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Ratgeber

Atovaquon/Proguanil: Nebenwirkungen und Warnzeichen

Mücke sticht in menschliche Haut vor einem grünen Hintergrund

Die Wirkstoffkombination Atovaquon/Proguanil wird zur Vorbeugung und zur Behandlung von Malaria eingesetzt, unter anderem unter dem Handelsnamen Malarone. Die meisten Nebenwirkungen betreffen Magen und Darm, einige wenige Reaktionen sind jedoch ernst. Dieser Beitrag richtet sich an Reisende und erklärt, worauf Sie vor, während und nach dem Aufenthalt achten sollten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sehr häufig sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall. Die Einnahme mit einer Mahlzeit oder einem Milchgetränk verbessert die Aufnahme.
  • Bei Erbrechen oder starkem Durchfall kann der Schutz unsicher werden. Mückenschutz ist dann besonders wichtig.
  • Fieber während oder nach einer Reise in ein Malariagebiet muss immer umgehend ärztlich abgeklärt werden, auch unter Prophylaxe.
  • Schwere Haut- oder Allergiereaktionen, Gelbfärbung der Haut und Krampfanfälle sind Warnzeichen, bei denen sofort Hilfe nötig ist.

Einnahme im Reiseverlauf

Welche Malariavorbeugung sinnvoll ist, hängt von Reiseziel, Reisezeit, Vorerkrankungen und anderen Arzneimitteln ab. Wurde Atovaquon/Proguanil zur Vorbeugung verordnet, folgt die Einnahme einem festen Ablauf. Die genaue Dosierung richtet sich nach der ärztlichen Verordnung und der Packungsbeilage.

Zeitraum Worauf es ankommt
Vor der Reise Beginn 1 bis 2 Tage vor Ankunft im Malariagebiet; Medikamentenliste, Nierenfunktion, eine mögliche Schwangerschaft und das Stillen ärztlich klären
Während des Aufenthalts Täglich zur gleichen Uhrzeit mit einer Mahlzeit oder einem Milchgetränk einnehmen; konsequenter Mückenschutz
Nach der Rückkehr Noch 7 Tage nach Verlassen des Gebiets weiter einnehmen; Fieber auch Wochen bis Monate später abklären lassen

Häufige Nebenwirkungen und praktische Hinweise

Laut Fachinformation sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall sehr häufig. Häufig treten außerdem Schwindel, Schlaflosigkeit, ungewöhnliche Träume, depressive Verstimmung, Appetitlosigkeit, Husten, Fieber, Juckreiz und Hautausschlag auf. Gelegentlich kommen Angst, Herzklopfen, Entzündungen der Mundschleimhaut und Haarausfall vor.

Die Tabletten sollen mit einer Mahlzeit oder einem Milchgetränk eingenommen werden. Das ist nicht nur für den Magen günstig: Atovaquon wird mit fetthaltiger Nahrung deutlich besser aufgenommen. Wer zu Übelkeit neigt, kommt mit einer festen Einnahmezeit zu einer Hauptmahlzeit oft besser zurecht.

Einige Veränderungen zeigen sich nur im Blut, zum Beispiel eine Blutarmut, weniger weiße Blutkörperchen, ein niedriger Natriumwert oder erhöhte Leberwerte. Bei einer kurzen Vorbeugung sind routinemäßige Kontrollen meist nicht vorgesehen. Bei längerer Anwendung oder Vorerkrankungen entscheidet die Ärztin oder der Arzt, ob Blutuntersuchungen sinnvoll sind.

Erbrechen und Durchfall: wenn der Schutz unsicher wird

Erbrechen und Durchfall sind nicht nur unangenehm, sondern können auch dazu führen, dass zu wenig Wirkstoff ins Blut gelangt. Die Packungsbeilage sieht vor, dass nach Erbrechen innerhalb einer Stunde nach der Einnahme eine weitere Dosis genommen wird. Das kann bedeuten, dass zusätzliche Tabletten verordnet werden müssen.

Bei anhaltendem Durchfall oder wiederholtem Erbrechen kann der Schutz unsicher sein. Nehmen Sie die Tabletten wie verordnet weiter ein, achten Sie besonders auf Mückenschutz mit Mitteln zum Auftragen, langer Kleidung und imprägnierten Moskitonetzen, und holen Sie vor Ort ärztlichen Rat ein. Eine Prophylaxe ersetzt den Mückenschutz ohnehin nie, sie ergänzt ihn.

Fieber während oder nach der Reise

Fieber ist eine häufige Nebenwirkung von Atovaquon/Proguanil. Bei Reisen in Malariagebiete darf Fieber aber nicht einfach als Nebenwirkung abgetan werden. Keine Vorbeugung schützt vollständig, und eine Malaria kann auch unter korrekter Einnahme auftreten.

Fieber, Schüttelfrost, Gliederschmerzen oder grippeähnliche Beschwerden während des Aufenthalts oder nach der Rückkehr sollten deshalb umgehend ärztlich abgeklärt werden. Erwähnen Sie dabei immer die Reise. Das gilt auch Wochen oder Monate später, denn manche Malariaformen können sich verzögert zeigen, und Atovaquon/Proguanil wirkt nicht gegen ruhende Leberformen einzelner Erreger.

Seltene, aber ernste Reaktionen

Einige Reaktionen sind selten oder in ihrer Häufigkeit nicht bekannt, erfordern aber sofortiges Handeln. Beenden Sie die Einnahme und suchen Sie umgehend medizinische Hilfe, wenn Folgendes auftritt:

  • plötzliches Keuchen, Engegefühl in Brust oder Hals, Atemnot, Schwellungen von Gesicht, Lippen oder Zunge,
  • großflächiger Ausschlag mit Blasen, Hautablösung, Schleimhautbeteiligung oder Fieber und geschwollenen Lymphknoten, etwa beim Stevens-Johnson-Syndrom oder bei DRESS,
  • Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunkler Urin oder Schmerzen im Oberbauch als Hinweis auf eine Leberentzündung,
  • Krampfanfälle, Halluzinationen, Panikattacken oder Verlust des Realitätsbezugs,
  • ungewöhnliche Blutergüsse, Blutungen oder häufige Infekte.

Bei Atemnot, Kreislaufproblemen oder einem Krampfanfall wählen Sie den Notruf 112 (Schweiz: 144). Außerhalb Europas gelten oft andere Notrufnummern. Informieren Sie sich deshalb vor der Abreise über den örtlichen Notruf und die medizinische Versorgung am Reiseziel.

Wechselwirkungen und besondere Situationen

Atovaquon/Proguanil kann mit anderen Arzneimitteln wechselwirken. Rifampicin, Rifabutin, Metoclopramid, Tetracyclin und bestimmte HIV-Medikamente können die Wirkstoffspiegel senken. Proguanil kann die Wirkung von Gerinnungshemmern aus der Gruppe der Cumarine verstärken. In Deutschland und der Schweiz ist das vor allem Phenprocoumon, seltener Warfarin. Hier können engmaschigere Gerinnungskontrollen nötig sein. Auch Etoposid in der Krebstherapie ist relevant.

Bei stark eingeschränkter Nierenfunktion darf die Kombination nicht zur Vorbeugung eingesetzt werden. In der Schwangerschaft wird sie nur nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung angewendet. Während der Einnahme soll laut Packungsbeilage nicht gestillt werden. Geben Sie im medizinischen Fragebogen deshalb alle Arzneimittel und Vorerkrankungen vollständig an.

Je nach Reiseziel kommen auch andere Wirkstoffe infrage. Doxycyclin wird ebenfalls zur Malariavorbeugung eingesetzt und hat ein anderes Nebenwirkungsprofil, zum Beispiel eine erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag: Nebenwirkungen von Doxycyclin. Welcher Wirkstoff passt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Holen Sie ärztlichen Rat ein, wenn Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall so stark sind, dass die regelmäßige Einnahme nicht gelingt, oder wenn neue psychische Beschwerden, Schlafstörungen oder Hautausschläge auftreten. Vor der Abreise sollten Fragen zu Begleitmedikamenten, Nierenfunktion, Schwangerschaft und Stillzeit geklärt sein.

Fieber im Zusammenhang mit einer Reise in ein Malariagebiet ist immer ein Grund für eine umgehende Abklärung. In Deutschland erreichen Sie außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, bei Notfällen den Notruf 112 (Schweiz: 144). Eine reisemedizinische Beratung ersetzt dieser Beitrag nicht.

Häufige Fragen

Was tun, wenn ich kurz nach der Tablette erbreche?

Nach Erbrechen innerhalb einer Stunde nach der Einnahme sieht die Packungsbeilage eine weitere Dosis vor. Bei wiederholtem Erbrechen oder anhaltendem Durchfall kann der Schutz unsicher sein. Nehmen Sie die Tabletten weiter ein, holen Sie ärztlichen Rat ein und achten Sie besonders auf Mückenschutz.

Warum soll die Einnahme mit einer Mahlzeit erfolgen?

Atovaquon wird zusammen mit Nahrung, besonders mit fetthaltiger Nahrung oder einem Milchgetränk, deutlich besser aufgenommen. Außerdem kann eine Mahlzeit Magenbeschwerden verringern. Eine feste Uhrzeit hilft, keine Dosis zu vergessen.

Ist Fieber unter der Prophylaxe eine Nebenwirkung oder Malaria?

Beides ist möglich, und von außen lässt es sich nicht unterscheiden. Fieber während oder nach einer Reise in ein Malariagebiet muss deshalb immer umgehend ärztlich abgeklärt werden, auch wenn Sie die Tabletten korrekt eingenommen haben.

Warum muss ich nach der Reise noch weiter einnehmen?

Die Einnahme über 7 Tage nach Verlassen des Malariagebiets erfasst Erreger, die kurz vor der Abreise übertragen wurden und sich zunächst in der Leber entwickeln. Ein vorzeitiges Absetzen kann den Schutz verringern.

Mehr zum Thema

Allgemeine Informationen zu Malaria, Mückenschutz und Vorbeugung auf Reisen finden Sie auf der Informationsseite.

Zum Bereich Malaria

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112 (Schweiz: 144).

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