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Ratgeber

Semaglutid: Nebenwirkungen, Risiken und Warnzeichen

Person injiziert mit einer Spritze ein Medikament in die Bauchhaut

Semaglutid, unter anderem der Wirkstoff von Wegovy, wird zur Gewichtsregulierung als wöchentliche Spritze oder als tägliche Tablette angewendet. Wie jedes Arzneimittel kann es Nebenwirkungen haben. Dieser Beitrag fasst zusammen, welche Beschwerden laut EU-Fachinformation häufig sind, wie sie meist verlaufen und bei welchen Warnzeichen Sie ärztliche Hilfe brauchen. Die vollständigen Angaben stehen in der Packungsbeilage.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sehr häufig sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und Müdigkeit, vor allem während der Dosissteigerung.
  • Übelkeit dauert im Mittel etwa eine Woche, Erbrechen und Durchfall wenige Tage. Verstopfung hält oft mehrere Wochen an.
  • Seltener, aber ernst sind eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung, Gallenblasenerkrankungen, schwere allergische Reaktionen und sehr selten eine Schädigung des Sehnervs.
  • Starker Flüssigkeitsverlust kann die Nieren belasten. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Die Fachinformation ordnet Nebenwirkungen danach, wie oft sie in Studien und nach der Zulassung beobachtet wurden. Die folgende Übersicht gilt für die Spritze. Für die Tablette werden sehr ähnliche Nebenwirkungen beschrieben, Verdauungsbeschwerden treten dort sehr häufig auf.

Häufigkeit Nebenwirkungen
Sehr häufig (mehr als 1 von 10 Behandelten) Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen, Müdigkeit
Häufig (bis zu 1 von 10) Schwindel, Geschmacksveränderungen, veränderte Hautempfindungen wie Kribbeln oder Brennen, Magenschleimhautentzündung, Sodbrennen, Verdauungsbeschwerden, Aufstoßen, Blähungen, Gallensteine, Haarausfall, Reaktionen an der Einstichstelle; bei Typ-2-Diabetes Unterzuckerung und Komplikationen einer diabetischen Netzhauterkrankung
Gelegentlich (bis zu 1 von 100) erhöhter Puls, niedriger Blutdruck, Blutdruckabfall beim Aufstehen, akute Bauchspeicheldrüsenentzündung, verzögerte Magenentleerung, erhöhte Bauchspeicheldrüsenenzyme im Blut
Selten (bis zu 1 von 1.000) schwere allergische Reaktion (Anaphylaxie), Schwellungen von Haut und Schleimhäuten (Angioödem)
Sehr selten (bis zu 1 von 10.000) nicht arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (NAION)
Häufigkeit nicht bekannt Darmverschluss

Veränderte Hautempfindungen wurden bei der höheren Dosis von 7,2 mg deutlich häufiger beobachtet als bei 2,4 mg. Haarausfall wurde in Studien häufiger bei stärkerer Gewichtsabnahme beobachtet und bildete sich bei den meisten Betroffenen trotz fortgesetzter Behandlung zurück.

Magen-Darm-Beschwerden: Verlauf und Umgang

In den Zulassungsstudien traten Magen-Darm-Beschwerden deutlich öfter auf als unter Placebo, waren aber meist leicht bis mittelgradig. Übelkeit dauerte im Mittel etwa eine Woche, Erbrechen und Durchfall wenige Tage. Verstopfung hielt dagegen im Mittel mehrere Wochen an. Etwa 4 von 100 Behandelten beendeten die Therapie wegen dieser Beschwerden.

Einige Gewohnheiten können helfen: kleinere Mahlzeiten, langsam essen und beim ersten Sättigungsgefühl aufhören, sehr fettreiche Speisen meiden, über den Tag verteilt ausreichend trinken sowie Ballaststoffe und Bewegung gegen Verstopfung. Bei ausgeprägten Beschwerden kann die Ärztin oder der Arzt die Dosissteigerung verzögern oder vorübergehend zur vorherigen Dosis zurückkehren. Weitere Hinweise für den Alltag gibt der Beitrag: GLP-1-Medikamente in der Gewichtstherapie.

Seltene, aber ernste Nebenwirkungen

  • Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung: starke, anhaltende Schmerzen im Oberbauch, die in den Rücken ausstrahlen können, oft mit Erbrechen. Bei Verdacht wird Semaglutid abgesetzt und nach bestätigter Diagnose nicht wieder begonnen.
  • Gallensteine und Gallenblasenentzündung: Schmerzen im rechten Oberbauch, Fieber, Gelbfärbung von Haut oder Augen.
  • Flüssigkeitsmangel: Anhaltendes Erbrechen oder Durchfall können zu Austrocknung führen und in seltenen Fällen die Nierenfunktion verschlechtern. Warnzeichen sind Durst, Schwindel und deutlich weniger Urin.
  • Schädigung des Sehnervs (NAION): plötzlicher, meist schmerzloser Sehverlust oder rasch zunehmende Sehverschlechterung, oft auf einem Auge. Große Beobachtungsstudien bei Typ-2-Diabetes deuten auf etwa einen zusätzlichen Fall pro 10.000 Behandlungsjahre hin.
  • Schwere allergische Reaktion: Atemnot, Schwellungen von Gesicht, Lippen, Zunge oder Rachen, Kreislaufprobleme.
  • Darmverschluss: starke Bauchschmerzen, aufgeblähter Bauch, fehlender Stuhlgang und Erbrechen.

Besondere Situationen

Typ-2-Diabetes: In Kombination mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen steigt das Risiko für Unterzuckerungen. Um das zu verringern, kann die Ärztin oder der Arzt deren Dosis zu Beginn senken. Bei einer bekannten diabetischen Netzhauterkrankung sind engmaschige Kontrollen nötig.

Narkose und Sedierung: Weil sich der Magen langsamer entleert, kann bei einer Narkose oder tiefen Sedierung mehr Mageninhalt vorhanden sein. Informieren Sie das Behandlungsteam rechtzeitig über die Anwendung.

Schwangerschaft und Stillzeit: Semaglutid soll in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden. Frauen im gebärfähigen Alter wird eine Verhütung empfohlen, und vor einer geplanten Schwangerschaft soll das Medikament mindestens zwei Monate vorher abgesetzt werden.

Andere Erkrankungen und Medikamente: Bei schweren Nieren- oder Leberfunktionsstörungen und schwerer Herzschwäche wird die Anwendung nicht empfohlen. Bei Blutverdünnern wie Warfarin sind häufigere Kontrollen des Gerinnungswerts sinnvoll. Semaglutid wird nicht mit anderen GLP-1-basierten Medikamenten kombiniert. Ob eine Behandlung für Sie infrage kommt, beschreibt der Beitrag: Eignung für eine Behandlung mit Semaglutid.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Verändern oder pausieren Sie die verordnete Dosis nicht eigenständig. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Beschwerden über mehrere Tage anhalten, Ihren Alltag deutlich einschränken oder neu auftreten. Umgehend abklären lassen sollten Sie starke, anhaltende Bauchschmerzen, wiederholtes Erbrechen, Zeichen eines Flüssigkeitsmangels, eine Gelbfärbung der Haut oder eine plötzliche Sehverschlechterung. In Deutschland erreichen Sie außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

Bei Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder Rachen oder Kreislaufproblemen rufen Sie den Notruf 112 (Schweiz: 144). Vermutete Nebenwirkungen können Sie in Deutschland auch selbst an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden. In der Schweiz ist Swissmedic zuständig, die Meldung erfolgt am einfachsten über Ihre Arztpraxis oder Apotheke. Wie sich die Nebenwirkungen von einem verwandten Wirkstoff unterscheiden, zeigt der Beitrag: Nebenwirkungen von Tirzepatid.

Häufige Fragen

Gehen die Magen-Darm-Beschwerden wieder weg?

Bei den meisten Menschen treten sie vor allem in der Phase der Dosissteigerung auf und bessern sich danach. Übelkeit dauerte in Studien im Mittel etwa eine Woche. Halten Beschwerden länger an oder sind sie stark, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

Kann Semaglutid Haarausfall verursachen?

Ja, Haarausfall ist als häufige Nebenwirkung beschrieben. Er trat häufiger bei stärkerer Gewichtsabnahme auf und bildete sich bei den meisten Betroffenen im weiteren Verlauf zurück. Sprechen Sie ausgeprägten Haarausfall ärztlich an.

Beeinflusst Semaglutid die Wirkung der Pille?

Laut Fachinformation ist keine Abschwächung der Pille durch Semaglutid zu erwarten. Erbrechen oder starker Durchfall können die Schutzwirkung jedoch unabhängig davon vermindern. Die Packungsbeilage Ihres Verhütungsmittels erklärt, was dann zu tun ist.

Darf ich mit Semaglutid Auto fahren?

Semaglutid hat in der Regel keinen oder nur einen geringen Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit. Vor allem während der Dosissteigerung kann jedoch Schwindel auftreten. Wer zusätzlich Insulin oder Sulfonylharnstoffe anwendet, sollte auf Zeichen einer Unterzuckerung achten.

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Allgemeine Informationen zu Gewichtsmanagement und ärztlich begleiteten Behandlungen finden Sie auf unserer Informationsseite.

Zum Bereich Gewichtsmanagement

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112 (Schweiz: 144).

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