglichkeit und bei manchen Wirkstoffen von festen Prüfzeitpunkten ab. Nach dem Absetzen nehmen viele Menschen wieder zu.
Allgemeine Informationen zu Übergewicht, Adipositas und den Möglichkeiten der Behandlung finden Sie auf unserer Informationsseite.