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Ratgeber

Erektionsstörungen mit 30, 40 und 50: Was sich mit dem Alter ändert

Nachdenklicher Mann sitzt auf der Bettkante

Fachlich geprüft vom medizinischen Team von Doctorcura am 26. September 2026, Stand: 24. September 2026 · So entstehen unsere Inhalte

Eine Erektionsstörung ist kein Thema, das erst mit 70 beginnt. Sie kommt in jedem Erwachsenenalter vor, wird mit den Jahren aber häufiger, und die Ursachen verschieben sich: Eine Erektionsstörung mit 40 hat oft andere Gründe als mit 30. Dieser Beitrag beschreibt, was sich in den einzelnen Lebensjahrzehnten ändert, welche Warnzeichen eine ärztliche Abklärung erfordern und welche Rolle Medikamente spielen.

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Kölner Männerstudie stieg die Häufigkeit einer erektilen Dysfunktion von 2,3 Prozent bei den 30- bis 39-Jährigen auf 53,4 Prozent bei den 70- bis 79-Jährigen; insgesamt war etwa jeder fünfte Mann betroffen.
  • Bei jüngeren Männern sprechen ein plötzlicher Beginn, situationsabhängige Beschwerden und erhaltene morgendliche Erektionen für eine psychische Ursache. Mit dem Alter überwiegen Gefäßveränderungen, Diabetes und Testosteronmangel.
  • Eine Erektionsstörung kann einer koronaren Herzkrankheit im Mittel zwei bis drei Jahre vorausgehen und ist deshalb ein Anlass, Blutdruck, Blutzucker und Blutfette prüfen zu lassen.
  • PDE-5-Hemmer wie Sildenafil oder Tadalafil sind verschreibungspflichtig. Ob sie infrage kommen, entscheidet die ärztliche Prüfung; maßgeblich sind die Fachinformation und die Packungsbeilage.

Wie häufig Erektionsstörungen in welchem Alter sind

Von einer erektilen Dysfunktion spricht man, wenn ein Mann über längere Zeit keine für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion erreichen oder aufrechterhalten kann; ein gelegentlicher Aussetzer zählt nicht dazu. Die Kölner Männerstudie wertete rund 4.500 Antworten von Männern zwischen 30 und 80 Jahren aus: 19,2 Prozent berichteten über eine Erektionsstörung, mit einem steilen Anstieg von 2,3 Prozent in der jüngsten bis 53,4 Prozent in der ältesten Altersgruppe. Die Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit nennt für die 40- bis 50-Jährigen rund 20 Prozent und für die 60- bis 70-Jährigen etwa zwei Drittel.

Mit 30: Anspannung, Lebensumstände und erste Risikofaktoren

Unter 40 sind Erektionsstörungen selten, aber nicht ausgeschlossen. Die Leitlinie nennt Merkmale, die auf eine psychische Ursache hinweisen: ein plötzlicher Beginn ohne organischen Auslöser, belastende Lebensereignisse, Schwankungen je nach Situation, fehlende körperliche Risikofaktoren, ein Alter unter 50 Jahren und erhaltene nächtliche oder morgendliche Erektionen. Versagensangst verstärkt sich oft selbst: Ein missglückter Versuch erhöht den Druck beim nächsten Mal.

Auch mit 30 lohnt der Blick auf den Körper. Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, Alkohol und Drogen belasten die Gefäße früh, ein unerkannter Typ-2-Diabetes kann sich durch eine erektile Dysfunktion bemerkbar machen, und einige Arzneimittel wirken auf die Erektion. Welche das sind, lesen Sie im Beitrag Welche Medikamente beeinflussen die Erektion. Morgendliche Erektionen schließen laut Leitlinie eine Erektionsstörung nicht aus.

Erektionsstörung mit 40: Die Gefäße kommen ins Spiel

Ein Frühwarnzeichen für das Herz

Eine Erektion ist ein Gefäßereignis: Die Schwellkörper füllen sich mit Blut, dazu müssen sich die kleinen Arterien im Penis weit stellen. Diese Gefäße reagieren früh auf Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Rauchen und erhöhten Blutzucker. Das Robert Koch-Institut beschreibt die erektile Dysfunktion deshalb als möglichen ersten Hinweis auf eine koronare Herzkrankheit; sie geht deren Symptomen im Mittel zwei bis drei Jahre voraus. Die Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit nennt den Penis die Antenne des Herzens: Bei mehr als der Hälfte der körperlich bedingten Erektionsstörungen liegt eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zugrunde.

Was untersucht werden sollte

Die Abklärung beginnt mit dem Gespräch über Verlauf, Vorerkrankungen, Medikamente, Alkohol und Nikotin, gefolgt von einer körperlichen Untersuchung. Im Labor empfehlen die Leitlinien Nüchternblutzucker oder HbA1c, ein Lipidprofil und das morgendliche Gesamttestosteron. Die Behandlung der Ursache hat Vorrang, und dazu gehört der Lebensstil: Gewichtsabnahme und regelmäßige Bewegung können die Erektionsfähigkeit verbessern und sollten vor oder parallel zu einer medikamentösen Behandlung beginnen, ebenso der Verzicht auf Nikotin.

Mit 50: Stoffwechsel, Hormone und Begleiterkrankungen

Diabetes

Nach Angaben von diabetesDE berichtet etwa die Hälfte der Männer mit Diabetes über sexuelle Funktionsstörungen; das Risiko steigt mit Alter und Krankheitsdauer. Gefäßschäden, Nervenschäden und ein begleitender Testosteronmangel wirken zusammen. PDE-5-Hemmer wirken auch bei Diabetes, in Studien allerdings etwas seltener als bei Männern ohne Diabetes.

Testosteron

Ab etwa dem 45. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel laut Deutscher Gesellschaft für Urologie um rund ein Prozent pro Jahr; das ist normal. Ein altersbedingter Hypogonadismus betrifft zwei bis fünf Prozent der 40- bis 79-Jährigen, häufiger bei Übergewicht; Leitsymptome sind Erektionsstörungen und nachlassende Lust. Eine Testosteronbehandlung kommt nur bei Beschwerden und laborbestätigtem Mangel infrage. Für Männer ab 40 mit Erektionsstörungen ohne Hypogonadismus durch eine Hoden- oder Hirnanhangsdrüsenerkrankung ergab ein Cochrane-Review aus 43 Studien kurzfristig wahrscheinlich wenig bis keinen Unterschied in der Erektionsfähigkeit durch Testosteron; die Langzeitwirkung ist sehr unsicher. Umgekehrt empfiehlt die Leitlinie, bei fehlendem Ansprechen auf PDE-5-Hemmer den Testosteronspiegel zu prüfen.

Welche Behandlung infrage kommt

Mittel der ersten Wahl sind laut Leitlinien die PDE-5-Hemmer Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und Avanafil. Sie sind verschreibungspflichtig, stellen die Gefäße der Schwellkörper weit und wirken nur bei sexueller Stimulation. Laut Fachinformation beträgt die empfohlene Dosis von Sildenafil 50 mg etwa eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr, anpassbar auf 25 oder 100 mg, höchstens einmal täglich; eine Mahlzeit kann den Wirkungseintritt verzögern. Für Tadalafil nennt die Fachinformation 10 mg mindestens 30 Minuten vorher, unabhängig von Mahlzeiten, bei unzureichender Wirkung 20 mg, ebenfalls höchstens einmal täglich.

PDE-5-Hemmer dürfen nicht mit Nitraten, anderen Stickstoffmonoxid-Donatoren wie Amylnitrit oder mit Riociguat kombiniert werden, weil der Blutdruck gefährlich absinken kann. Sie sind nicht anzuwenden bei Männern, denen von sexueller Aktivität abgeraten wird, etwa bei instabiler Angina pectoris oder schwerer Herzinsuffizienz, nach kürzlichem Herzinfarkt oder Schlaganfall, bei schwerer Leberfunktionsstörung, sehr niedrigem Blutdruck und nach einem Sehverlust durch eine nicht arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie. Die Mittel sind nicht für Frauen bestimmt und nicht für Personen unter 18 Jahren zugelassen.

Häufige Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Gesichtsrötung, Verdauungsbeschwerden, verstopfte Nase, Schwindel und Sehstörungen, unter Tadalafil auch Rücken- und Muskelschmerzen. Sofort ärztliche Hilfe erfordern eine Erektion, die länger als vier Stunden anhält, eine plötzliche Verschlechterung des Sehens und ein plötzlicher Hörverlust. Ob ein PDE-5-Hemmer für Sie infrage kommt, entscheidet die ärztliche Prüfung; es gelten die Fachinformation und die Packungsbeilage.

Bei einer Online-Behandlung erhebt ein Fragebogen Vorerkrankungen, Herz-Kreislauf-Risiko, Medikamente und den Verlauf der Beschwerden; eine Ärztin oder ein Arzt prüft die Angaben und kann eine Verordnung auch ablehnen. Wie das bei Doctorcura abläuft, lesen Sie auf der Seite zu Erektionsproblemen. Unabhängig davon bleibt eine neue Erektionsstörung ab 40 ein Grund, Blutdruck, Blutzucker und Blutfette hausärztlich kontrollieren zu lassen.

Häufige Fragen

Ist eine Erektionsstörung mit 30 normal?

Sie ist selten; in der Kölner Männerstudie betraf sie 2,3 Prozent der 30- bis 39-Jährigen. Oft steckt Anspannung dahinter, vor allem bei plötzlichem Beginn und erhaltenen morgendlichen Erektionen. Halten die Probleme über Monate an, sollten körperliche Ursachen wie Diabetes, Medikamente oder Rauchen ärztlich ausgeschlossen werden.

Warum sollte ich mit 40 zum Arzt, wenn nur die Erektion betroffen ist?

Weil die Erektion von denselben kleinen Gefäßen abhängt, die auch am Herzen früh Schaden nehmen. Nach dem Robert Koch-Institut kann eine erektile Dysfunktion einer koronaren Herzkrankheit im Mittel zwei bis drei Jahre vorausgehen. Eine Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker, Blutfetten und Testosteron ist deshalb sinnvoll.

Hilft Testosteron bei Erektionsstörungen ab 50?

Nur bei nachgewiesenem Mangel mit Beschwerden. Der altersbedingte Abfall ist normal und allein kein Behandlungsgrund. Ein Cochrane-Review zeigte bei Männern ab 40 ohne Hypogonadismus durch eine Hoden- oder Hirnanhangsdrüsenerkrankung kurzfristig wahrscheinlich wenig bis keinen Unterschied in der Erektionsfähigkeit; die Langzeitwirkung ist sehr unsicher.

Wirken PDE-5-Hemmer im höheren Alter schlechter?

Das Alter selbst erfordert laut Fachinformation keine Dosisanpassung. Entscheidend ist die Ursache: Bei Diabetes oder nach einer Prostataoperation fällt das Ansprechen in Studien geringer aus, bei psychischen Ursachen ist es besonders hoch.

Quellen

  • Fachinformation Sildenafil 25 mg, 50 mg, 100 mg Filmtabletten (Generikum), Stand Mai 2022. fachinfo.de
  • Fachinformation Tadalafil 20 mg Filmtabletten (Generikum), Stand Januar 2024. fachinfo.de
  • Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): EPAR eines Sildenafil-Generikums mit Produktinformation. ema.europa.eu
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie der erektilen Dysfunktion, AWMF-Registernummer 030/112, Stand 2018 (Archivfassung). dgn.org
  • Robert Koch-Institut: Gesundheitliche Lage der Männer in Deutschland, Berlin 2014. edoc.rki.de
  • IQWiG, gesundheitsinformation.de: Testosteron. gesundheitsinformation.de
  • IQWiG, gesundheitsinformation.de: Diabetes Typ 2. gesundheitsinformation.de
  • Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit: Der Penis ist die Antenne des Herzens. mann-und-gesundheit.com
  • Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit: Bei Erektionsstörung: Mann stehen und zum Arzt gehen. mann-und-gesundheit.com
  • Deutsche Gesellschaft für Urologie: Wann die Gabe von Testosteron im Alter sinnvoll ist, Pressemitteilung 2016. urologenportal.de
  • Cochrane: Wirkt Testosteron bei Männern mit Erektionsproblemen? Deutsche Zusammenfassung, 2024. cochrane.org
  • diabetesDE, Deutsche Diabetes-Hilfe: Sexuelle Funktionsstörungen und Diabetes. diabetesde.org
  • Braun M et al.: Epidemiology of erectile dysfunction: results of the Cologne Male Survey. Int J Impot Res 2000. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  • European Association of Urology: Guidelines on Sexual and Reproductive Health, Kapitel Erectile Dysfunction. uroweb.org

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