Sildenafil und Tadalafil gehören zu den häufig verordneten Wirkstoffen bei erektiler Dysfunktion. Beide wirken nach demselben Prinzip, unterscheiden sich aber in einigen praktischen Punkten. Dieser Beitrag stellt die Unterschiede sachlich gegenüber. Welcher Wirkstoff im Einzelfall infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Beide Wirkstoffe sind PDE-5-Hemmer, verschreibungspflichtig und wirken nur bei sexueller Stimulation.
- Der wichtigste Unterschied ist das Zeitfenster: einige Stunden bei Sildenafil, bis zu 36 Stunden bei Tadalafil. Tadalafil kann zudem täglich in niedriger Dosis eingenommen werden.
- Sehveränderungen sind bei Sildenafil häufiger, Rücken- und Muskelschmerzen bei Tadalafil.
- Die wichtigsten Gegenanzeigen gelten für beide, etwa Nitrate und Riociguat. Die Wirkstoffe dürfen nicht kombiniert werden.
Was beide Wirkstoffe gemeinsam haben
Sildenafil, bekannt als Wirkstoff von Viagra, und Tadalafil, der Wirkstoff von Cialis, hemmen das Enzym Phosphodiesterase 5. Dadurch bleibt bei sexueller Erregung der Botenstoff cGMP länger wirksam, die Schwellkörpermuskulatur entspannt sich und mehr Blut kann einströmen. Ohne Erregung entsteht keine Erektion, und die Lust wird nicht gesteigert.
Beide Wirkstoffe sind in Deutschland und der Schweiz verschreibungspflichtig, als Originalpräparat und als Generikum erhältlich und senken den Blutdruck leicht. Deshalb gelten für beide ähnliche Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen.
Die Unterschiede im Überblick
Die Angaben in der Tabelle stammen aus den europäischen Fachinformationen.
| Merkmal | Sildenafil | Tadalafil |
|---|---|---|
| Übliche Dosis bei Bedarf | 50 mg, Anpassung auf 25 oder 100 mg | 10 mg, Anpassung auf 20 mg |
| Einnahmezeitpunkt | etwa 1 Stunde vor dem Geschlechtsverkehr | mindestens 30 Minuten vor sexueller Aktivität |
| Wirkungseintritt in Studien | im Mittel nach etwa 25 Minuten (Spanne 12 bis 37 Minuten) | bei einem Teil der Männer bereits ab 16 Minuten |
| Zeitfenster in Studien | 4 bis 5 Stunden | bis zu 36 Stunden |
| Halbwertszeit | 3 bis 5 Stunden | etwa 17,5 Stunden |
| Einfluss einer Mahlzeit | Wirkungseintritt kann verzögert sein | kein Einfluss auf die Aufnahme |
| Tägliche Einnahme | nicht vorgesehen | 2,5 oder 5 mg täglich möglich |
| Weitere Anwendung | in anderen Präparaten bei Lungenhochdruck | 5 mg täglich bei gutartiger Prostatavergrößerung, in anderen Präparaten bei Lungenhochdruck |
| Besonders typische Nebenwirkungen | Kopfschmerzen, Schwindel, Sehveränderungen | Kopfschmerzen, Rücken- und Muskelschmerzen |
Was die Unterschiede im Alltag bedeuten
Das kürzere Zeitfenster von Sildenafil ist klar abgegrenzt: Die Wirkung ist auf einige Stunden nach der Einnahme beschränkt. Eine schwere Mahlzeit kann den Beginn verzögern. Manche Männer empfinden diese Planbarkeit als angenehm.
Das lange Zeitfenster von Tadalafil macht die Einnahme weniger an einen genauen Zeitpunkt gebunden, was Druck nehmen kann. Gleichzeitig halten auch Nebenwirkungen und die Wirkung auf den Blutdruck länger an. Die tägliche Einnahme in niedriger Dosis wird laut Fachinformation erwogen, wenn eine sehr häufige Anwendung zu erwarten ist, zum Beispiel mindestens zweimal pro Woche.
Keiner der beiden Wirkstoffe ist grundsätzlich überlegen. Wie ausgeprägt Wirkung und Verträglichkeit sind, ist individuell. Mehr Einzelheiten zu Tadalafil lesen Sie im Beitrag: Tadalafil: Wirkung, Nebenwirkungen und Gegenanzeigen. Mehr Einzelheiten zu Sildenafil lesen Sie im Beitrag: Wie wirkt Sildenafil?
Nebenwirkungen im Vergleich
Kopfschmerzen, Gesichtsrötung, verstopfte Nase und Verdauungsbeschwerden kommen bei beiden Wirkstoffen häufig vor. Unterschiede zeigen sich in der Häufigkeit anderer Beschwerden:
- Sildenafil: Kopfschmerzen sind sehr häufig. Schwindel, veränderte Farbwahrnehmung, Sehstörungen und verschwommenes Sehen sind häufig. Muskelschmerzen treten gelegentlich auf.
- Tadalafil: Rückenschmerzen, Muskelschmerzen und Schmerzen in Armen oder Beinen sind häufig. Schwindel und verschwommenes Sehen treten gelegentlich auf. Bei täglicher Einnahme zeigen sich Kopfschmerzen vor allem in den ersten Wochen.
Die meisten Nebenwirkungen sind vorübergehend und leicht bis mäßig. Mit steigender Dosis nehmen sie zu. Ob ein Wechsel des Wirkstoffs sinnvoll ist, wenn eine bestimmte Nebenwirkung stört, lässt sich ärztlich klären.
Sicherheit: Was für beide gilt
Für beide Wirkstoffe gelten folgende Sicherheitshinweise:
- Nicht zusammen mit Nitraten oder Stickstoffmonoxid-Donatoren: dazu gehören Nitroglycerin, Isosorbidnitrate, Molsidomin und Poppers. Es droht ein gefährlicher Blutdruckabfall. Bei Tadalafil sollen in einem Notfall frühestens 48 Stunden nach der letzten Einnahme Nitrate erwogen werden.
- Nicht zusammen mit Riociguat: Das ist ein Mittel gegen Lungenhochdruck.
- Nicht kombinieren: Sildenafil und Tadalafil dürfen nicht gemeinsam oder mit anderen Mitteln gegen Erektionsstörungen angewendet werden.
- Gegenanzeigen: Ausgeschlossen ist die Anwendung bei schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, kürzlich erlittenem Herzinfarkt oder Schlaganfall, niedrigem Blutdruck und Sehverlust auf einem Auge durch eine Durchblutungsstörung des Sehnervs. Die genauen Fristen und weitere Gegenanzeigen unterscheiden sich je nach Wirkstoff.
- Vorsicht bei Alphablockern: Bei Sildenafil wird eine niedrige Anfangsdosis erwogen, die Kombination von Tadalafil mit Doxazosin wird nicht empfohlen.
- Wechselwirkungen: Einige Mittel gegen HIV, Pilzinfektionen oder bakterielle Infektionen sowie Grapefruitsaft erhöhen die Wirkstoffspiegel beider Substanzen.
- Keine ungeprüften Quellen: Gefälschte Präparate können falsch dosiert sein oder nicht deklarierte Wirkstoffe enthalten.
Wie die Entscheidung getroffen wird
Bei der Wahl berücksichtigt die Ärztin oder der Arzt unter anderem, wie häufig sexuelle Aktivität geplant ist, ob frühere Behandlungen gewirkt haben und vertragen wurden, welche Vorerkrankungen bestehen und welche Medikamente eingenommen werden. Bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion gelten für beide Wirkstoffe besondere Dosisempfehlungen. Bestehen zusätzlich Beschwerden durch eine gutartige Prostatavergrößerung, kann auch das eine Rolle spielen.
Einen Überblick über alle vier in der EU zugelassenen PDE-5-Hemmer und weitere Behandlungsmöglichkeiten gibt der Beitrag: Medikamente bei Erektionsstörungen.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie Wirkstoff oder Dosis wechseln, wenn Nebenwirkungen stark sind oder wenn die Wirkung nach mehreren Anwendungen nicht ausreicht. Informieren Sie auch über neue Diagnosen und Medikamente.
Wählen Sie den Notruf 112 (Schweiz: 144) bei Brustschmerzen, Ohnmacht oder einer Erektion, die länger als vier Stunden anhält, und nennen Sie den eingenommenen Wirkstoff. Bei plötzlichem Seh- oder Hörverlust setzen Sie das Mittel ab und lassen Sie sich sofort untersuchen.
Häufige Fragen
Wirkt Tadalafil stärker als Sildenafil?
Die beiden Wirkstoffe unterscheiden sich vor allem in der Wirkdauer, nicht in einer grundsätzlich stärkeren Wirkung. Wie gut ein Wirkstoff im Einzelfall wirkt und vertragen wird, ist individuell verschieden.
Hält die Erektion bei Tadalafil 36 Stunden an?
Nein. Die 36 Stunden beschreiben das Zeitfenster, in dem eine Erektion bei sexueller Stimulation erleichtert sein kann. Eine Erektion, die ungewollt länger als vier Stunden anhält, ist ein Notfall.
Darf ich Sildenafil und Tadalafil am selben Tag einnehmen?
Nein. Die Kombination zweier PDE-5-Hemmer wurde nicht auf Sicherheit untersucht und wird nicht empfohlen. Eine solche Kombination erhöht vor allem das Risiko für Nebenwirkungen und Blutdruckabfall.
Kann ich später den Wirkstoff wechseln?
Ein Wechsel ist möglich, wenn Wirkung, Verträglichkeit oder Zeitfenster nicht zum Alltag passen. Er sollte immer ärztlich abgestimmt werden, da Dosierung, Einnahmeschema und Gegenanzeigen neu geprüft werden müssen.
Weitere Informationen zu Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten bei Erektionsstörungen finden Sie auf unserer Themenseite.