Zopiclon ist ein verschreibungspflichtiges Schlafmittel aus der Gruppe der Z-Substanzen. Typisch sind ein bitterer Geschmack und eine Nachwirkung, die bis in den Vormittag reichen kann. Dieser Beitrag erklärt auf Grundlage der Gebrauchsinformation, welche Nebenwirkungen auftreten können, wie hoch das Abhängigkeitsrisiko ist und welche Wechselwirkungen beachtet werden sollten.
Das Wichtigste in Kürze
- Zopiclon ist für die Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen bei Erwachsenen bestimmt, höchstens 4 Wochen einschließlich Ausschleichen.
- Häufige Nebenwirkungen sind ein bitterer Geschmack, Mundtrockenheit und Benommenheit am nächsten Tag.
- Zwischen Einnahme und Autofahren sollten laut Gebrauchsinformation mindestens 12 Stunden liegen.
- Zopiclon kann körperlich und psychisch abhängig machen und sollte nach längerer Einnahme nicht abrupt abgesetzt werden.
- Alkohol, Opioide und bestimmte Antibiotika, Pilzmittel oder Antiepileptika können die Wirkung gefährlich verändern.
Was Zopiclon ist und wann es nicht angewendet werden darf
Zopiclon verstärkt wie Benzodiazepine die Wirkung des dämpfenden Botenstoffs GABA, ist aber chemisch anders aufgebaut. Seine Halbwertszeit liegt bei etwa 5 bis 6 Stunden und kann bei älteren Menschen und bei Lebererkrankungen länger sein. Es wird unmittelbar vor dem Schlafengehen eingenommen. Ältere Menschen sowie Personen mit Leber-, Nieren- oder chronischen Atemwegserkrankungen beginnen laut Gebrauchsinformation mit einer niedrigeren Dosis.
Die Behandlung soll so kurz wie möglich sein und 4 Wochen einschließlich des Ausschleichens nicht überschreiten. Nicht angewendet werden darf Zopiclon laut Gebrauchsinformation bei:
- Allergie gegen den Wirkstoff
- Myasthenia gravis (krankhafte Muskelschwäche)
- schwerer Atemschwäche und schwerer Schlafapnoe
- früherem ungewöhnlichem Schlafverhalten nach Einnahme von Zopiclon, etwa Autofahren oder Essen im Schlaf
- schweren Leberschäden
- Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren
Häufige und gelegentliche Nebenwirkungen
Häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten, treten ein bitterer oder metallischer Geschmack, Mundtrockenheit und Benommenheit am folgenden Tag auf. Der Geschmack ist für viele besonders auffällig und kann bis zum nächsten Morgen anhalten.
Gelegentlich kommen Albträume, starke innere Unruhe, Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit und Übelkeit vor. Selten sind Verwirrtheit, Gedächtnisstörungen, Halluzinationen, Reizbarkeit, Aggressivität, Erbrechen, Atemnot, Hautausschlag und Juckreiz sowie schwere allergische Reaktionen mit Schwellungen von Gesicht und Rachen. Bei älteren Menschen führen Schläfrigkeit und Koordinationsprobleme leichter zu Stürzen.
Nachwirkung am Morgen und Fahrtüchtigkeit
Weil Zopiclon länger im Körper bleibt als Zolpidem, ist eine Nachwirkung am nächsten Morgen häufiger. Aufmerksamkeit, Koordination und Reaktionszeit können eingeschränkt sein, auch wenn Sie sich wach fühlen. Die Gebrauchsinformation empfiehlt deshalb mindestens 12 Stunden zwischen Einnahme und Autofahren und weist darauf hin, dass die Beeinträchtigung bei manchen Menschen noch länger anhalten kann.
Das Risiko steigt, wenn die Nacht kürzer war als geplant, eine höhere Dosis eingenommen wurde oder zusätzlich Alkohol oder andere dämpfende Mittel im Spiel waren. Fühlen Sie sich benommen, schwindelig oder unkonzentriert, verzichten Sie auf Autofahren, das Bedienen von Maschinen und andere Tätigkeiten, die volle Aufmerksamkeit erfordern. Informationen zum verwandten Wirkstoff Zolpidem finden Sie im Beitrag: Zolpidem: Nebenwirkungen, Abhängigkeitsrisiko und Warnzeichen.
Gedächtnis, Verhalten und Stimmung
Zopiclon kann Gedächtnislücken für die Stunden nach der Einnahme verursachen, besonders wenn keine ungestörte Nachtruhe folgt. Außerdem sind komplexe Schlafverhaltensweisen möglich, etwa Schlafwandeln, Essen, Telefonieren oder Autofahren ohne vollständiges Bewusstsein. Wer so etwas erlebt, darf Zopiclon nicht erneut einnehmen und sollte ärztlichen Rat einholen.
Paradoxe Reaktionen wie Unruhe, Wut, Aggressivität, Wahnvorstellungen oder unangemessenes Verhalten sind ebenfalls beschrieben. Eine bestehende Depression kann unter der Behandlung deutlicher hervortreten. Zopiclon behandelt keine Depression, und bei gedrückter Stimmung ist eine ärztliche Einschätzung nötig.
Abhängigkeit und Absetzen
Zopiclon kann körperlich und psychisch abhängig machen. Das Risiko steigt mit Dosis und Behandlungsdauer und ist bei Menschen erhöht, die bereits von Alkohol, Medikamenten oder Drogen abhängig waren. Nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) kann sich der Körper bereits nach etwa 2 Wochen an Z-Substanzen gewöhnen.
Wird Zopiclon nach regelmäßiger Einnahme plötzlich abgesetzt, können Kopf- und Muskelschmerzen, Herzklopfen, Angst, Anspannung, Unruhe, Verwirrtheit, Reizbarkeit und eine verstärkte Schlaflosigkeit auftreten, in schweren Fällen Wahrnehmungsstörungen, Halluzinationen oder Krampfanfälle. Die Dosis sollte deshalb schrittweise und ärztlich begleitet verringert werden. Warnzeichen und das Vorgehen beim Ausschleichen beschreibt der Beitrag: Abhängigkeit von Schlafmitteln.
Wechselwirkungen: Alkohol, Opioide und Arzneimittel
Alkohol verstärkt die dämpfende Wirkung von Zopiclon und sollte während der Behandlung ganz gemieden werden. Besonders gefährlich ist die Kombination mit Opioiden: Die Gebrauchsinformation warnt vor starker Schläfrigkeit, Atemdämpfung, Koma und tödlichen Verläufen. Auch Beruhigungsmittel, bestimmte Antidepressiva, Antipsychotika, Antiepileptika, Narkosemittel und sedierende Antihistaminika verstärken die Wirkung.
Zopiclon wird in der Leber über das Enzym CYP3A4 abgebaut. Erythromycin, Clarithromycin, Ketoconazol, Itraconazol oder Ritonavir können den Spiegel erhöhen und die Wirkung verstärken. Rifampicin, Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin und Johanniskraut können ihn senken. Legen Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt und der Apotheke deshalb eine vollständige Liste aller Medikamente und pflanzlichen Mittel vor.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
Sprechen Sie zeitnah mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Nebenwirkungen anhalten oder stärker werden, wenn Sie gestürzt sind, sich an Teile der Nacht nicht erinnern, wenn die Wirkung nachlässt oder die Schlafprobleme nach der Behandlung zurückkehren. Anhaltende Schlaflosigkeit hat oft eine Ursache, die abgeklärt werden sollte. Mögliche Auslöser beschreibt der Beitrag: Häufige Ursachen nächtlicher Schlafprobleme.
Sofortige Hilfe brauchen Sie bei Atemnot, Schwellungen von Gesicht, Lippen oder Rachen, flacher Atmung, starker Verwirrtheit und bei einer möglichen Überdosierung: Notruf 112 (Schweiz: 144). Bei Vergiftungsverdacht berät in der Schweiz Tox Info Suisse unter 145. Bei Gedanken an Selbstverletzung erreichen Sie in Deutschland die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111 und in der Schweiz Die Dargebotene Hand unter 143.
Häufige Fragen
Warum schmeckt es nach der Einnahme von Zopiclon bitter?
Der bittere oder metallische Geschmack ist eine häufige Nebenwirkung, weil der Wirkstoff auch in den Speichel übergeht. Er gilt nicht als gefährlich, kann aber sehr unangenehm sein. Ist er stark belastend, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wie lange darf Zopiclon eingenommen werden?
Laut Gebrauchsinformation so kurz wie möglich und höchstens 4 Wochen einschließlich der Phase, in der die Dosis verringert wird. Bestehen die Schlafprobleme danach weiter, sollten die Ursachen erneut ärztlich beurteilt werden.
Worin unterscheiden sich Zopiclon und Zolpidem?
Beide gehören zu den Z-Substanzen und haben ein vergleichbares Abhängigkeitsrisiko. Zopiclon hat eine längere Halbwertszeit, weshalb die Gebrauchsinformation 12 statt 8 Stunden bis zum Autofahren nennt. Typisch für Zopiclon ist zudem der bittere Geschmack. Welcher Wirkstoff im Einzelfall infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Darf ich Zopiclon in der Schwangerschaft oder Stillzeit nehmen?
In der Schwangerschaft wird die Anwendung laut Gebrauchsinformation nicht empfohlen, in der Stillzeit soll Zopiclon nicht eingenommen werden. Gegen Ende der Schwangerschaft eingenommen, kann der Wirkstoff beim Neugeborenen zu Muskelschwäche, niedriger Körpertemperatur, Atemproblemen oder Entzugszeichen führen. Besprechen Sie Schlafprobleme in dieser Zeit ärztlich.
Weitere Informationen zu Schlafstörungen, ihren Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf der Informationsseite zur Schlafberatung.
Fachlich geprüft vom medizinischen Team von Doctorcura am 26. September 2026 · So entstehen unsere Inhalte
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