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Ratgeber

Tirzepatid: Nebenwirkungen, Risiken und Warnzeichen

Person verwendet einen Injektionspen für eine subkutane Injektion am Bauch

Tirzepatid, der Wirkstoff von Mounjaro, ist in der EU zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und zum Gewichtsmanagement zugelassen. Es wird einmal wöchentlich gespritzt und wirkt über die Rezeptoren für die Darmhormone GIP und GLP-1. Dieser Beitrag erklärt, welche Nebenwirkungen laut EU-Fachinformation auftreten können, worauf Menschen mit Diabetes und mit Kinderwunsch achten sollten und welche Warnzeichen ärztlich abgeklärt werden müssen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sehr häufig sind Übelkeit und Durchfall. In der Gewichtsbehandlung kommen Erbrechen, Bauchschmerzen und Verstopfung ebenfalls sehr häufig vor.
  • Die Magen-Darm-Beschwerden sind meist leicht bis mittelgradig, treten vor allem bei Dosiserhöhungen auf und nehmen im Verlauf ab.
  • Seltener, aber ernst sind eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung, Gallenblasenerkrankungen und schwere allergische Reaktionen.
  • Bei Typ-2-Diabetes mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen steigt das Risiko für Unterzuckerungen. Vor einer geplanten Schwangerschaft wird mindestens einen Monat vorher abgesetzt.

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Wie oft eine Nebenwirkung auftritt, hängt teilweise davon ab, ob Tirzepatid bei Typ-2-Diabetes oder zur Gewichtsregulierung eingesetzt wird. Die Übersicht fasst die Angaben der EU-Fachinformation zusammen:

Häufigkeit Nebenwirkungen
Sehr häufig (mehr als 1 von 10 Behandelten) Übelkeit, Durchfall; in der Gewichtsbehandlung auch Erbrechen, Bauchschmerzen und Verstopfung; bei Typ-2-Diabetes Unterzuckerung in Kombination mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen
Häufig (bis zu 1 von 10) Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschlag oder Nesselsucht, Verdauungsbeschwerden, aufgeblähter Bauch, Aufstoßen, Blähungen, Sodbrennen, Müdigkeit, Reaktionen an der Einstichstelle, erhöhter Puls, erhöhte Bauchspeicheldrüsenenzyme im Blut; vor allem in der Gewichtsbehandlung Schwindel, niedriger Blutdruck, Haarausfall und ein erhöhter Calcitoninwert im Blut; bei Typ-2-Diabetes verminderter Appetit
Gelegentlich (bis zu 1 von 100) Gallensteine, Gallenblasenentzündung, akute Bauchspeicheldrüsenentzündung, verzögerte Magenentleerung, Geschmacksveränderungen, veränderte Hautempfindungen, Schmerzen an der Einstichstelle
Selten (bis zu 1 von 1.000) schwere allergische Reaktion (Anaphylaxie), Schwellungen von Haut und Schleimhäuten (Angioödem)

Eine vollständige Liste steht in der Packungsbeilage. Wie sich die Angaben von einem verwandten Wirkstoff unterscheiden, beschreibt der Beitrag: Nebenwirkungen von Semaglutid.

Magen-Darm-Beschwerden hängen von der Dosis ab

In der Zulassungsstudie zur Gewichtsregulierung bei Menschen ohne Diabetes trat Übelkeit je nach Dosis bei etwa einem Viertel bis einem Drittel der Behandelten auf, unter Placebo bei knapp jeder zehnten Person. Durchfall betraf etwa jede fünfte Person. Die Beschwerden waren überwiegend leicht bis mittelgradig, traten vor allem während der Dosissteigerung auf und wurden mit der Zeit seltener. Je nach Dosis beendeten etwa 2 bis 4 von 100 Behandelten die Therapie deswegen.

Deshalb beginnt die Behandlung mit 2,5 mg und wird in Schritten von mindestens vier Wochen gesteigert. Hilfreich sind kleine Mahlzeiten, langsames Essen, wenig fettreiche Speisen und ausreichend Flüssigkeit. Die Fachinformation betont, dass Flüssigkeits- und Elektrolytverluste vermieden werden sollen, weil sie die Nierenfunktion bis hin zu einem akuten Nierenversagen verschlechtern können. Ältere Menschen sind dafür besonders anfällig.

Seltene, aber ernste Nebenwirkungen

  • Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung: starke, anhaltende Oberbauchschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen können, oft mit Erbrechen. Bei Verdacht wird Tirzepatid abgesetzt und nach bestätigter Diagnose nicht wieder begonnen. Nach einer früheren Pankreatitis ist besondere Vorsicht nötig.
  • Gallenblasenerkrankungen: Schmerzen im rechten Oberbauch, Fieber oder Gelbfärbung von Haut und Augen. Solche Ereignisse traten in Studien vor allem bei stärkerer Gewichtsabnahme auf.
  • Allergische Reaktionen: Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut wie Ausschlag, Ekzem oder Nesselsucht sind häufig und können auch ausgeprägt verlaufen. Atemnot oder Schwellungen von Lippen, Zunge oder Rachen sind ein Notfall.

Besondere Situationen

Typ-2-Diabetes: In Studien mit Sulfonylharnstoffen oder Basalinsulin traten klinisch bedeutsame Unterzuckerungen bei etwa 10 bis 19 von 100 Behandelten auf. Die Ärztin oder der Arzt kann die Dosis dieser Medikamente deshalb senken, und regelmäßige Blutzuckermessungen sind nötig. Achten Sie auf Zittern, Schwitzen, Heißhunger oder Verwirrtheit, besonders beim Autofahren. Eine rasche Verbesserung des Blutzuckers kann eine diabetische Netzhauterkrankung vorübergehend verschlechtern, deshalb sind augenärztliche Kontrollen wichtig.

Kinderwunsch, Schwangerschaft, Stillzeit: Tirzepatid wird in der Schwangerschaft nicht empfohlen, Frauen im gebärfähigen Alter wird eine Verhütung geraten. Vor einer geplanten Schwangerschaft soll es mindestens einen Monat vorher abgesetzt werden. Für die Stillzeit hält die EU-Fachinformation eine Anwendung nach ärztlicher Abwägung für möglich. Erbrechen oder Durchfall können die Schutzwirkung einer Pille vermindern, die Packungsbeilage des Verhütungsmittels erklärt das weitere Vorgehen.

Vorerkrankungen: Bei schweren Magen-Darm-Erkrankungen wie einer schweren Magenentleerungsstörung wurde Tirzepatid nicht untersucht. Bei schweren Nieren- oder Leberfunktionsstörungen liegt nur wenig Erfahrung vor. In diesen Fällen wird es nur mit Vorsicht angewendet.

Narkose und andere Medikamente: Wegen der verzögerten Magenentleerung muss das Behandlungsteam vor einer Narkose oder tiefen Sedierung informiert werden. Die Aufnahme anderer Tabletten kann sich verzögern, vor allem zu Beginn und nach Dosiserhöhungen. Bei Medikamenten mit enger Dosierungsgrenze wie Warfarin oder Digoxin sind dann Kontrollen sinnvoll. Wer Tirzepatid verordnet bekommen kann, erklärt der Beitrag: Wer Tirzepatid verschrieben bekommt.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Verändern, pausieren oder beschleunigen Sie die verordnete Dosissteigerung nicht eigenständig. Wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Beschwerden länger anhalten, Sie kaum Flüssigkeit bei sich behalten oder Zeichen einer Unterzuckerung bemerken. Umgehend abklären lassen sollten Sie starke, anhaltende Bauchschmerzen, wiederholtes Erbrechen, deutlich weniger Urin oder eine Gelbfärbung der Haut. In Deutschland erreichen Sie außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

Bei Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder Rachen, Bewusstseinsstörungen oder Kreislaufproblemen rufen Sie den Notruf 112 (Schweiz: 144). Vermutete Nebenwirkungen können Sie in Deutschland an das BfArM melden, in der Schweiz an Swissmedic, am einfachsten über Ihre Arztpraxis oder Apotheke. Einen sachlichen Vergleich beider Wirkstoffe finden Sie im Beitrag: Semaglutid und Tirzepatid im Vergleich.

Häufige Fragen

Werden die Nebenwirkungen mit höherer Dosis stärker?

Magen-Darm-Beschwerden traten in Studien bei höheren Dosen etwas häufiger auf und vor allem in den Wochen nach einer Dosiserhöhung. Deshalb wird die Dosis schrittweise gesteigert. Bei starken Beschwerden kann die Ärztin oder der Arzt den Plan anpassen.

Beeinflusst Tirzepatid die Pille?

Nach einer Einzeldosis sanken die Wirkstoffspiegel einer Kombinationspille. Die EU-Fachinformation stuft das als nicht klinisch relevant ein. Erbrechen oder starker Durchfall können die Schutzwirkung jedoch vermindern. Besprechen Sie Ihre Verhütung ärztlich, wenn Sie unsicher sind.

Was bedeutet ein erhöhter Calcitoninwert?

Calcitonin ist ein Hormon der Schilddrüse, das im Blut gemessen werden kann. Ein Anstieg ist in der Fachinformation als Laborveränderung aufgeführt. Wie ein Wert einzuordnen ist, bespricht die Ärztin oder der Arzt anhand Ihrer Befunde.

Was tun, wenn ich eine Dosis vergessen habe?

Laut Fachinformation kann eine vergessene Dosis nachgeholt werden, wenn seit dem geplanten Termin höchstens vier Tage vergangen sind. Andernfalls lassen Sie die Dosis aus und spritzen die nächste am gewohnten Tag. Wenden Sie nie eine doppelte Dosis an.

Mehr zum Thema

Allgemeine Informationen zu Gewichtsmanagement und ärztlich begleiteten Behandlungen finden Sie auf unserer Informationsseite.

Zum Bereich Gewichtsmanagement

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112 (Schweiz: 144).

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