Fachlich geprüft vom medizinischen Team von Doctorcura am 26. September 2026, Stand: 24. September 2026 · So entstehen unsere Inhalte
Ob Sie für eine Fernreise Tabletten gegen Malaria brauchen, hängt vor allem vom Reiseziel ab. Für große Teile Afrikas ist eine Malaria-Prophylaxe mit Tabletten empfohlen, in vielen Urlaubsregionen Asiens und Lateinamerikas reicht konsequenter Mückenschutz. Dieser Beitrag erklärt nach den aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG), wie das Reiseland die Wahl bestimmt und welche Wirkstoffe infrage kommen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Vorbeugung beruht auf Mückenschutz, vorbeugenden Tabletten (Chemoprophylaxe) und in Ausnahmefällen einem Notfallmedikament zur Selbstbehandlung.
- Tabletten empfiehlt die DTG vor allem für Gebiete mit hohem Malariarisiko. Bei mittlerem oder geringem Risiko steht der Mückenschutz im Vordergrund.
- Eingesetzt werden Atovaquon/Proguanil, Doxycyclin (in Deutschland zulassungsüberschreitend) und Mefloquin. Chloroquin wirkt wegen Resistenzen nur noch in wenigen Regionen.
- Keine Prophylaxe schützt vollständig. Fieber während oder nach der Reise muss umgehend abgeklärt werden, auch Monate später.
Drei Bausteine der Vorbeugung
Malaria wird durch Parasiten der Gattung Plasmodium verursacht und von Anopheles-Mücken übertragen. Die gefährlichste Form, die Malaria tropica, verläuft unbehandelt bei Menschen ohne Teilimmunität laut Robert Koch-Institut in bis zu 20 Prozent der Fälle tödlich. Die DTG unterscheidet Mückenschutz (Expositionsprophylaxe), vorbeugende Tabletten (Chemoprophylaxe) und, nur für bestimmte Reisende, eine notfallmäßige Selbstbehandlung. Mückenschutz gehört zu jeder Reise in ein Malariagebiet: Mittel mit 30 bis 50 Prozent DEET oder mindestens 20 Prozent Icaridin, helle lange Kleidung, imprägnierte Moskitonetze und mückensichere Räume, wegen Dengue auch tagsüber.
Wie das Reiseland die Empfehlung bestimmt
Die DTG ordnet in einer jährlich aktualisierten Ländertabelle jede Region einer Risikostufe zu. Die folgenden Beispiele entsprechen dem Stand Juni 2026; prüfen Sie vor jeder Reise die aktuelle Fassung.
Hohes Risiko: Tabletten empfohlen
Hier empfiehlt die DTG eine Chemoprophylaxe zusätzlich zum Mückenschutz. Dazu gehören etwa Ghana, Nigeria, Uganda und Mosambik landesweit einschließlich der Städte, Kenia (außer dem Stadtzentrum Nairobis) und Tansania bis 2500 Meter Höhe, in Tansania auch Sansibar, sowie große Teile Madagaskars. Außerhalb Afrikas zählen zum Beispiel Teile des Amazonasbeckens in Brasilien, das Departement Loreto in Peru und West-Papua in Indonesien dazu.
Saisonales Risiko
Für den Kruger-Nationalpark und benachbarte Gebiete in Südafrika empfiehlt die DTG Tabletten von September bis Mai, in den übrigen Monaten Mückenschutz und gegebenenfalls ein Notfallmedikament. Ähnliche saisonale Regeln gelten für Teile Namibias, Botsuanas und Simbabwes.
Mittleres und geringes Risiko: Mückenschutz im Vordergrund
Bei mittlerem Risiko, etwa im Grenzgebiet Thailands zu Myanmar, empfiehlt die DTG in der Regel keine Tabletten. Eine Notfallselbstbehandlung, also die dreitägige Einnahme eines Malariamedikaments in Behandlungsdosis, kommt nur infrage, wenn eine Einrichtung mit Malariadiagnostik mehr als 48 Stunden entfernt ist. Geringes Risiko besteht laut Ländertabelle etwa auf Phuket und Koh Samui, in ganz Vietnam, auf Bali und Java, in Neu-Delhi, Mumbai und Rajasthan sowie in den Touristenorten der Dominikanischen Republik. Bangkok gilt als malariafrei.
Welche Tabletten zur Malaria-Prophylaxe infrage kommen
Alle Tabletten zur Malaria-Prophylaxe sind verschreibungspflichtig. Ob eine Prophylaxe für Sie infrage kommt und mit welchem Wirkstoff, entscheidet die ärztliche Prüfung; maßgeblich sind die Fachinformation und die Packungsbeilage.
Atovaquon/Proguanil
Laut Fachinformation nehmen Erwachsene und Jugendliche ab 40 kg einmal täglich eine Tablette mit 250 mg/100 mg zu einer Mahlzeit oder einem Milchgetränk ein, beginnend 24 bis 48 Stunden vor der Einreise und bis 7 Tage nach Verlassen des Gebiets. Wegen des kurzen Vorlaufs eignet sich die Kombination laut DTG auch für kurzfristige Reisen. Bei schwerer Nierenfunktionsstörung ist sie zur Vorbeugung kontraindiziert. Wechselwirkungen bestehen unter anderem mit Rifampicin, Metoclopramid, bestimmten HIV-Medikamenten und Gerinnungshemmern vom Cumarin-Typ. Mehr dazu im Beitrag Atovaquon/Proguanil: Nebenwirkungen und Warnzeichen.
Doxycyclin
Doxycyclin wird unter anderem von der WHO empfohlen, ist in Deutschland für die Malariavorbeugung aber nicht zugelassen, worüber die Ärztin oder der Arzt aufklärt. Laut DTG beginnt die Einnahme 1 bis 2 Tage vor Ankunft und endet 4 Wochen nach Verlassen des Gebiets, mit reichlich Flüssigkeit und nicht zusammen mit Milchprodukten. Weil es die Haut lichtempfindlich macht, ist es für einen Badeurlaub nicht das Mittel der Wahl. Für Kinder unter 8 Jahren ist es nicht geeignet, in Schwangerschaft und Stillzeit gelten Gegenanzeigen oder enge Grenzen. Siehe auch Doxycyclin: Nebenwirkungen und Sonnenschutz.
Mefloquin
Mefloquin wird einmal wöchentlich eingenommen, laut DTG ab einer Woche vor bis 4 Wochen nach dem Aufenthalt, bei erstmaliger Anwendung möglichst schon 2 bis 3 Wochen vor der Abreise. Es kann Albträume, Angst, Depression und selten Psychosen oder Krampfanfälle auslösen, die auch nach dem Absetzen anhalten können. Bei solchen Beschwerden ist Mefloquin sofort abzusetzen und ärztlicher Rat einzuholen. Laut Rote-Hand-Brief ist es zur Vorbeugung kontraindiziert, wenn jemals eine Depression, Angststörung, Psychose, Suizidgedanken, eine andere psychische Erkrankung oder Krampfanfälle bestanden haben, ebenso bei schwerer Leberfunktionsstörung; vorgesehen sind eine Checkliste und ein Patientenpass. In Deutschland ist es derzeit nicht im Handel, in anderen EU-Ländern aber zugelassen. Für Hochrisikogebiete in Laos und Myanmar rät die DTG wegen Resistenzen davon ab.
Chloroquin
Die Fachinformation schätzt den Anteil chloroquinresistenter Erreger der Malaria tropica auf rund 80 Prozent. Die US-Gesundheitsbehörde CDC nennt Chloroquin deshalb nur für Gebiete ohne Resistenz, etwa die Karibik und Mittelamerika westlich des Panamakanals; in der DTG-Ländertabelle wird es nicht als Option genannt. Gegenanzeigen sind unter anderem Netzhauterkrankungen, Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel und Myasthenia gravis. Chloroquin kann das QT-Intervall verlängern, eine Überdosierung ist lebensgefährlich.
Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder
Eine Malaria verläuft in der Schwangerschaft häufiger schwer. Die DTG rät Schwangeren deshalb von Reisen in Malariagebiete ab; ist die Reise unvermeidbar, empfiehlt sie auch bei mittlerem Risiko eine Chemoprophylaxe. Mefloquin ist ab dem ersten Schwangerschaftsdrittel einsetzbar, Atovaquon/Proguanil nur nach strenger Abwägung, Doxycyclin ab der 16. Schwangerschaftswoche kontraindiziert. Für keines davon ist die Unbedenklichkeit für das Ungeborene gesichert; die DTG verlangt stets eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung. Stillende sollen Atovaquon/Proguanil laut Fachinformation nicht einnehmen, und gestillte Säuglinge brauchen eine eigene Prophylaxe. Von Urlaubsreisen mit Kindern unter 5 Jahren in Hochrisikogebiete rät die DTG ab.
Fieber während oder nach der Reise
Die Inkubationszeit beträgt mindestens 6 bis 7 Tage. Jedes unklare Fieber ab dem siebten Tag nach Ankunft und bis Monate nach der Rückkehr gilt als malariaverdächtig und muss mit einer Blutuntersuchung abgeklärt werden, laut AWMF-Leitlinie mit Ergebnis möglichst innerhalb einer Stunde. Nennen Sie der Praxis immer Ihre Reise, auch wenn Sie Tabletten eingenommen haben. Wählen Sie den Notruf 112 bei Verwirrtheit, Krampfanfällen, Atemnot, Kreislaufschwäche, Blutungen, dunklem Urin oder ausgeprägter Schwäche; die Leitlinie nennt diese Zeichen als Hinweise auf eine komplizierte Malaria.
Was online möglich ist und was nicht
Bei Erwachsenen kann eine Online-Anfrage die Verordnung vorbereiten: Die Ärztin oder der Arzt prüft Reiseziel, Reisedauer, Vorerkrankungen und Medikamente anhand des Fragebogens und kann eine Verordnung ablehnen. Nicht online möglich sind die Abklärung von Fieber nach einer Reise, Blutuntersuchungen und Reiseimpfungen. Für Schwangere, kleine Kinder, Langzeitreisende, Menschen, die Familie im Herkunftsland besuchen, Reisende über 65 Jahre und Menschen mit Immunschwäche empfiehlt die DTG eine tropenmedizinische Beratung.
Kosten
Einige gesetzliche Krankenkassen erstatten die Malaria-Prophylaxe als freiwillige Satzungsleistung ganz oder anteilig, oft nur, wenn für das Reiseland eine Prophylaxe empfohlen ist; meist zahlen Sie zunächst selbst und reichen Rezept und Rechnung ein. Bei beruflichen Auslandsaufenthalten müssen laut DTG Arbeitgeber die Kosten übernehmen.
Häufige Fragen
Brauche ich für Thailand oder Bali Malariatabletten?
Für die meisten Urlaubsgebiete nicht. Phuket, Koh Samui, Bali und Java haben laut DTG ein geringes Risiko, Bangkok gilt als malariafrei; empfohlen ist Mückenschutz. Für Grenzregionen und abgelegene Gebiete kann das anders aussehen.
Warum muss ich die Tabletten nach der Reise weiter einnehmen?
Erreger, die kurz vor der Abreise übertragen wurden, entwickeln sich zunächst in der Leber und gelangen erst später ins Blut. Deshalb läuft die Einnahme bei Atovaquon/Proguanil 7 Tage, bei Doxycyclin und Mefloquin 4 Wochen weiter.
Schützen die Tabletten auch vor Malaria tertiana?
Nur eingeschränkt. Ruhende Leberformen von Plasmodium vivax und ovale verhindert keines der in Deutschland verwendeten Prophylaxemittel. Eine Malaria tertiana kann daher noch Wochen bis Monate nach Ende der Einnahme auftreten.
Kann ich Malariatabletten im Reiseland kaufen?
Die DTG rät davon ab, weil dort viele gefälschte oder minderwertige Arzneimittel im Umlauf sind. Präparate mit Artemisinin und Artemisia-Tees sind zur Vorbeugung nicht geeignet.
Quellen
- Rothe C et al. (DTG): Empfehlungen zur Malariaprävention für Reisende. Flug u Reisemed 2026; 33: 165 bis 203. dtg.org
- DTG: Malaria, Länderinformationen. dtg.org
- AWMF-Leitlinie 042-001 Diagnostik und Therapie der Malaria, Version 2025. register.awmf.org
- Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Malaria. rki.de
- Fachinformation Atovaquon/Proguanilhydrochlorid 250 mg/100 mg, Stand September 2026. fachinfo.de
- Rote-Hand-Brief zu Mefloquin, September 2013. akdae.de
- Fachinformation Chloroquinphosphat 250 mg (Österreich), Stand Oktober 2018. pharmazie.com
- CDC Yellow Book: Malaria. cdc.gov
- AOK Sachsen-Anhalt: Reiseschutz und Malariaprophylaxe. deine-gesundheitswelt.de
- krankenkassen.de: Malaria-Prophylaxe, Kostenübernahme. krankenkassen.de
Welche Wirkstoffe zur Malaria-Prophylaxe ärztlich geprüft werden und welche Nebenwirkungen Sie kennen sollten, lesen Sie auf unseren weiteren Seiten.
Malaria-Prophylaxe für Ihre Reise · Atovaquon/Proguanil: Nebenwirkungen · Doxycyclin: Nebenwirkungen
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