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Ratgeber

Wie wirkt Sildenafil? Wirkungseintritt, Dauer und Einnahme

Viagra Wirkung Review mit medizinischen Fakten

Sildenafil ist einer der bekanntesten Wirkstoffe bei erektiler Dysfunktion. Trotzdem gibt es viele falsche Vorstellungen darüber, was er bewirkt und was nicht. Dieser Beitrag erklärt den Wirkmechanismus, den zeitlichen Ablauf nach der Einnahme und die Gründe, warum die Wirkung im Einzelfall unterschiedlich ausfällt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sildenafil verstärkt bei sexueller Erregung den Bluteinstrom in den Penis. Ohne Erregung entsteht keine Erektion, und die Lust wird nicht gesteigert.
  • Laut Fachinformation wird Sildenafil etwa eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen, höchstens einmal täglich.
  • Eine Mahlzeit kann den Wirkungseintritt verzögern. Das Zeitfenster, in dem eine Erektion erleichtert ist, umfasst einige Stunden.
  • Bleibt die Wirkung aus, sollte die Dosis nicht eigenmächtig erhöht werden. Sinnvoller ist eine ärztliche Überprüfung von Einnahme und Ursachen.

So wirkt Sildenafil im Körper

Bei sexueller Erregung setzen Nervenenden im Penis den Botenstoff Stickstoffmonoxid frei. Er sorgt dafür, dass sich ein weiterer Botenstoff namens cGMP anreichert. cGMP entspannt die glatte Muskulatur in den Schwellkörpern, sodass mehr Blut einströmen kann. Das Enzym Phosphodiesterase 5, kurz PDE-5, baut cGMP wieder ab.

Sildenafil hemmt dieses Enzym. Der Botenstoff bleibt dadurch länger wirksam, und die natürliche Reaktion auf sexuelle Reize wird verstärkt. Sildenafil, der Wirkstoff von Viagra, löst also keine Erektion aus eigener Kraft aus. Er erleichtert eine Reaktion, die durch Erregung angestoßen wird.

Daraus folgt auch, was Sildenafil nicht leistet: Es steigert nicht das sexuelle Verlangen und ist kein Mittel gegen fehlende Lust. Bei Libidoproblemen stehen oft andere Ursachen im Vordergrund, etwa hormonelle Veränderungen, Depressionen, Nebenwirkungen von Medikamenten oder Belastungen in der Partnerschaft.

Wann die Wirkung einsetzt und wie lange sie anhält

In Untersuchungen bei nüchternen Patienten trat die Wirkung im Mittel nach etwa 25 Minuten ein, bei manchen früher, bei anderen später. Die höchsten Wirkstoffspiegel im Blut werden im nüchternen Zustand nach 30 bis 120 Minuten erreicht. Die Fachinformation empfiehlt deshalb eine Einnahme etwa eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr.

Nach einer Mahlzeit wird Sildenafil langsamer aufgenommen. Die höchsten Spiegel werden dann im Mittel eine Stunde später erreicht und fallen niedriger aus. Wer direkt nach einem reichhaltigen Essen einnimmt, sollte also mit einem späteren Wirkungseintritt rechnen.

In Studien konnte Sildenafil noch vier bis fünf Stunden nach der Einnahme eine Erektion auf sexuelle Stimulation hin ermöglichen. Das bedeutet nicht, dass eine Erektion so lange anhält. Eine Erektion, die ungewollt länger als vier Stunden besteht, ist ein Notfall.

Aspekt Angabe laut Fachinformation
Einnahmezeitpunkt etwa 1 Stunde vor dem Geschlechtsverkehr
Wirkungseintritt in Studien im Mittel nach etwa 25 Minuten (nüchtern)
Einfluss einer Mahlzeit Wirkungseintritt kann verzögert sein
Zeitfenster Erektion auf Stimulation noch nach 4 bis 5 Stunden möglich
Halbwertszeit 3 bis 5 Stunden
Häufigkeit höchstens einmal täglich

Dosierung: Warum mehr nicht automatisch besser ist

Die übliche Anfangsdosis beträgt laut Fachinformation 50 mg. Je nach Wirkung und Verträglichkeit kann die Ärztin oder der Arzt auf 25 mg senken oder auf höchstens 100 mg erhöhen. Bei schwerer Nierenfunktionsstörung, eingeschränkter Leberfunktion, der Einnahme von Alphablockern oder bestimmten anderen Medikamenten wird eine Anfangsdosis von 25 mg erwogen.

Eine höhere Dosis verbessert die Wirkung nicht beliebig. In Studien führten 200 mg nicht zu einer stärkeren Wirksamkeit, wohl aber zu mehr Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Gesichtsrötung, Schwindel und Sehstörungen. Nehmen Sie deshalb nie mehr als verordnet und nicht mehrere Tabletten innerhalb von 24 Stunden.

Was die Wirkung beeinflussen kann

Wenn Sildenafil bei den ersten Anwendungen nicht wie erwartet wirkt, liegt das oft nicht am Wirkstoff selbst. Häufige Gründe sind:

  • ein zu kurzer Abstand zwischen Einnahme und sexueller Aktivität oder eine Einnahme direkt nach einer schweren Mahlzeit
  • fehlende sexuelle Stimulation, etwa weil passiv auf eine Wirkung gewartet wird
  • größere Mengen Alkohol, die die Erektion selbst beeinträchtigen
  • Nervosität und Leistungsdruck, besonders bei den ersten Versuchen
  • eine zu niedrige Dosis oder ein schlecht eingestellter Diabetes
  • Wechselwirkungen mit Wirkstoffen, die den Abbau beschleunigen, zum Beispiel Rifampicin

Auch die Ursache der Erektionsstörung spielt eine Rolle. Nach Operationen im kleinen Becken, etwa einer Prostataentfernung, oder bei ausgeprägten Nervenschäden sprechen Männer im Durchschnitt schlechter auf Sildenafil an. In solchen Fällen kommen auch andere Behandlungen infrage.

Wann Sildenafil nicht infrage kommt

Sildenafil ist in Deutschland und der Schweiz verschreibungspflichtig. Vor einer Verordnung werden Herz-Kreislauf-Gesundheit, Blutdruck und Begleitmedikation geprüft. Ausgeschlossen ist die Einnahme unter anderem zusammen mit Nitraten, Poppers oder Riociguat, bei schweren Herzerkrankungen, niedrigem Blutdruck und nach einem kürzlich erlittenen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Alle Gegenanzeigen fasst der Beitrag zusammen: Wann Sildenafil nicht geeignet ist.

Zu den häufigen Nebenwirkungen zählen Kopfschmerzen, Gesichtsrötung, eine verstopfte Nase, Verdauungsbeschwerden, Schwindel und vorübergehende Sehveränderungen. Wie sie sich im Alltag bemerkbar machen, erklärt der Beitrag: Nebenwirkungen von Sildenafil. Worin sich Sildenafil von Tadalafil unterscheidet, erklärt der Beitrag: Sildenafil und Tadalafil im Vergleich.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sildenafil nach mehreren Anwendungen unter günstigen Bedingungen nicht ausreichend wirkt, wenn Nebenwirkungen Sie stark belasten oder wenn sich Ihre Gesundheit oder Medikation verändert hat. Ändern Sie Dosis oder Wirkstoff nicht eigenmächtig.

Wählen Sie den Notruf 112 (Schweiz: 144) bei Brustschmerzen, Ohnmacht oder einer Erektion, die länger als vier Stunden anhält. Bei plötzlicher Sehverschlechterung oder plötzlichem Hörverlust setzen Sie Sildenafil ab und lassen Sie sich umgehend ärztlich untersuchen.

Häufige Fragen

Wie viele Versuche braucht es, um die Wirkung zu beurteilen?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Eine einzelne Anwendung ist aber wenig aussagekräftig, weil Aufregung, Alkohol oder eine späte Mahlzeit das Ergebnis verfälschen können. Bleibt die Wirkung nach mehreren Versuchen unter günstigen Bedingungen unzureichend, sollte die Behandlung ärztlich überprüft werden.

Wirkt Sildenafil auch ohne Erektionsstörung?

Sildenafil ist zur Behandlung der erektilen Dysfunktion bei erwachsenen Männern zugelassen. Ohne entsprechende Diagnose ist ein Nutzen nicht belegt, die möglichen Nebenwirkungen und Wechselwirkungen bleiben aber bestehen.

Kann ich Sildenafil zusammen mit Alkohol einnehmen?

Eine Studie mit gesunden Männern zeigte keine zusätzliche Blutdrucksenkung, wenn Sildenafil zusammen mit Alkohol eingenommen wurde. Größere Mengen Alkohol erschweren jedoch selbst die Erektion und können Schwindel auslösen. Zurückhaltung ist deshalb sinnvoll, vor allem bei den ersten Anwendungen.

Hilft Sildenafil bei vorzeitigem Samenerguss?

Sildenafil ist für den vorzeitigen Samenerguss nicht zugelassen. Dafür gibt es eigene Behandlungsansätze, etwa Verhaltenstechniken, örtlich betäubende Mittel oder spezielle Medikamente. Treten Erektionsprobleme und ein vorzeitiger Samenerguss gemeinsam auf, sollte beides ärztlich besprochen werden.

Mehr zum Thema

Weitere Informationen zu Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten bei Erektionsstörungen finden Sie auf unserer Themenseite.

Zum Bereich Erektionsprobleme

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112 (Schweiz: 144).

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