Fachlich geprüft vom medizinischen Team von Doctorcura am 26. September 2026, Stand: 24. September 2026 · So entstehen unsere Inhalte
Müdigkeit, weniger Lust auf Sex, nachlassende Kraft: Solche Beschwerden werden im Internet schnell einem Testosteronmangel zugeschrieben. Ein behandlungsbedürftiger Mangel ist jedoch seltener als oft angenommen, und die Symptome sind unspezifisch. Dieser Beitrag erklärt, welche Symptome bei Testosteronmangel typisch sind, wie der Bluttest abläuft, wann eine Testosterontherapie infrage kommt und was dabei online möglich ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Testosteronmangel (Hypogonadismus) liegt erst vor, wenn typische Beschwerden und ein zweimal morgens gemessener, zu niedriger Testosteronwert zusammenkommen.
- Als Orientierung gilt ein Gesamttestosteron unter 12 nmol/l (3,5 ng/ml); unter 8 nmol/l (2,3 ng/ml) gilt der Mangel bei zweimaliger Messung als belegt.
- Der altersbedingte Rückgang ab dem 40. Lebensjahr ist keine Krankheit. Übergewicht, Stress, Alkohol und bestimmte Medikamente senken den Wert ebenfalls und werden zuerst angegangen.
- Eine Therapie setzt den Ausschluss von Prostata- und Brustkrebs voraus und erfordert regelmäßige Kontrollen von Testosteron, Hämatokrit und PSA. Die Erstdiagnose mit Blutabnahme und körperlicher Untersuchung ist online nicht möglich.
Was Testosteron im Körper macht und wie sich der Spiegel verändert
Testosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon. Es wird überwiegend in den Hoden gebildet, steuert die männlichen Geschlechtsmerkmale, beeinflusst Spermienbildung und sexuelles Verlangen und unterstützt den Aufbau von Muskeln und Knochen. Der Spiegel schwankt im Tagesverlauf und ist morgens am höchsten. Ab etwa dem 40. Lebensjahr sinkt er nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie um etwa ein bis zwei Prozent pro Jahr; dieser allmähliche Rückgang ist eine natürliche Anpassung und keine Erkrankung.
Von einem Hypogonadismus spricht man, wenn Beschwerden mit einem im Labor nachgewiesenen Mangel zusammentreffen. Beim primären Hypogonadismus liegt die Störung in den Hoden selbst, beim sekundären Hypogonadismus in der Steuerung durch Hypophyse und Hypothalamus. Beide Formen machen nach einem Beitrag in der Zeitschrift der Arzneimittelkommission höchstens fünf Prozent der Fälle aus. Weit häufiger ist der funktionelle Hypogonadismus als Folge von starkem Übergewicht, chronischen Erkrankungen oder Medikamenten wie Opioiden und Glukokortikoiden.
Testosteronmangel: Symptome, die auf einen Mangel hinweisen können
Vergleichsweise typisch sind nach der europäischen Leitlinie der Urologen verminderte Libido, Erektionsstörungen, ausbleibende morgendliche Erektionen, gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit und Müdigkeit. Weniger spezifisch sind Hitzewallungen, Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme. Körperlich können ein Rückgang der Muskelmasse bei Zunahme des Bauchfetts, eine Abnahme der Knochendichte, eine Blutarmut und eine Vergrößerung des Brustdrüsengewebes auffallen.
Keines dieser Zeichen beweist einen Mangel. Depressionen, Schlafmangel, Adipositas, Diabetes und viele Medikamente verursachen ähnliche Beschwerden bei normalem Hormonspiegel. Symptom-Fragebögen aus dem Internet eignen sich deshalb nicht zur Diagnose.
Der Bluttest: So wird ein Testosteronmangel festgestellt
Zeitpunkt und Wiederholung
Ein einzelner niedriger Wert reicht nicht aus. Nach den Leitlinien wird das Blut morgens zwischen etwa 7 und 10 Uhr nüchtern abgenommen und die Messung an einem anderen Tag wiederholt. Die Fachinformation eines Testosteron-Gels verlangt zwei getrennte Bestimmungen im selben Labor, weil sich die Messverfahren unterscheiden.
Grenzwerte und weitere Laborwerte
Als Orientierung gilt ein Gesamttestosteron von 12 nmol/l (3,5 ng/ml). Liegt der Wert darüber, ist weitere Diagnostik meist nicht nötig. Zweimal gemessene Werte unter 8 nmol/l (2,3 ng/ml) belegen einen Mangel. Im Graubereich dazwischen hilft das freie Testosteron, das aus Gesamttestosteron, dem Bindungseiweiß SHBG und Albumin berechnet wird. Zur Abklärung der Ursache gehören die Hypophysenhormone LH und Prolaktin, bei Bedarf FSH. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie warnt, dass ein Testosteronersatz ohne Ursachenabklärung Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse verschleiern kann.
Was den Wert beeinflusst
Stress, Adipositas, Alkohol, Drogen, akute Erkrankungen und bestimmte Medikamente drücken den Spiegel. Bei Übergewicht steht die Gewichtsabnahme an erster Stelle; sie hebt das körpereigene Testosteron an, nach der europäischen Leitlinie allerdings meist nur geringfügig. Die Leitlinien empfehlen deshalb, zuerst Übergewicht, Begleiterkrankungen und auslösende Medikamente zu behandeln.
Wann eine Testosterontherapie infrage kommt
Nach einer Überprüfung aller testosteronhaltigen Arzneimittel durch die Europäische Arzneimittel-Agentur wurde 2014 festgelegt, dass sie nur bei einem durch Beschwerden und Laborwerte bestätigten Mangel angewendet werden dürfen. Der altersbedingte Rückgang bei gesunden Männern ist keine Indikation. Beim primären und sekundären Hypogonadismus ist die Behandlung in der Regel lebenslang angezeigt, sofern keine Gegenanzeigen vorliegen. Beim funktionellen Hypogonadismus empfiehlt der oben genannte Fachbeitrag nach Behandlung der Ursachen einen befristeten Therapieversuch über sechs bis zwölf Monate, der beendet wird, wenn sich die Beschwerden nicht bessern.
Zur Verfügung stehen Injektionen in den Muskel und Testosteron-Gel, das täglich auf die in der Fachinformation genannten Hautstellen aufgetragen wird, je nach Präparat etwa Schultern und Oberarme. Für einen Therapieversuch werden Gele bevorzugt, weil Spritzen meist die körpereigene Hormonsteuerung unterdrücken und nach dem Absetzen vorübergehend einen Mangel auslösen können. Die Dosis wird anhand von Blutwerten angepasst; den Zeitpunkt der Blutabnahme legt die Fachinformation des jeweiligen Präparats fest. Testosteron ist verschreibungspflichtig; ob es verordnet wird, entscheidet die ärztliche Prüfung im Einzelfall, und maßgeblich sind die Fachinformation und die Packungsbeilage des verordneten Präparats.
Gegenanzeigen und Vorsicht
Testosteron darf nicht angewendet werden bei bekanntem oder vermutetem Prostatakarzinom oder Brustkrebs. Vor Beginn muss ein Prostatakarzinom durch Tastuntersuchung und PSA-Wert ausgeschlossen werden. Die europäische Leitlinie nennt außerdem einen Hämatokrit von 54 Prozent oder mehr, eine nicht eingestellte Herzinsuffizienz und einen aktuellen Kinderwunsch als Ausschlussgründe, weil zugeführtes Testosteron die eigene Spermienbildung unterdrücken kann. Vorsicht gilt bei schwerer Herz-, Leber- oder Niereninsuffizienz, koronarer Herzkrankheit, Bluthochdruck, Thromboseneigung, Schlafapnoe, Epilepsie, Migräne und Diabetes. Für Frauen ist Testosteron-Gel nicht bestimmt, für Jugendliche unter 18 Jahren sind Sicherheit und Wirksamkeit nicht belegt.
Nebenwirkungen und Warnzeichen
Am häufigsten sind Hautreaktionen an der Auftragestelle, Angstgefühle und Schwächegefühl. Häufig steigen Hämoglobin, Hämatokrit und Blutdruck; auch Gewichtszunahme und Stimmungsschwankungen kommen vor. Reizbarkeit, Nervosität und ungewöhnlich lange oder häufige Erektionen können auf eine zu hohe Dosis hinweisen. Eine anhaltende, schmerzhafte Erektion (Priapismus) erfordert sofort ärztliche Hilfe. Beinschwellungen, Atemnot, Schmerzen in einer Wade oder plötzlicher Brustschmerz sind Warnzeichen für Ödeme, Herzinsuffizienz oder eine Thrombose und erfordern sofort ärztliche Abklärung.
Testosteron-Gel kann durch Hautkontakt auf andere Menschen übergehen. Bei Frauen drohen vermehrte Behaarung, tiefere Stimme und Zyklusstörungen, bei Kindern eine vorzeitige Pubertät. Nach dem Auftragen müssen die Hände gewaschen und die Stelle bedeckt werden; vor engem Körperkontakt ist die Stelle zu waschen. Schwangere müssen jeden Kontakt mit behandelten Hautflächen vermeiden.
Kontrollen während der Behandlung
Die Leitlinie sieht Kontrollen von Testosteron und Hämatokrit nach drei, sechs und zwölf Monaten vor, des PSA-Werts nach drei und zwölf Monaten, danach jährlich. Die Fachinformation verlangt mindestens einmal jährlich, bei älteren Patienten und Risikopatienten zweimal, eine Untersuchung von Prostata und Brust, dazu regelmäßig Blutbild, Leberwerte und Blutfette. Steigt der PSA-Wert über 4 ng/ml oder um mehr als 1,4 ng/ml im Jahr, ist eine urologische Abklärung nötig; steigt der Hämatokrit über 54 Prozent, wird die Dosis verringert oder die Behandlung unterbrochen. Die EMA fand keine einheitlichen Belege für ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko bei nachgewiesenem Hypogonadismus. Warum Kontrollen und Folgerezepte zusammengehören, erklärt unser Beitrag zur ärztlichen Begleitung bei einer laufenden Behandlung.
Was online möglich ist und was nicht
Eine Online-Behandlung ersetzt die Erstdiagnose nicht. Blutabnahme, Tastuntersuchung der Prostata und Ursachenabklärung finden in einer Praxis statt. Bei Doctorcura kommt eine Anfrage nur infrage, wenn der Mangel bereits durch zwei getrennte morgendliche Blutwerte belegt ist und Prostata- und Brustkrebs ausgeschlossen wurden. Die Ärztin oder der Arzt prüft Fragebogen und Befunde und lehnt die Verordnung ab, wenn Angaben fehlen oder Gegenanzeigen bestehen. Die Kontrollen von PSA und Blutbild müssen weiterhin vor Ort erfolgen. Wie die Prüfung abläuft, beschreibt unser Beitrag zur Online-Rezeptprüfung. Wer die Kosten trägt, hängt von der Verordnung ab; bei einer Online-Behandlung mit Privatrezept zahlen Sie ärztliche Prüfung und Arzneimittel selbst.
Häufige Fragen
Reicht ein einzelner niedriger Testosteronwert für die Diagnose?
Nein. Der Wert schwankt im Tagesverlauf und von Tag zu Tag. Die Fachinformation verlangt zwei getrennte Bestimmungen im selben Labor, die Leitlinien zusätzlich eine Blutabnahme morgens und nüchtern; hinzukommen müssen passende Beschwerden.
Kann ich meinen Testosteronwert selbst bestimmen lassen?
Grundsätzlich ja, doch ein Laborwert ohne ärztliche Einordnung sagt wenig aus. Entscheidend sind Zeitpunkt, Wiederholung, SHBG und Hypophysenhormone sowie die Frage, ob Übergewicht oder ein Medikament dahintersteckt. Sprechen Sie Ihre Beschwerden in einer Praxis an.
Hilft Testosteron auch bei normalem Wert gegen Müdigkeit oder zum Muskelaufbau?
Nein. Testosteronpräparate sind nur für den nachgewiesenen Mangel zugelassen. Bei normalem Wert überwiegen die Risiken, etwa eine übermäßige Blutbildung mit Thrombosegefahr und die Unterdrückung der eigenen Hormonproduktion; zudem können Dopingkontrollen positiv ausfallen.
Kann ich unter Testosteron-Gel Kinder zeugen?
Zugeführtes Testosteron kann die körpereigene Spermienbildung unterdrücken, in der Regel umkehrbar. Ein aktueller Kinderwunsch gilt deshalb als Ausschlussgrund. Besprechen Sie ihn vor Beginn mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt.
Quellen
- Fachinformation Testosteron 16,2 mg/g transdermales Gel, Stand November 2024. fachinfo.de
- European Medicines Agency: No consistent evidence of an increased risk of heart problems with testosterone medicines, 21. November 2014. ema.europa.eu
- European Association of Urology: Guidelines on Sexual and Reproductive Health, Kapitel Male Hypogonadism. uroweb.org
- Diederich S: Differenzialdiagnostik und -therapie des männlichen Hypogonadismus. Arzneiverordnung in der Praxis 1/2021, Zeitschrift der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. akdae.de
- Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie: Testosteronmangel, nur wenige Männer sind tatsächlich therapiebedürftig. Pressemitteilung vom 18. September 2023. endokrinologie.net
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Testosteron. gesundheitsinformation.de, Stand 20. März 2025. gesundheitsinformation.de
Ob eine Testosterontherapie für Sie infrage kommt, entscheidet die ärztliche Prüfung anhand Ihrer Laborwerte und Vorgeschichte. Mehr zum Behandlungsbereich und Ablauf lesen Sie hier.
Testosteronmangel · Online-Rezeptprüfung · Ärztliche Begleitung
Passende Präparate
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