• Zugelassene Ärzte
  • Rezept nach ärztlicher Prüfung
  • Kostenloser, diskreter Versand
Mein Konto 0Warenkorb

Ratgeber

Medikamente bei Schlafstörungen: Wirkstoffgruppen im Überblick

Beste Medikamente gegen Schlafstörungen erklärt

Gegen Schlafstörungen gibt es zahlreiche Medikamente, rezeptpflichtige ebenso wie frei erhältliche. Die Mittel unterscheiden sich in Wirkweise, Wirkdauer, Nebenwirkungen und Abhängigkeitspotenzial. Dieser Beitrag gibt einen sachlichen Überblick über die Wirkstoffgruppen und erklärt, welchen Stellenwert sie nach der aktuellen Leitlinie haben. Welches Mittel im Einzelfall infrage kommt, kann nur eine Ärztin oder ein Arzt entscheiden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie (KVT-I) ist nach der deutschen Leitlinie die erste Behandlungsoption, Medikamente kommen danach.
  • Benzodiazepine und Z-Substanzen sind nur für die Kurzzeitbehandlung von höchstens 4 Wochen vorgesehen, weil sie abhängig machen können.
  • Orexin-Rezeptor-Antagonisten wie Daridorexant wirken anders und sind für chronische Insomnie zugelassen, eine Langzeitbehandlung empfiehlt die Leitlinie aber nicht.
  • Sedierende Antidepressiva werden oft ohne Zulassung für Schlafstörungen eingesetzt und haben eigene Risiken.
  • Rezeptfreie Antihistaminika und pflanzliche Mittel empfiehlt die Leitlinie wegen unzureichender Belege nicht.

Warum die Leitlinie zuerst keine Tabletten empfiehlt

Die S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen“ der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin wurde 2025 aktualisiert. Als erste Behandlung empfiehlt sie allen Betroffenen die kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie. Eine medikamentöse Therapie kann angeboten werden, wenn diese nicht ausreichend geholfen hat oder nicht durchführbar ist. Bei älteren Menschen rät die Leitlinie zu großer Zurückhaltung.

Der Grund: Schlafmittel lindern Beschwerden, solange sie eingenommen werden, verändern aber nicht die Faktoren, die eine Schlafstörung aufrechterhalten. Zudem bringt jede Wirkstoffgruppe eigene Risiken mit sich. Die Entscheidung über eine Behandlung treffen Patientin oder Patient und Ärztin oder Arzt gemeinsam.

Benzodiazepine und Z-Substanzen

Benzodiazepine wie Lormetazepam, Temazepam oder Nitrazepam und die Z-Substanzen Zolpidem und Zopiclon verstärken die Wirkung des dämpfenden Botenstoffs GABA. In Studien verkürzten sie die Einschlafzeit und verlängerten die Schlafdauer. Nach der Leitlinie ist dieser Effekt nur für die Kurzzeitbehandlung von bis zu 4 Wochen ausreichend belegt. Eine Langzeitbehandlung empfiehlt sie nicht.

Die Wirkstoffe unterscheiden sich vor allem in der Halbwertszeit. Zolpidem hat mit 2 bis 4 Stunden eine kurze Halbwertszeit, Zopiclon mit etwa 5 bis 6 Stunden eine etwas längere. Benzodiazepine wie Nitrazepam wirken deutlich länger. Je länger ein Wirkstoff im Körper bleibt, desto eher sind am Morgen noch Müdigkeit und eine eingeschränkte Fahrtüchtigkeit zu erwarten.

Zu den wichtigsten Risiken zählen Toleranz und Abhängigkeit, Stürze, Gedächtnislücken, ungewöhnliches Verhalten im Schlaf, Rebound-Schlaflosigkeit nach dem Absetzen und gefährliche Wechselwirkungen mit Alkohol und Opioiden. Einzelheiten zu Zolpidem finden Sie im Beitrag: Nebenwirkungen von Zolpidem. Für Zopiclon gibt es einen eigenen Beitrag: Nebenwirkungen von Zopiclon.

Orexin-Rezeptor-Antagonisten

Orexin ist ein Botenstoff, der das Gehirn wach hält. Orexin-Rezeptor-Antagonisten blockieren dieses Wachsignal, statt das Gehirn allgemein zu dämpfen. In der EU ist Daridorexant seit 2022 für Erwachsene zugelassen, deren Schlafstörung seit mindestens 3 Monaten besteht und die Leistungsfähigkeit am Tag deutlich beeinträchtigt.

Zu den berichteten Nebenwirkungen zählen Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Schwindel, Müdigkeit und Übelkeit, gelegentlich eine vorübergehende Schlaflähmung oder Sinnestäuschungen beim Einschlafen oder Aufwachen. Bei Narkolepsie und zusammen mit bestimmten stark wechselwirkenden Arzneimitteln darf der Wirkstoff nicht angewendet werden. In Studien fanden sich keine Hinweise auf Entzugserscheinungen nach dem Absetzen, bei einer Suchterkrankung in der Vorgeschichte ist trotzdem Vorsicht geboten. Die Leitlinie empfiehlt keine Langzeitbehandlung, insbesondere nicht über ein Jahr hinaus.

Sedierende Antidepressiva und weitere verschreibungspflichtige Mittel

Sedierende Antidepressiva wie Doxepin oder Trazodon werden in niedriger Dosis häufig bei Schlafstörungen eingesetzt. Für Schlafstörungen ohne begleitende Depression sind sie in Deutschland nicht zugelassen, man spricht von einer Anwendung außerhalb der Zulassung (Off-Label). Die Leitlinie hält sie für wirksam, rät aber von einer Langzeitbehandlung ab, sofern keine Erkrankung vorliegt, für die sie zugelassen sind. Je nach Wirkstoff sind Mundtrockenheit, Schwindel, Blutdruckabfall beim Aufstehen und Wirkungen auf den Herzrhythmus möglich.

Antipsychotika sollen bei Schlafstörungen ohne psychiatrische Grunderkrankung nicht eingesetzt werden. Melatonin in retardierter Form ist in Deutschland verschreibungspflichtig und für die Kurzzeitbehandlung von Menschen ab 55 Jahren zugelassen. Die Leitlinie hält es in dieser Gruppe für wirksam, eine Langzeitbehandlung empfiehlt sie nicht.

Rezeptfreie Mittel: Antihistaminika, Melatonin und Pflanzliches

Viele rezeptfreie Schlafmittel enthalten die Antihistaminika Diphenhydramin oder Doxylamin. Diese Wirkstoffe machen müde, verlieren aber rasch an Wirkung und wirken oft bis in den nächsten Tag nach. Mundtrockenheit, Verstopfung, Probleme beim Wasserlassen und Verwirrtheit sind vor allem bei älteren Menschen problematisch. Die Leitlinie empfiehlt sie nicht zur Behandlung von Schlafstörungen.

Melatonin wird auch als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Solche Produkte durchlaufen keine Arzneimittelzulassung, Gehalt und Qualität können schwanken. Die Autorinnen und Autoren der Leitlinie halten Präparate aus der Apotheke für sicherer und sehen melatoninhaltige Süßigkeiten sehr kritisch. Für Baldrian und andere pflanzliche Mittel zeigen Studien allenfalls geringe Effekte, weshalb die Leitlinie sie nicht empfiehlt.

Die Wirkstoffgruppen im Vergleich

Gruppe Beispiele Einsatz Wichtige Risiken
Benzodiazepine Lormetazepam, Temazepam, Nitrazepam Kurzzeitbehandlung, höchstens 4 Wochen Abhängigkeit, Stürze, Nachwirkung am Morgen
Z-Substanzen Zolpidem, Zopiclon Kurzzeitbehandlung, höchstens 4 Wochen Abhängigkeit, Gedächtnislücken, Schlafwandeln
Orexin-Rezeptor-Antagonisten Daridorexant chronische Insomnie mit Beeinträchtigung am Tag Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Wechselwirkungen
Sedierende Antidepressiva Doxepin, Trazodon meist außerhalb der Zulassung Kreislauf, Herzrhythmus, Mundtrockenheit
Melatonin (Arzneimittel) Melatonin retard Kurzzeitbehandlung ab 55 Jahren Kopfschmerzen, Müdigkeit am Tag
Antihistaminika (rezeptfrei) Diphenhydramin, Doxylamin von der Leitlinie nicht empfohlen Nachwirkung, Verwirrtheit, Harnverhalt

Die Tabelle ersetzt keine Beratung. Welche Wirkung und welche Risiken im Einzelfall überwiegen, hängt von Alter, Vorerkrankungen, anderen Medikamenten und der Art der Schlafstörung ab.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Lassen Sie Schlafprobleme ärztlich abklären, bevor Sie über längere Zeit rezeptfreie Mittel einnehmen oder wenn Sie bereits ein verschriebenes Schlafmittel länger als vereinbart verwenden. Wie sich eine Gewöhnung zeigt und wie das Absetzen gelingt, erklärt der Beitrag: Abhängigkeit von Schlafmitteln.

Sofortige Hilfe brauchen Sie bei Atemproblemen, starker Benommenheit oder Verwirrtheit nach der Einnahme und bei einer möglichen Überdosierung: Notruf 112 (Schweiz: 144). Bei Vergiftungsverdacht berät in der Schweiz Tox Info Suisse unter 145. In einer psychischen Krise erreichen Sie in Deutschland die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111 und in der Schweiz Die Dargebotene Hand unter 143.

Häufige Fragen

Welches Schlafmittel ist für mich geeignet?

Darauf gibt es keine allgemeine Antwort. Es kommt darauf an, ob Sie vor allem schlecht einschlafen oder nachts aufwachen, wie lange die Beschwerden bestehen, wie alt Sie sind, welche Erkrankungen Sie haben und welche Medikamente Sie einnehmen. Diese Abwägung trifft die Ärztin oder der Arzt, häufig mit dem Ergebnis, zunächst eine Verhaltenstherapie zu beginnen.

Warum werden viele Schlafmittel nur für kurze Zeit verordnet?

Weil bei Benzodiazepinen und Z-Substanzen mit längerer Einnahme Gewöhnung und Abhängigkeit drohen und die Wirkung nachlassen kann. Für eine Langzeitbehandlung fehlen zudem ausreichende Belege, während andere Behandlungen wie die Verhaltenstherapie langfristig wirken.

Macht Melatonin abhängig?

Eine körperliche Abhängigkeit ist nach heutigem Wissen nicht bekannt. Belegt ist ein kleiner bis mittlerer Effekt bei Menschen ab 55 Jahren, am deutlichsten beim Einschlafen. Eine Langzeitbehandlung empfiehlt die Leitlinie nicht, und bei Nahrungsergänzungsmitteln kann der Gehalt schwanken.

Sind pflanzliche Schlafmittel eine Alternative?

Für Baldrian und andere Pflanzenextrakte zeigen Studien allenfalls geringe Effekte bei insgesamt niedriger Studienqualität. Auch pflanzliche Mittel können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen haben. Besprechen Sie die Einnahme deshalb mit Ihrer Apotheke, besonders wenn Sie weitere Medikamente einnehmen.

Mehr zum Thema

Auf der Informationsseite zur Schlafberatung finden Sie weitere Informationen zu Schlafstörungen und ihrer Abklärung.

Zum Bereich Schlafberatung

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112 (Schweiz: 144).

Fragen zu Ihrer Gesundheit?

In unseren Behandlungsbereichen finden Sie verständliche Informationen. Zugelassene Ärzte prüfen Ihre Anfrage vertraulich.

Behandlungsbereiche ansehen