Fachlich geprüft vom medizinischen Team von Doctorcura am 26. September 2026, Stand: 24. September 2026 · So entstehen unsere Inhalte
Eine Chlamydien-Infektion gehört zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen und verläuft oft ohne Beschwerden. Behandelt wird sie mit Doxycyclin oder Azithromycin. Dieser Beitrag erklärt, wie sich beide Wirkstoffe nach den Leitlinien unterscheiden, warum die Partnerbehandlung dazugehört und wann ein Kontrolltest sinnvoll ist. Welcher Wirkstoff in Frage kommt, entscheidet die ärztliche Prüfung; es gelten Fachinformation und Packungsbeilage.
Das Wichtigste in Kürze
- Doxycyclin über sieben Tage ist nach den Leitlinien die Therapie der ersten Wahl; die Fachinformation nennt ein gewichtsabhängiges Schema, das die ärztliche Prüfung festlegt.
- Azithromycin als Einmalgabe ist die Alternative; in der Schwangerschaft ist es nach der Leitlinie Mittel der Wahl, in der Stillzeit eine Off-Label-Option. Bei Infektionen des Enddarms wirkt es schlechter.
- Sexualpartnerinnen und Sexualpartner der letzten sechs Monate sollen informiert, getestet und bei Nachweis behandelt werden. Bis sieben Tage nach Behandlungsende auf beiden Seiten sollte kein Sex stattfinden.
- Ein Kontrolltest ist nach Doxycyclin nicht routinemäßig nötig, wohl aber in der Schwangerschaft, bei anhaltenden Beschwerden oder nach Azithromycin. Ein erneuter Test folgt nach drei bis zwölf Monaten, bei Frauen unter 25 nach drei bis sechs.
Warum eine Chlamydien-Infektion behandelt werden muss
Chlamydia trachomatis wird beim Sex übertragen und besiedelt Harnröhre, Gebärmutterhals, Enddarm oder Rachen. Nach dem Robert Koch-Institut verlaufen bis zu 80 Prozent der Infektionen bei Frauen und etwa die Hälfte bei Männern ohne Symptome. Unbehandelt drohen Frauen Eileiterentzündungen, Eileiterschwangerschaften und Unfruchtbarkeit, Männern Nebenhoden- und Prostataentzündungen. Nachgewiesen wird der Erreger per Nukleinsäure-Amplifikationstest (NAAT) aus Urin oder Abstrich.
Doxycyclin: die Therapie der ersten Wahl
Doxycyclin ist ein Tetracyclin; die Fachinformation nennt unter anderem die Urethritis durch Chlamydien als Anwendungsgebiet. S2k-Leitlinie, DSTIG-Leitfaden und europäische Leitlinie 2025 empfehlen bei unkomplizierter Zervizitis oder Urethritis 100 mg zweimal täglich über sieben Tage als erste Wahl. Die Fachinformation nennt dagegen ein gewichtsabhängiges Schema: 200 mg am ersten Tag, danach 100 mg täglich, bei mehr als 70 kg Körpergewicht 200 mg täglich; welches Schema gilt, legt die ärztliche Prüfung fest. Nach einer in der europäischen Leitlinie zitierten Metaanalyse randomisierter Studien erreichten mit Doxycyclin 97 Prozent der Männer und 99 Prozent der Frauen eine mikrobiologische Heilung, mit Azithromycin 92 beziehungsweise 98 Prozent. Bei Infektionen des Enddarms ist der Unterschied größer: 97 bis 100 gegenüber 74 bis 76 Prozent.
Die Tabletten sollen mit einem Glas Wasser, nicht mit Milch und nicht direkt vor dem Zubettgehen eingenommen werden, um die Speiseröhre nicht zu reizen. Milchprodukte, Antazida sowie Eisen-, Zink- und Magnesiumpräparate mindern die Aufnahme; Abstand zwei bis drei Stunden. Die Haut wird lichtempfindlich; Sonne und Solarium sind zu meiden. Kontraindiziert ist Doxycyclin in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern unter acht Jahren, schweren Leberfunktionsstörungen und Überempfindlichkeit gegen Tetracycline; Wechselwirkungen bestehen unter anderem mit Retinoiden und Gerinnungshemmern. Mehr dazu im Beitrag Doxycyclin: Nebenwirkungen und Warnzeichen.
Azithromycin: die Einmalgabe als Alternative
Azithromycin ist ein Makrolid. Die Fachinformation nennt die Urethritis und Zervizitis durch Chlamydia trachomatis als Anwendungsgebiet und dafür 1000 mg einmalig. Die Leitlinien stufen die Einmalgabe als zweite Wahl ein, etwa wenn eine siebentägige Einnahme nicht sicher durchführbar ist; die deutschen Empfehlungen nennen dabei eine höhere Einmaldosis als die Fachinformation, auch hier entscheidet die ärztliche Prüfung. In der Schwangerschaft ist Azithromycin nach der S2k-Leitlinie das Mittel der Wahl; die Fachinformation lässt die Anwendung nur zu, wenn sie klinisch erforderlich ist. In der Stillzeit nennt der DSTIG-Leitfaden Azithromycin als Off-Label-Option; nach der Fachinformation ist zu entscheiden, ob das Stillen unterbrochen oder auf die Behandlung verzichtet wird. Beides gehört in die frauenärztliche Betreuung.
Nach der europäischen Leitlinie wirkt die Einmalgabe bei Infektionen der Harnröhre des Mannes, des Rachens und besonders des Enddarms schlechter als Doxycyclin. Die von der Europäischen Arzneimittel-Agentur harmonisierte Produktinformation sieht zudem vor, vor einer Einmalgabe eine Infektion mit Mycoplasma genitalium auszuschließen, weil bei diesem Erreger ein hohes Risiko für Resistenzen besteht. Zu beachten sind Warnhinweise zu Herzrhythmusstörungen (QT-Verlängerung), Leberschäden und schweren Durchfällen durch Clostridioides difficile. Häufige Nebenwirkungen sind Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen und Übelkeit.
Doxycyclin oder Azithromycin bei Chlamydien: die Unterschiede im Überblick
- Einnahme: Doxycyclin nach Leitlinie zweimal täglich über sieben Tage, Azithromycin einmalig.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Doxycyclin kontraindiziert; Azithromycin nur nach ärztlicher Abwägung, in der Stillzeit off-label.
- Kinder: Doxycyclin unter acht Jahren kontraindiziert, Azithromycin-Tabletten unter 45 kg nicht geeignet; die Online-Behandlung richtet sich an Erwachsene.
Partnerbehandlung: ohne sie droht der Ping-Pong-Effekt
Nach der S2k-Leitlinie sind Untersuchung und gegebenenfalls Behandlung der Partnerinnen und Partner obligat; einbezogen werden alle Sexualkontakte der letzten sechs Monate. Je nach Studie sind 12 bis 64 Prozent der Kontaktpersonen ebenfalls infiziert, meist unbemerkt. Wer sich nicht testen lässt, soll nach der deutschen Leitlinie auch ohne Laborbefund behandelt werden. Sonst droht die gegenseitige Wiederansteckung, der sogenannte Ping-Pong-Effekt.
Ein Rezept ist personenbezogen. Die Partnerin oder der Partner braucht eine eigene ärztliche Beurteilung, weil Allergien, Vorerkrankungen, Medikamente oder eine Schwangerschaft die Wirkstoffwahl verändern können. Bis sieben Tage nach Behandlungsende auf beiden Seiten sollte kein Sex stattfinden, auch nach der Einmalgabe. Die DSTIG empfiehlt zudem, bei jeder Chlamydien-Diagnose andere sexuell übertragbare Infektionen abzuklären.
Kontrolle nach der Behandlung
Nach der europäischen Leitlinie 2025 ist ein Test auf Heilung nach Doxycyclin nicht routinemäßig erforderlich. Empfohlen wird er in der Schwangerschaft, bei komplizierten Infektionen, anhaltenden Beschwerden, nach der Einmalgabe von Azithromycin, bei unsicherer Einnahme und nach möglichem Kontakt mit einer unbehandelten Person. Die deutsche S2k-Leitlinie hält eine Kontrolle im Regelfall für ratsam und empfiehlt sie grundsätzlich in der Schwangerschaft, bei unsicherer Einnahme und bei anhaltenden Beschwerden. Der Zeitpunkt zählt, weil der NAAT auch Erbgut abgetöteter Bakterien nachweist: frühestens vier Wochen nach Therapieende (europäische Leitlinie) beziehungsweise acht Wochen (deutsche Empfehlungen).
Davon zu unterscheiden ist der Wiederholungstest. Neuinfektionen sind in den ersten zwei bis fünf Monaten nach der Erstinfektion besonders häufig. Die europäische Leitlinie empfiehlt Frauen unter 25 Jahren einen erneuten Test nach drei bis sechs Monaten, allen anderen innerhalb von drei bis zwölf Monaten.
Wann Sie direkt in eine Praxis gehen sollten
Eine Online-Behandlung eignet sich für die unkomplizierte Infektion mit gesichertem Testergebnis. Fieber, Schmerzen im Unterbauch oder beim Sex, Zwischenblutungen, Hodenschmerzen oder eine Hodenschwellung sprechen für eine aufgestiegene Infektion, die untersucht und meist mindestens 14 Tage behandelt werden muss. In der Schwangerschaft und bei Kindern gehört die Behandlung in die Praxis. Atemnot, Schwellungen im Gesicht, großflächiger Hautausschlag mit Blasen, schwerer oder blutiger Durchfall, starke Kopfschmerzen mit Sehstörungen, Gelbfärbung von Haut oder Augen oder Herzstolpern mit Schwindel sind Warnzeichen für eine sofortige ärztliche Abklärung.
Wie die ärztliche Prüfung bei Doctorcura abläuft
Bei Doctorcura beantworten Sie einen medizinischen Fragebogen zu Testergebnis, Beschwerden, Schwangerschaft oder Stillzeit, Allergien, Vorerkrankungen und allen eingenommenen Arzneimitteln. Eine zugelassene Ärztin oder ein zugelassener Arzt prüft die Angaben und entscheidet, ob eine Behandlung in Frage kommt und welcher Wirkstoff geeignet ist; bei Gegenanzeigen wird die Anfrage abgelehnt. Erst danach gibt eine Partnerapotheke das Arzneimittel ab. Maßgeblich sind Fachinformation und Packungsbeilage.
Häufige Fragen
Ist Azithromycin genauso wirksam wie Doxycyclin?
Bei der unkomplizierten Infektion von Harnröhre oder Gebärmutterhals sind beide hoch wirksam; Doxycyclin schneidet in Studien etwas besser ab, bei Enddarm- und Racheninfektionen deutlich besser. Die Leitlinien empfehlen Azithromycin deshalb nur, wenn Doxycyclin ausscheidet.
Kann meine Partnerin oder mein Partner meine Tabletten mitnehmen?
Nein. Ein Rezept ist personenbezogen, und die Wahl des Wirkstoffs hängt von Allergien, Vorerkrankungen, Medikamenten und einer möglichen Schwangerschaft ab. Nötig ist eine eigene ärztliche Beurteilung, möglichst mit eigenem Test.
Wann darf ich wieder Sex haben?
Frühestens sieben Tage nach Behandlungsende auf beiden Seiten und erst ohne Beschwerden; das gilt auch nach der Einmalgabe.
Brauche ich nach der Behandlung einen Kontrolltest?
Nach Doxycyclin nicht routinemäßig. Sinnvoll ist er in der Schwangerschaft, bei anhaltenden Beschwerden, nach Azithromycin oder bei unsicherer Einnahme, frühestens vier Wochen (europäische Leitlinie) beziehungsweise acht Wochen (deutsche Empfehlungen) nach Therapieende. Ein erneuter Test folgt unabhängig davon nach drei bis zwölf Monaten, bei Frauen unter 25 nach drei bis sechs.
Quellen
- AWMF: S2k-Leitlinie Infektionen mit Chlamydia trachomatis, Registernummer 059/005, Stand August 2016, in Überarbeitung. register.awmf.org
- Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG): Leitfaden STI-Therapie, -Diagnostik und -Prävention, 4. Auflage 2023/2024. dstig.de
- White JA et al.: 2025 European guideline on the management of Chlamydia trachomatis infections. iusti.org
- RKI-Ratgeber Chlamydiosen (Teil 1): Erkrankungen durch Chlamydia trachomatis, Stand Dezember 2024. rki.de
- IQWiG: Chlamydien-Infektion. gesundheitsinformation.de
- IQWiG: Wie wird eine Chlamydien-Infektion behandelt? gesundheitsinformation.de
- Fachinformation Doxycyclin 100 mg / 200 mg Tabletten, Stand Juni 2025. fachinfo.de
- Fachinformation Azithromycin 500 mg Filmtabletten, Stand September 2026. fachinfo.de
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Azithromycin, Referralverfahren nach Artikel 31, Anhang III, September 2025. ema.europa.eu
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