Fachlich geprüft vom medizinischen Team von Doctorcura am 26. September 2026, Stand: 24. September 2026 · So entstehen unsere Inhalte
Hitzewallungen, Schweißausbrüche und gestörter Schlaf belasten viele Frauen in der Lebensmitte. Eine Hormonersatztherapie kann diese Beschwerden der Wechseljahre deutlich lindern, sie hat aber Risiken, die von Hormonen, Darreichungsform und Anwendungsdauer abhängen. Dieser Beitrag fasst zusammen, was die ärztliche Leitlinie, das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und Behörden dazu sagen und was online möglich ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei belastenden Hitzewallungen und Schweißausbrüchen ist eine Hormontherapie nach dem IQWiG derzeit die wirksamste Behandlung. Die S3-Leitlinie empfiehlt, sie nach Aufklärung über kurz- und langfristige Nutzen und Risiken anzubieten.
- Frauen mit Gebärmutter brauchen zusätzlich zum Östrogen ein Gestagen, an mindestens 12 bis 14 Tagen pro Monat oder durchgehend. Es gleicht das durch Östrogen erhöhte Risiko für Wucherungen und Krebs der Gebärmutterschleimhaut weitgehend aus.
- Östrogen über die Haut (Pflaster, Gel, Spray) erhöht das Thromboserisiko weniger als Tabletten. Das Brustkrebsrisiko steigt mit der Dauer und kann nach mehr als fünf Jahren Anwendung noch zehn Jahre oder länger erhöht bleiben.
- Vor Beginn sind Anamnese und körperliche Untersuchung vorgesehen, Nutzen und Risiken sollen mindestens jährlich neu bewertet werden. Nach Brustkrebs, bei Thrombosen oder ungeklärten Blutungen kommt die Therapie in der Regel nicht infrage.
Was in den Wechseljahren geschieht
In den Wechseljahren stellen die Eierstöcke ihre Hormonproduktion nach und nach ein, bis die Regelblutung ausbleibt. In Deutschland liegt das mittlere Alter der Menopause nach Daten des Robert Koch-Instituts bei knapp 50 Jahren. Nach Angaben der Deutschen Menopause Gesellschaft leidet ein Drittel bis die Hälfte der Frauen unter ausgeprägten Beschwerden. Hitzewallungen lassen meistens nach etwa vier bis fünf Jahren von selbst nach.
Wann eine Hormonersatztherapie bei Beschwerden der Wechseljahre infrage kommt
Die S3-Leitlinie “Peri- und Postmenopause” von 2020, deren Gültigkeit Ende 2024 abgelaufen ist und die derzeit überarbeitet wird, empfiehlt mit dem höchsten Empfehlungsgrad, Frauen mit Hitzewallungen und Schweißausbrüchen nach Aufklärung über Nutzen und Risiken bis zu fünf Jahren und darüber hinaus eine Hormontherapie anzubieten. Nach den vom IQWiG zusammengefassten Studien hatten ohne Hormone nach der Behandlungsphase noch 66 von 100 Frauen Hitzewallungen, mit Östrogen oder einer Östrogen-Gestagen-Kombination nur 20 von 100.
Für Scheidentrockenheit oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr empfiehlt die Leitlinie Befeuchtungs- und Gleitmittel, allein oder zusammen mit einem vaginalen Östrogen. Zur Vorbeugung der koronaren Herzkrankheit ist eine Hormontherapie ungeeignet. Zur Osteoporosevorbeugung wird sie nur erwogen, wenn zugleich Wechseljahresbeschwerden bestehen oder andere Mittel nicht infrage kommen.
Darreichungsformen im Überblick
Östrogen: Tabletten, Pflaster, Gel oder Spray
Der Wirkstoff ist in der Regel Estradiol, in Tabletten auch Estradiolvalerat. Tabletten werden einmal täglich eingenommen. Pflaster werden je nach Präparat ein- oder zweimal pro Woche gewechselt und laut Fachinformation nie auf oder nahe der Brust aufgeklebt. Gel und Spray werden täglich auf die Haut aufgetragen. Nach der Leitlinie ist das Thromboserisiko bei Tabletten höher als bei Anwendung über die Haut; Tabletten mit Östrogen und Gestagen erhöhen möglicherweise das Schlaganfallrisiko, Östrogen über die Haut dagegen nicht. Nach der Deutschen Menopause Gesellschaft vermeidet Estradiol über die Haut in üblicher Dosis das bei Tabletten erhöhte Thrombose- und Schlaganfallrisiko; das ist vor allem bei Frauen mit entsprechenden Risiken wichtig.
Gestagen zum Schutz der Gebärmutterschleimhaut
Östrogen allein regt die Gebärmutterschleimhaut zum Wachstum an; nach der Fachinformation steigt das Risiko für ein Endometriumkarzinom unter einer Östrogen-Monotherapie je nach Dosis und Dauer um das Zwei- bis Zwölffache. Eine reine systemische Östrogentherapie ist deshalb nur nach Entfernung der Gebärmutter vorgesehen. Alle anderen Frauen erhalten zusätzlich ein Gestagen, nach den Fachinformationen an 12 bis 14 Tagen pro Zyklus oder als durchgehende Kombination. Eine Möglichkeit ist Progesteron; die Fachinformation nennt für die Zusatztherapie 200 mg als Einzeldosis abends vor dem Schlafengehen an mindestens 12 bis 14 Tagen pro Monat. Nach der Leitlinie kann auch eine Kombinationstherapie je nach Dauer, Art und Dosis des Gestagens das Risiko für ein Endometriumkarzinom erhöhen, auch mit Progesteron.
Vaginale Östrogene
Niedrig dosierte Östrogene als Creme, Gel, Tablette, Zäpfchen oder Ring wirken örtlich in der Scheide und können nach der Leitlinie so lange angewendet werden wie erforderlich. Ein zusätzliches Gestagen ist dabei in der Regel nicht nötig. Nach der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) gibt es bei Frauen ohne Brustkrebs in der Vorgeschichte keinen Beleg für ein erhöhtes Brustkrebsrisiko durch diese Präparate.
Risiken und Warnzeichen
Brustkrebs
Nach einer Empfehlung des europäischen Pharmakovigilanzausschusses wurden 2020 die Produktinformationen angepasst, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte mitteilt: Das erhöhte Brustkrebsrisiko wird nach etwa drei Jahren Anwendung deutlich, nimmt nach dem Absetzen mit der Zeit ab und kann nach mehr als fünf Jahren Anwendung zehn Jahre oder länger bestehen bleiben. In absoluten Zahlen der EMA: Von 1000 Frauen ohne Hormontherapie erkranken zwischen 50 und 59 Jahren etwa 27 innerhalb von zehn Jahren an Brustkrebs, bei zehnjähriger Östrogen-Monotherapie etwa 34, bei zehnjähriger Kombinationstherapie etwa 48. Nach Brustkrebs soll keine Hormontherapie erfolgen.
Thrombose, Schlaganfall und weitere Risiken
Nach der Fachinformation ist eine Hormonersatztherapie mit einem 1,3- bis 3-fach erhöhten Risiko für venöse Thromboembolien verbunden, vor allem im ersten Behandlungsjahr. Nach dem IQWiG erlitten bei achtjähriger Östrogen-Gestagen-Behandlung 25 statt 15 von 1000 Frauen eine Thromboembolie, 19 statt 14 einen Schlaganfall. Die Fachinformation führt außerdem ein erhöhtes Risiko für Gallenblasenerkrankungen, für Eierstockkrebs bei Langzeitanwendung sowie für eine wahrscheinliche Demenz bei Frauen auf, die die Therapie nach dem 65. Lebensjahr beginnen.
Gegenanzeigen und Gründe zum Absetzen
Nach der Fachinformation darf eine Östrogentherapie nicht angewendet werden bei bestehendem oder früherem Brustkrebs oder einem entsprechenden Verdacht, bei östrogenabhängigen Tumoren wie dem Endometriumkarzinom, bei nicht abgeklärten Blutungen aus der Scheide, bei unbehandelter Wucherung der Gebärmutterschleimhaut, bei früheren oder bestehenden venösen Thromboembolien, bei bekannter erhöhter Gerinnungsneigung, bei bestehender oder kurz zurückliegender Angina pectoris oder Herzinfarkt, bei Lebererkrankungen, solange die Leberwerte nicht normal sind, und bei Porphyrie, einer seltenen Stoffwechselkrankheit. Engmaschig überwacht werden sollen unter anderem Frauen mit Bluthochdruck, Diabetes, Gallensteinen, Migräne oder Brustkrebs bei Verwandten ersten Grades.
Die Therapie ist sofort abzubrechen bei Gelbsucht, deutlichem Blutdruckanstieg, erstmals auftretenden migräneartigen Kopfschmerzen und bei einer Schwangerschaft. Ärztliche Hilfe brauchen Sie bei einer schmerzhaften Schwellung eines Beins, plötzlichem Brustschmerz oder Atemnot, bei Veränderungen der Brust und bei Blutungen, die erst später im Verlauf der Behandlung auftreten. In Schwangerschaft und Stillzeit ist eine Hormonersatztherapie nicht vorgesehen; sie verhütet auch nicht, und in der Perimenopause ist eine Schwangerschaft noch möglich. Für Kinder und Jugendliche gibt es keine Anwendung.
Dauer und Kontrollen
Fachinformation und Behörden verlangen die niedrigste wirksame Dosis für die kürzest mögliche Dauer und eine Abwägung von Nutzen und Risiken mindestens einmal im Jahr. Eine feste Höchstdauer gibt es nicht. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen einschließlich der Brustkrebsfrüherkennung gehören dazu. Nach dem Absetzen kehren die Beschwerden häufig zurück: In einer großen Studie hatte nach durchschnittlich sechs Jahren Einnahme mehr als die Hälfte der Frauen erneut Hitzewallungen.
Was bei einer Online-Anfrage möglich ist
Bei Doctorcura füllen Sie einen medizinischen Fragebogen aus, den eine zugelassene Ärztin oder ein zugelassener Arzt prüft; bei einer Verordnung liefert die Partnerapotheke. Wichtig ist, was online nicht geht: Die Fachinformationen sehen vor Beginn einer Hormonersatztherapie eine vollständige Eigen- und Familienanamnese sowie eine körperliche Untersuchung einschließlich Unterleib und Brust vor. Diese Untersuchung, eine Mammographie oder die Abklärung von Blutungen kann eine Online-Konsultation nicht ersetzen. Eine Anfrage passt daher vor allem, wenn die gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen aktuell sind, etwa bei der Fortführung einer bereits vertragenen Therapie. Ob ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel infrage kommt, entscheidet die ärztliche Prüfung; es gelten die Fachinformation und die Packungsbeilage. Die Ärztin oder der Arzt kann die Anfrage ablehnen und an eine Praxis verweisen. Wird nichts verordnet, fallen keine Kosten an; eine verordnete Behandlung bezahlen Sie selbst. Ob eine private Krankenversicherung erstattet, hängt vom Tarif ab.
Häufige Fragen
Brauche ich vor einer Hormontherapie eine Hormonbestimmung im Blut?
Bei Frauen über 45 Jahren nicht. Die S3-Leitlinie empfiehlt, die Wechseljahre anhand der Beschwerden und des Zyklus festzustellen. Eine Hormonbestimmung kommt vor allem bei Frauen zwischen 40 und 45 Jahren mit Beschwerden in Betracht.
Ist Östrogen über die Haut sicherer als Tabletten?
Nach der Leitlinie ist das Risiko für Thrombosen bei Pflaster, Gel und Spray geringer als bei Tabletten, für Schlaganfälle wahrscheinlich ebenfalls; ganz ohne Risiko ist auch diese Form nicht. Für das Brustkrebsrisiko gilt das nicht; es hängt von der Zusammensetzung und der Dauer der Therapie ab.
Wie lange darf ich Hormone anwenden?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Vorgeschrieben sind die niedrigste wirksame Dosis, die kürzest mögliche Dauer und eine Neubewertung mindestens einmal im Jahr, weil das Brustkrebsrisiko mit der Dauer steigt.
Kann ich nach einer Brustkrebserkrankung Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden nehmen?
Nach der Leitlinie soll nach einem Mammakarzinom keine Hormontherapie erfolgen; nur im Einzelfall kann sie nach Versagen nichthormonaler Behandlungen erwogen werden. Ob niedrig dosierte vaginale Östrogene ein Wiederauftreten fördern, ist nicht bekannt.
Quellen
- DGGG, OEGGG, SGGG: S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause, Diagnostik und Interventionen. AWMF-Registernummer 015-062, Langfassung Version 1.1 (Januar 2020 inkl. Addendum September 2020; gültig bis 31.12.2024, Überarbeitung als Konsultationsfassung Juni 2026). register.awmf.org
- DGGG, OEGGG, SGGG: Leitlinie Peri- und Postmenopause, Diagnostik und Interventionen, Kurzfassung 2026, Konsultationsfassung (Entwurf, Juni 2026). register.awmf.org
- AWMF-Leitlinienregister: Eintrag 015-062 mit aktuellem Bearbeitungsstand. register.awmf.org
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Hormontherapie gegen Wechseljahrsbeschwerden. gesundheitsinformation.de
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Wechseljahrsbeschwerden. gesundheitsinformation.de
- BfArM: Hormonersatztherapie, PRAC schließt die Überprüfung neuer Informationen über das bekannte Brustkrebsrisiko ab (15.05.2020). bfarm.de
- EMA: New product information wording, PRAC recommendations on signals, May 2020, Abschnitt Hormone replacement therapy. ema.europa.eu
- Fachinformation Estradiol 25 bzw. 50 Mikrogramm/24 Stunden, transdermales Pflaster (Stand April 2025). fachinfo.de
- Fachinformation Progesteron 100 mg und 200 mg Weichkapseln (Stand Januar 2023). fachinfo.de
- Robert Koch-Institut: Gesundheitliche Lage der Frauen in Deutschland 2020, Kapitel 7.1.2 Menstruation und Wechseljahre. rki.de
- Berufsverband der Frauenärzte: Deutsche Menopause Gesellschaft empfiehlt individuelle Aufklärung und Beratung rund um Hormonersatztherapie (18.10.2024). frauenaerzte-im-netz.de
Welche Behandlungen bei Wechseljahresbeschwerden über Doctorcura angefragt werden können, wann eine digitale Anfrage passt und warum Folgerezepte eine aktuelle ärztliche Bewertung brauchen, lesen Sie hier.
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