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Ratgeber

Vareniclin oder Bupropion? Medikamente zum Rauchstopp im Vergleich mit Cytisin

Hand hält eine zerbrochene Zigarette

Fachlich geprüft vom medizinischen Team von Doctorcura am 26. September 2026, Stand: 24. September 2026 · So entstehen unsere Inhalte

Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, kann sich medikamentös unterstützen lassen. Neben rezeptfreiem Nikotinersatz aus der Apotheke sind in Deutschland drei verschreibungspflichtige Wirkstoffe zur Rauchentwöhnung zugelassen: Vareniclin, Bupropion und Cytisin. Dieser Beitrag erklärt, wann Vareniclin oder Bupropion infrage kommt, wo Cytisin steht und was online möglich ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Vareniclin und Cytisin wirken an Nikotinrezeptoren im Gehirn, Bupropion wirkt auf andere Botenstoffe. Alle drei sind in Deutschland verschreibungspflichtig.
  • In Vergleichsstudien waren unter Vareniclin mehr Menschen rauchfrei als unter Bupropion. Der direkte Vergleich von Cytisin mit Vareniclin ist noch unsicher.
  • Die Behandlung dauert bei Vareniclin in der Regel 12 Wochen, bei Bupropion 7 bis 9 Wochen und bei Cytisin 25 Tage.
  • Unter 18 Jahren werden die Wirkstoffe nicht empfohlen, in Schwangerschaft und Stillzeit gelten Verbote oder deutliche Einschränkungen. Ob ein Rezept infrage kommt, entscheidet die ärztliche Prüfung; es gelten Fachinformation und Packungsbeilage.

Wie die drei Wirkstoffe wirken

Vareniclin aktiviert Nikotinrezeptoren im Gehirn teilweise. Das lindert Rauchverlangen und Entzugserscheinungen und schwächt die belohnende Wirkung einer gerauchten Zigarette ab. Cytisin, offiziell Cytisiniclin, ist ein pflanzlicher Wirkstoff aus den Samen des Goldregens und wirkt an denselben Rezeptoren ähnlich. Bupropion zählt zu den Antidepressiva und beeinflusst andere Botenstoffe im Gehirn. Keiner der drei Wirkstoffe enthält Nikotin.

Vareniclin oder Bupropion: Was Studien zeigen

Direkte Vergleichsstudien

In zwei Doppelblindstudien, die in der Fachinformation zu Vareniclin beschrieben sind, wurden Rauchende zwölf Wochen lang mit Vareniclin, Bupropion oder Placebo behandelt. Von Woche 9 bis Woche 52 durchgehend rauchfrei waren unter Vareniclin 22 und 23 Prozent, unter Bupropion 16 und 15 Prozent und unter Placebo 8 und 10 Prozent. Eine Cochrane-Übersicht von 2023 bestätigt das über neun Vergleichsstudien: Mit Vareniclin gelang der Rauchstopp relativ gesehen rund ein Drittel häufiger, bei schwerwiegenden Nebenwirkungen zeigte sich kein klarer Unterschied.

Wo Cytisin steht

Laut Cochrane-Übersicht half Cytisin mehr Menschen als Placebo. In zwei direkten Vergleichen hörten unter Vareniclin etwas mehr Menschen auf, unter Cytisin wurden etwas weniger schwerwiegende Nebenwirkungen berichtet; beide Unterschiede sind unsicher. Das IQWiG konnte einen Nutzen nur für Nikotin und Vareniclin belegen. Für Bupropion und Cytisin fehlten Daten, auch weil Hersteller nicht alle Studiendaten bereitgestellt haben. Die S3-Leitlinie von 2021 sieht zuerst Nikotinersatz vor; wirkt er nicht ausreichend, sollen Vareniclin oder Bupropion angeboten werden. Cytisin kann angeboten werden, wenn andere zugelassene Verfahren nicht geholfen haben.

Einnahme und Dauer im Vergleich

Vareniclin wird laut Fachinformation aufdosiert: an Tag 1 bis 3 einmal täglich 0,5 mg, an Tag 4 bis 7 zweimal täglich 0,5 mg, danach zweimal täglich 1 mg. Die Einnahme beginnt 1 bis 2 Wochen vor dem Rauchstopptag und dauert 12 Wochen; wer dann rauchfrei ist, kann weitere 12 Wochen behandelt werden. Bei schwerer Nierenfunktionsstörung gilt eine niedrigere Dosis.

Bupropion wird als Retardtablette mit 150 mg sechs Tage lang einmal täglich eingenommen, danach zweimal täglich mit mindestens acht Stunden Abstand. Der Rauchstopp liegt idealerweise in der zweiten Woche, die Behandlung dauert 7 bis 9 Wochen. Für ältere Menschen und bei Leber- oder Nierenfunktionsstörungen empfiehlt die Fachinformation 150 mg einmal täglich.

Cytisin folgt einem festen Schema über 25 Tage mit Tabletten zu 1,5 mg: anfangs alle zwei Stunden eine Tablette, höchstens sechs am Tag, danach schrittweise weniger. Spätestens am fünften Tag muss das Rauchen enden, sonst drohen verstärkte Nebenwirkungen des Nikotins.

Gegenanzeigen: Wann ein Wirkstoff nicht infrage kommt

Für Vareniclin nennt die Fachinformation als Gegenanzeige nur eine Überempfindlichkeit. Vorsicht gilt bei psychischen Vorerkrankungen und Krampfanfällen in der Vorgeschichte; neue oder zunehmende Herz-Kreislauf-Beschwerden sollten Sie ärztlich melden.

Bupropion darf nicht eingenommen werden bei Epilepsie oder früheren Krampfanfällen, aktuellen oder früheren Essstörungen, bipolarer Störung, Hirntumor oder schwerer Leberzirrhose. Ausgeschlossen ist es auch beim Absetzen von Alkohol nach regelmäßig hohem Konsum oder von Beruhigungsmitteln, nach einem MAO-Hemmer in den letzten 14 Tagen und wenn bereits ein anderes Arzneimittel mit Bupropion angewendet wird. Wegen erhöhten Krampfrisikos kommt Bupropion bei regelmäßig hohem Alkoholkonsum, medikamentös behandeltem Diabetes, nach einem Schädel-Hirn-Trauma oder mit Mitteln, die die Krampfschwelle senken, nur nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung infrage. Wechselwirkungen bestehen auch mit Antidepressiva und Tamoxifen; geben Sie im Fragebogen alle Arzneimittel an. Der Blutdruck sollte vor und während der Behandlung kontrolliert werden, bei zusätzlichem Nikotinpflaster wöchentlich.

Cytisin ist kontraindiziert bei instabiler Angina pectoris, kürzlichem Herzinfarkt oder Schlaganfall und klinisch relevanten Herzrhythmusstörungen. Vorsicht gilt unter anderem bei koronarer Herzkrankheit, Herzschwäche, Bluthochdruck und Diabetes. Über 65 Jahren sowie bei Leber- oder Nierenfunktionsstörungen wird Cytisin nicht empfohlen.

Schwangerschaft, Stillzeit und Jugendliche

Unter 18 Jahren wird keiner der drei Wirkstoffe empfohlen. Cytisin ist in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert; Frauen im gebärfähigen Alter müssen zuverlässig verhüten, bei hormoneller Verhütung zusätzlich mit einer Barrieremethode. Bupropion soll in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden und geht in die Muttermilch über. Vareniclin soll in der Schwangerschaft vermieden werden, in der Stillzeit werden Nutzen und Risiko abgewogen. Die Leitlinie rät Schwangeren von Entwöhnungsmedikamenten ab.

Nebenwirkungen und Warnzeichen

Unter Vareniclin ist Übelkeit am häufigsten, meist leicht bis mäßig und zu Beginn; sehr häufig sind auch Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und ungewöhnliche Träume. Bupropion verursacht sehr häufig Schlafstörungen, häufig etwa Mundtrockenheit, Kopfschmerzen und Zittern. Es kann den Blutdruck erhöhen, besonders zusammen mit Nikotinpflastern, und bei etwa 1 von 1.000 Behandelten einen Krampfanfall auslösen. Unter Cytisin sind Appetitzunahme, Schlafstörungen, Mundtrockenheit, Übelkeit, schneller Herzschlag und erhöhter Blutdruck sehr häufig. Manche Beschwerden stammen auch vom Nikotinentzug selbst.

Beenden Sie die Einnahme und suchen Sie sofort ärztliche Hilfe bei starker Unruhe, depressiver Verstimmung, Verhaltensänderungen oder Suizidgedanken. Rufen Sie den Notruf 112 bei einem Krampfanfall, bei Schwellungen von Gesicht, Zunge oder Hals mit Atemnot, bei schweren Hautreaktionen, Brustschmerzen oder Anzeichen eines Schlaganfalls.

Was online möglich ist und was nicht

Online beantworten Sie einen medizinischen Fragebogen zu Rauchverhalten, Vorerkrankungen und Medikamenten, den eine Ärztin oder ein Arzt prüft. Nicht möglich sind eine körperliche Untersuchung, eine Blutdruck- oder EKG-Messung und eine engmaschige Begleitung bei psychischen Erkrankungen. Bei instabiler Herzerkrankung, kürzlichem Herzinfarkt oder Schlaganfall, Krampfanfällen, Essstörungen, bipolarer Störung oder Suizidgedanken gehört der Rauchstopp in die Praxis vor Ort. Der Rauchstopp kann außerdem Dosisanpassungen anderer Arzneimittel wie Theophyllin, Clozapin oder Insulin nötig machen. Die Leitlinie empfiehlt zu jeder medikamentösen Entwöhnung eine begleitende Beratung, etwa über die kostenlose Telefonberatung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) unter 0800 8 31 31 31. Ob ein Rezept infrage kommt, entscheidet die ärztliche Prüfung; es gelten die Fachinformation und die Packungsbeilage.

Kosten

Seit dem 20. August 2025 erhalten gesetzlich Versicherte mit schwerer Tabakabhängigkeit Nikotinersatz oder Vareniclin auf Kassenrezept, wenn sie an einem evidenzbasierten Programm zur Tabakentwöhnung teilnehmen. Als schwer gilt die Abhängigkeit ab 6 Punkten im Fagerström-Test oder wenn der Rauchstopp trotz COPD, Asthma oder Herz-Kreislauf-Erkrankung misslingt. Ein erneuter Anspruch besteht frühestens nach drei Jahren. Bupropion und Cytisin gehören nicht dazu. Eine Online-Behandlung bei einem privaten Anbieter ist eine Privatleistung; die Kosten hängen von Wirkstoff, Packungsgröße und Behandlungsdauer ab.

Häufige Fragen

Ist Vareniclin wirksamer als Bupropion?

In Vergleichsstudien waren unter Vareniclin mehr Menschen dauerhaft rauchfrei. Welcher Wirkstoff passt, hängt aber auch von Vorerkrankungen und Gegenanzeigen ab.

Wann höre ich mit dem Rauchen auf?

Bei Vareniclin 1 bis 2 Wochen nach Beginn der Einnahme, bei Bupropion idealerweise in der zweiten Woche, bei Cytisin spätestens am fünften Tag.

Macht Vareniclin depressiv?

In einer großen Studie war Vareniclin bei Menschen mit und ohne psychische Vorerkrankung nicht mit mehr schweren neuropsychiatrischen Ereignissen verbunden als Placebo. Laut Fachinformation treten Depressionen gelegentlich auf; bei psychischen Vorerkrankungen ist Vorsicht nötig. Gedrückte Stimmung kann auch vom Entzug kommen. Bei Suizidgedanken beenden Sie die Einnahme trotzdem sofort und suchen ärztliche Hilfe.

Kann ich die Tabletten mit Nikotinpflastern kombinieren?

Nur nach ärztlicher Rücksprache. Mit Vareniclin traten Übelkeit und Schwindel häufiger auf, mit Bupropion kann der Blutdruck steigen, und unter Cytisin verstärkt zusätzliches Nikotin die Nebenwirkungen.

Quellen

  • Fachinformation Vareniclin 0,5 mg und 1 mg Filmtabletten, Stand August 2026. fachinfo.de
  • Fachinformation Bupropion 150 mg Retardtabletten (Vereinigtes Königreich), Stand August 2026. medicines.org.uk
  • Fachinformation Cytisiniclin 1,5 mg Tabletten (Österreich, BASG), Stand Oktober 2025. medikamente.basg.gv.at
  • AWMF S3-Leitlinie 076-006 Rauchen und Tabakabhängigkeit (DGPPN, DG-Sucht), Kurzversion 2021. register.awmf.org
  • Livingstone-Banks J et al.: Nicotine receptor partial agonists for smoking cessation. Cochrane Review, 2023. pmc.ncbi.nlm.nih.gov
  • IQWiG, gesundheitsinformation.de: Medikamente zur Raucherentwöhnung. gesundheitsinformation.de
  • IQWiG: Tabakentwöhnung, Nutzen für Nikotin und Vareniclin bestätigt, Januar 2025. iqwig.de
  • Gemeinsamer Bundesausschuss: Arzneimittel zur Tabakentwöhnung. g-ba.de
  • Pharmazeutische Zeitung: Rauchfreiheit ab sofort auch auf Kassenrezept, August 2025. pharmazeutische-zeitung.de
  • BfArM, Sachverständigen-Ausschuss für Verschreibungspflicht: Cytisin 1,5 mg, Juli 2024. bfarm.de
  • BIÖG: Telefonberatung zur Rauchentwöhnung. bioeg.de

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