Fachlich geprüft vom medizinischen Team von Doctorcura am 11. Oktober 2026, Stand: 1. Oktober 2026 · So entstehen unsere Inhalte
Semaglutid, unter anderem der Wirkstoff von Wegovy, wird zur Gewichtsregulierung als wöchentliche Spritze und seit dem 14. Juli 2026 in der EU auch als tägliche Tablette angewendet. Wie jedes Arzneimittel kann es Nebenwirkungen haben. Dieser Beitrag fasst zusammen, welche Beschwerden laut EU-Fachinformation häufig sind, wie sie meist verlaufen und bei welchen Warnzeichen Sie ärztliche Hilfe brauchen. Die vollständigen Angaben stehen in der Packungsbeilage. Stand: Oktober 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Sehr häufig sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und Müdigkeit, vor allem während der Dosissteigerung. Das gilt für Spritze und Tablette.
- Übelkeit dauert im Mittel etwa eine Woche, Erbrechen und Durchfall wenige Tage. Verstopfung hält oft mehrere Wochen an.
- Seltener, aber ernst sind eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (seit Januar 2026 mit verschärften Warnhinweisen), Gallenblasenerkrankungen und schwere allergische Reaktionen.
- Sehr selten, bei bis zu 1 von 10.000 Behandelten, kann eine Schädigung des Sehnervs (NAION) auftreten. Bei plötzlichem Sehverlust wird Semaglutid abgesetzt und das Auge untersucht.
- Starker Flüssigkeitsverlust kann die Nieren belasten. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden sollten Sie ärztlichen Rat einholen.
Nebenwirkungen nach Häufigkeit
Die Fachinformation ordnet Nebenwirkungen danach, wie oft sie in Studien und nach der Zulassung beobachtet wurden. Die folgende Übersicht gilt für die Spritze. Für die Tablette werden sehr ähnliche Nebenwirkungen beschrieben, Verdauungsbeschwerden (Dyspepsie) gelten dort als sehr häufig und Reaktionen an der Einstichstelle entfallen.
- Sehr häufig (mehr als 1 von 10 Behandelten): Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen, Müdigkeit.
- Häufig (bis zu 1 von 10): Schwindel, Geschmacksveränderungen, veränderte Hautempfindungen wie Kribbeln oder Brennen, Magenschleimhautentzündung, Sodbrennen, Verdauungsbeschwerden, Aufstoßen, Blähungen, Gallensteine, Haarausfall, Reaktionen an der Einstichstelle; bei Typ-2-Diabetes Unterzuckerung und Komplikationen einer diabetischen Netzhauterkrankung.
- Gelegentlich (bis zu 1 von 100): erhöhter Puls, niedriger Blutdruck, Blutdruckabfall beim Aufstehen, akute Bauchspeicheldrüsenentzündung, verzögerte Magenentleerung, erhöhte Bauchspeicheldrüsenenzyme im Blut.
- Selten (bis zu 1 von 1.000): schwere allergische Reaktion (Anaphylaxie), Schwellungen von Haut und Schleimhäuten (Angioödem).
- Sehr selten (bis zu 1 von 10.000): nicht arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (NAION), eine Durchblutungsstörung des Sehnervs.
- Häufigkeit nicht bekannt: Darmverschluss (aus Meldungen nach der Zulassung).
Veränderte Hautempfindungen wurden bei der höheren Dosis von 7,2 mg deutlich häufiger beobachtet als bei 2,4 mg. Haarausfall trat bei 2,5 % der Behandelten auf (Placebo 1,0 %), häufiger bei stärkerer Gewichtsabnahme, und bildete sich bei den meisten trotz fortgesetzter Behandlung zurück.
Tablette und Spritze im Vergleich
Die Tablette ist in den Stärken 1,5 mg, 4 mg, 9 mg und 25 mg zugelassen und wird einmal täglich eingenommen. In der Zulassungsstudie OASIS 4 traten Magen-Darm-Beschwerden ähnlich häufig auf wie unter der Spritze: Übelkeit bei 46,6 % der Behandelten (Placebo 18,6 %), Erbrechen bei 30,9 % (Placebo 5,9 %). Haarausfall wurde mit 6,4 % (Placebo 2,0 %) etwas öfter gemeldet, alle Fälle waren leicht oder mittelgradig. Wegen Magen-Darm-Beschwerden brachen 3,4 % die Behandlung ab, bei der Spritze 4,3 %. Da die Studie mit 204 behandelten Personen klein war, lassen sich seltene Nebenwirkungen daraus nicht sicher ableiten. Was die Zulassung bedeutet, erklärt der Beitrag: Semaglutid als Tablette: die EU-Zulassung.
Magen-Darm-Beschwerden: Verlauf und Umgang
In den Zulassungsstudien der Spritze über 68 Wochen traten Magen-Darm-Beschwerden deutlich öfter auf als unter Placebo: Übelkeit bei 43,9 % (Placebo 16,1 %), Durchfall bei 29,7 % (15,9 %), Erbrechen bei 24,5 % (6,3 %) und Verstopfung bei 24,2 % (11,1 %). Die meisten Beschwerden waren leicht bis mittelgradig. Übelkeit dauerte im Median 8 Tage, Erbrechen 2 Tage, Durchfall 3 Tage. Verstopfung hielt dagegen im Median 47 Tage an. Etwa 4 von 100 Behandelten beendeten die Therapie wegen dieser Beschwerden.
Einige Gewohnheiten können helfen: kleinere Mahlzeiten, langsam essen und beim ersten Sättigungsgefühl aufhören, sehr fettreiche Speisen meiden, über den Tag verteilt ausreichend trinken sowie Ballaststoffe und Bewegung gegen Verstopfung. Bei ausgeprägten Beschwerden kann die Ärztin oder der Arzt die Dosissteigerung verzögern oder vorübergehend zur vorherigen Dosis zurückkehren, wie der Ratgeber zur GLP-1-Dosistitration erklärt. Weitere Hinweise für den Alltag gibt der Beitrag: GLP-1-Medikamente in der Gewichtstherapie.
Seltene, aber ernste Nebenwirkungen
- Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis): starke, anhaltende Schmerzen im Oberbauch, die in den Rücken ausstrahlen können, oft mit Übelkeit und Erbrechen. In den Zulassungsstudien trat sie bei 0,2 % auf (Placebo unter 0,1 %). Die britische Arzneimittelbehörde MHRA hat am 29. Januar 2026 die Warnhinweise für alle GLP-1-Rezeptoragonisten und die dualen GLP-1/GIP-Wirkstoffe verschärft, weil seltene nekrotisierende und tödliche Verläufe gemeldet wurden: Von 2007 bis Oktober 2025 gingen dort 1.296 Verdachtsmeldungen ein, 19 davon tödlich, bei rund 25,4 Millionen abgegebenen Packungen in fünf Jahren. Bei Verdacht wird Semaglutid sofort abgesetzt und nach bestätigter Diagnose nicht wieder begonnen. Wer früher eine Pankreatitis hatte, braucht besondere Vorsicht.
- Gallensteine und Gallenblasenentzündung: Schmerzen im rechten Oberbauch, Fieber, Gelbfärbung von Haut oder Augen. Gallensteine traten bei 1,6 % der Behandelten auf (Placebo 1,1 %), eine Gallenblasenentzündung bei 0,6 % (Placebo 0,3 %).
- Flüssigkeitsmangel: Anhaltendes Erbrechen oder Durchfall können zu Austrocknung führen und in seltenen Fällen die Nierenfunktion verschlechtern, besonders bei bereits eingeschränkter Nierenfunktion. Warnzeichen sind Durst, Schwindel und deutlich weniger Urin.
- Schädigung des Sehnervs (NAION): plötzlicher, meist schmerzloser Sehverlust oder rasch zunehmende Sehverschlechterung, oft auf einem Auge. Der Sicherheitsausschuss PRAC der EMA hat am 6. Juni 2025 abschließend bewertet, dass NAION eine sehr seltene Nebenwirkung von Semaglutid ist (bis zu 1 von 10.000 Behandelten). Große Beobachtungsstudien bei Typ-2-Diabetes zeigten etwa eine Verdopplung des Risikos, das entspricht ungefähr einem zusätzlichen Fall pro 10.000 Behandlungsjahre. Bei plötzlichem Sehverlust ist eine augenärztliche Untersuchung nötig. Wird NAION bestätigt, wird Semaglutid abgesetzt.
- Schwere allergische Reaktion: Atemnot, Schwellungen von Gesicht, Lippen, Zunge oder Rachen, Kreislaufprobleme.
- Darmverschluss: starke Bauchschmerzen, aufgeblähter Bauch, fehlender Stuhlgang und Erbrechen.
Wie Sie die Warnzeichen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung und einer Sehnervschädigung früh erkennen, beschreibt ausführlich der Beitrag: GLP-1-Warnzeichen: Pankreatitis und NAION.
Besondere Situationen
Typ-2-Diabetes: In Kombination mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen steigt das Risiko für Unterzuckerungen. Um das zu verringern, kann die Ärztin oder der Arzt deren Dosis zu Beginn senken. Wer diese Kombination anwendet, sollte auch beim Autofahren auf Zeichen einer Unterzuckerung achten. Bei einer bekannten diabetischen Netzhauterkrankung sind engmaschige Kontrollen nötig.
Narkose und Sedierung: Weil sich der Magen langsamer entleert, kann bei einer Narkose oder tiefen Sedierung mehr Mageninhalt vorhanden sein. Unter GLP-1-Rezeptoragonisten wurden Fälle gemeldet, in denen Mageninhalt in die Atemwege gelangte (Aspiration). Informieren Sie das Behandlungsteam vor einem Eingriff rechtzeitig über die Anwendung.
Schwangerschaft und Stillzeit: Semaglutid soll in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden. Frauen im gebärfähigen Alter wird eine Verhütung empfohlen. Vor einer geplanten Schwangerschaft soll das Medikament wegen seiner langen Halbwertszeit mindestens zwei Monate vorher abgesetzt werden. Tritt eine Schwangerschaft ein, wird die Behandlung beendet.
Stimmung und Suizidgedanken: Nach Meldungen über Suizidgedanken prüfte der PRAC alle GLP-1-Rezeptoragonisten. Im April 2024 kam er zu dem Ergebnis, dass die verfügbaren Daten keinen ursächlichen Zusammenhang belegen. Sprechen Sie dennoch jede deutliche Veränderung Ihrer Stimmung ärztlich an.
Andere Erkrankungen und Medikamente: Bei schweren Nieren- oder Leberfunktionsstörungen und schwerer Herzschwäche wird die Anwendung nicht empfohlen. Bei Blutverdünnern wie Warfarin sind zu Beginn häufigere Kontrollen des Gerinnungswerts (INR) sinnvoll. Semaglutid wird nicht mit anderen GLP-1-basierten Medikamenten kombiniert. Ob eine Behandlung für Sie infrage kommt, beschreibt der Beitrag: Eignung für eine Behandlung mit Semaglutid.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
Verändern oder pausieren Sie die verordnete Dosis nicht eigenständig. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Beschwerden über mehrere Tage anhalten, Ihren Alltag deutlich einschränken oder neu auftreten. Umgehend abklären lassen sollten Sie starke, anhaltende Bauchschmerzen, wiederholtes Erbrechen, Zeichen eines Flüssigkeitsmangels, eine Gelbfärbung der Haut oder eine plötzliche Sehverschlechterung. In Deutschland erreichen Sie außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
Bei Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder Rachen oder Kreislaufproblemen rufen Sie den Notruf 112 (Schweiz: 144). Vermutete Nebenwirkungen können Sie in Deutschland auch selbst über das Meldeportal von BfArM und Paul-Ehrlich-Institut melden. In der Schweiz ist Swissmedic zuständig, auch dort dürfen Patientinnen und Patienten selbst melden, empfohlen wird der Weg über Arztpraxis oder Apotheke. Ein Verdacht genügt. Wie sich die Nebenwirkungen von einem verwandten Wirkstoff unterscheiden, zeigt der Beitrag: Nebenwirkungen von Tirzepatid. Allgemeine Informationen zu ärztlich begleiteten Behandlungen finden Sie im Bereich Gewichtsmanagement.
Häufige Fragen
Gehen die Magen-Darm-Beschwerden wieder weg?
Bei den meisten Menschen treten sie vor allem in der Phase der Dosissteigerung auf und bessern sich danach. Übelkeit dauerte in den Studien im Median 8 Tage, Verstopfung deutlich länger. Halten Beschwerden länger an oder sind sie stark, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.
Kann Semaglutid Haarausfall verursachen?
Ja, Haarausfall ist als häufige Nebenwirkung beschrieben: 2,5 % unter der Spritze und 6,4 % unter der Tablette, gegenüber 1,0 % und 2,0 % unter Placebo. Er trat häufiger bei einer Gewichtsabnahme von 20 % oder mehr auf und bildete sich bei den meisten Betroffenen zurück. Sprechen Sie ausgeprägten Haarausfall ärztlich an.
Hat die Tablette andere Nebenwirkungen als die Spritze?
Das Nebenwirkungsprofil ist laut Fachinformation vergleichbar. Übelkeit und Erbrechen traten in der Tablettenstudie etwas häufiger auf, Reaktionen an der Einstichstelle entfallen. Ob Spritze oder Tablette besser zu Ihnen passt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Beeinflusst Semaglutid die Wirkung der Pille?
Laut Fachinformation ist keine Abschwächung der Pille durch Semaglutid zu erwarten. Erbrechen oder starker Durchfall können die Schutzwirkung jedoch unabhängig davon vermindern. Die Packungsbeilage Ihres Verhütungsmittels erklärt, was dann zu tun ist.
Quellen
- Wegovy: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels, Abschnitte 4.4 und 4.8 (PDF) (Europäische Arzneimittelagentur EMA, Stand September 2026)
- EPAR-Übersicht zu Semaglutid zur Gewichtsregulierung als Spritze und Tablette (EMA, Stand September 2026)
- PRAC concludes that eye condition NAION is a very rare side effect of semaglutide medicines (EMA, 6. Juni 2025)
- GLP-1 receptor agonists and dual GLP-1/GIP receptor agonists: strengthened warnings on acute pancreatitis including necrotising and fatal cases (MHRA Drug Safety Update, 29. Januar 2026)
- Meeting highlights from the PRAC, 8 to 11 April 2024: GLP-1-Rezeptoragonisten und Suizidgedanken (EMA, April 2024)
- Nebenwirkungen melden: Meldeportal für Patientinnen, Patienten und Fachkreise (BfArM und Paul-Ehrlich-Institut, Stand Oktober 2026)
- Pharmacovigilance: Meldung unerwünschter Arzneimittelwirkungen (Swissmedic, Stand Oktober 2026)
Passende Präparate
WegovySemaglutidab 247,41 €228,70 €CHF 210,65CHF 191,50214,15 €212,28 €220,38 €226,62 €259,89 €216,23 €235,98 €218,31 €224,54 €207,91 €
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