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Ratgeber

Genitalherpes: Aciclovir oder Valaciclovir, Episoden- und Dauertherapie

Das Wort Herpes auf weißem Papier wird mit einem Radiergummi ausradiert

Fachlich geprüft vom medizinischen Team von Doctorcura am 26. September 2026, Stand: 24. September 2026 · So entstehen unsere Inhalte

Genitalherpes wird durch Herpes-simplex-Viren verursacht, vor allem durch Typ 2. Die Viren bleiben im Körper und können immer wieder Bläschen im Genitalbereich auslösen. Dieser Beitrag erklärt, was bei der Frage Aciclovir oder Valaciclovir zählt, wann eine Episoden- oder Dauertherapie infrage kommt und was online möglich ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Valaciclovir wird im Körper fast vollständig zu Aciclovir umgewandelt, aber besser aufgenommen. Deshalb genügen weniger Einnahmen am Tag.
  • Nach Einschätzung des IQWiG sind beide Wirkstoffe ähnlich wirksam. Entscheidend ist ein früher Beginn, bei Rückfällen möglichst innerhalb von 24 Stunden.
  • Bei häufigen Rückfällen kann eine tägliche Dauertherapie Ausbrüche deutlich seltener machen; sie wird nach 6 bis 12 Monaten überprüft.
  • Ein erster Ausbruch, Schwangerschaft, Stillzeit, Immunschwäche und Beschwerden bei Kindern gehören in Betreuung vor Ort. Ob ein Rezept infrage kommt, entscheidet die ärztliche Prüfung; es gelten Fachinformation und Packungsbeilage.

Warum Genitalherpes wiederkommt

Die Viren werden beim Sex über Haut- und Schleimhautkontakt übertragen, auch von Menschen ohne sichtbare Beschwerden. Laut gesundheitsinformation.de tragen in Deutschland schätzungsweise 10 bis 15 von 100 Menschen den Erreger. Nach der Ansteckung ruhen die Viren in Nervenzellen und können erneut aktiv werden: Bei HSV-2 haben 70 bis 90 Prozent der Betroffenen innerhalb eines Jahres mindestens einen weiteren Ausbruch. Unbehandelt heilt der erste Ausbruch im Schnitt nach etwa 20 Tagen ab, spätere meist innerhalb von zehn Tagen.

Aciclovir oder Valaciclovir: der Unterschied

Wirkweise und Aufnahme

Valaciclovir ist eine Vorstufe (Prodrug) von Aciclovir und wird nach der Einnahme fast vollständig umgewandelt. Aciclovir wird in virusinfizierten Zellen aktiviert und hemmt die Vermehrung der Virus-DNA. Die in Nervenzellen ruhenden Viren entfernt keiner der beiden Wirkstoffe; die Infektion bleibt bestehen. Der Unterschied liegt in der Aufnahme: Die Bioverfügbarkeit von eingenommenem Aciclovir beträgt laut Fachinformation etwa 20 Prozent, aus Valaciclovir entsteht eine 3,3- bis 5,5-fach höhere Verfügbarkeit von Aciclovir. Deshalb genügen bei Valaciclovir ein bis zwei Einnahmen am Tag, während Aciclovir zur Behandlung eines Ausbruchs laut Fachinformation fünfmal täglich im Abstand von etwa vier Stunden eingenommen wird. Leitlinien nennen auch Schemata mit zwei oder drei höheren Einzeldosen.

Wirksamkeit und Verträglichkeit

Nach Einschätzung des IQWiG sind die Wirkstoffe ähnlich wirksam; Aciclovir wird am häufigsten eingesetzt, weil damit die meisten Erfahrungen vorliegen. Auch die Nebenwirkungen ähneln sich. Die Fachinformationen nennen als (sehr) häufig unter anderem Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Hautausschlag und Juckreiz. Beide Wirkstoffe werden über die Nieren ausgeschieden; trinken Sie während der Einnahme ausreichend. Welcher Wirkstoff passt, hängt unter anderem vom Einnahmeschema, der Nierenfunktion und weiteren Arzneimitteln ab.

Episodentherapie: einen Ausbruch behandeln

Der erste Ausbruch

Der erste Ausbruch verläuft oft stärker, mit Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und geschwollenen Lymphknoten in der Leiste. Er gehört in eine Untersuchung vor Ort, denn Geschwüre im Genitalbereich können auch andere Ursachen haben, etwa eine Syphilis; gesichert wird die Diagnose mit einem Abstrich. Die STI-Leitlinie und der Leitfaden der Deutschen STI-Gesellschaft sehen eine Behandlung über 7 bis 10 Tage vor. Die Fachinformation zu Valaciclovir nennt ab 12 Jahren zweimal täglich 500 mg, bei Erstinfektionen bei Bedarf über zehn Tage; die Fachinformation zu Aciclovir nennt fünfmal täglich 200 mg über fünf Tage, bei Bedarf länger.

Rückfälle

Die Einnahme sollte beginnen, sobald sich ein Ausbruch mit Jucken oder Spannungsgefühl ankündigt; laut Fachinformation kann so die Entwicklung von Läsionen verhindert werden. Für Valaciclovir nennt sie zweimal täglich 500 mg über 3 bis 5 Tage. Nach Angaben des IQWiG sollte die Behandlung innerhalb der ersten 24 Stunden beginnen; sie verkürzt einen Ausbruch im Durchschnitt um etwa zwei Tage. Solange Beschwerden bestehen, sollten Sie auf Sex verzichten.

Dauertherapie bei häufigen Rückfällen

Bei häufigen Rückfällen kommt eine Suppressionstherapie infrage, also eine tägliche Einnahme über Monate; die STI-Leitlinie (Stand 2018) nennt als Orientierung mindestens vier Rückfälle pro Jahr. Für Valaciclovir nennt die Fachinformation einmal täglich 500 mg, bei zehn oder mehr Rückfällen pro Jahr alternativ zweimal täglich 250 mg, und eine erneute Beurteilung nach 6 bis 12 Monaten. Für Aciclovir sieht sie bei Erwachsenen mit sehr häufigen, schweren Verläufen 800 mg täglich vor, aufgeteilt auf zweimal 400 mg oder viermal 200 mg, für höchstens 6 bis 12 Monate.

In den vom IQWiG ausgewerteten Studien hatten innerhalb von bis zu einem Jahr 96 von 100 Personen mit Scheinmedikament einen weiteren Ausbruch, mit täglicher Einnahme 46 von 100. In einer Studie mit 1484 Paaren, bei denen ein Partner HSV-2 hatte, senkte Valaciclovir zusammen mit geschütztem Sex das Risiko einer symptomatischen Übertragung um 75 Prozent und einer Ansteckung insgesamt um 48 Prozent. Laut IQWiG ist unklar, ob die Medikamente zusätzlich zu Kondomen schützen. Ein Restrisiko bleibt; die Fachinformation empfiehlt weiterhin geschützten Geschlechtsverkehr.

Gegenanzeigen, Wechselwirkungen und Warnzeichen

Bei Überempfindlichkeit gegen Aciclovir, Valaciclovir oder einen sonstigen Bestandteil dürfen beide nicht angewendet werden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion muss die Dosis verringert werden, im höheren Alter häufig ebenfalls. Vorsicht gilt bei nierenschädigenden Arzneimitteln wie Ciclosporin, Tacrolimus oder Methotrexat sowie bei Probenecid, Cimetidin, Mycophenolatmofetil und Tenofovir, bei Aciclovir zusätzlich bei Theophyllin.

Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe bei Verwirrtheit, Halluzinationen, Unruhe, Krampfanfällen oder Bewusstseinstrübung, bei Nierenschmerzen oder Blut im Urin sowie bei Schwellungen im Gesicht oder Atemnot. Ein Hautausschlag mit Krankheitsgefühl kann auf eine schwere Arzneimittelreaktion (DRESS) hinweisen; Valaciclovir ist dann laut Fachinformation sofort abzusetzen. Vor allem beim ersten Ausbruch sind Probleme beim Wasserlassen und selten eine Hirnhautentzündung möglich; suchen Sie dann umgehend ärztliche Hilfe. Bei geschwächtem Immunsystem, etwa bei HIV oder nach einer Transplantation, sind Komplikationen häufiger; die Behandlung gehört dann in fachärztliche Hände.

Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangere und Stillende sollten sich nicht online, sondern frauenärztlich behandeln lassen. Laut Fachinformation kommen beide Wirkstoffe in der Schwangerschaft nur infrage, wenn der Nutzen die Risiken überwiegt; Registerdaten zu über 1200 Schwangerschaften unter Aciclovir deuten nicht auf Fehlbildungen hin. Die STI-Leitlinie (Stand 2018) nennt Aciclovir als Mittel der Wahl, weil dafür die meisten Erfahrungen vorliegen. Eine Erstinfektion im letzten Schwangerschaftsdrittel birgt ein deutlich höheres Übertragungsrisiko unter der Geburt als ein Rückfall. Die AWMF-Leitlinie zur Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen empfiehlt je nach Situation eine antivirale Prophylaxe ab der 36. Schwangerschaftswoche und einen Kaiserschnitt, wenn zur Geburt aktive Läsionen bestehen. Aciclovir geht in die Muttermilch über; laut Fachinformation soll unter Aciclovir nicht gestillt werden.

Kinder und Jugendliche

Dieser Beitrag richtet sich an Erwachsene. Bei Kindern unter 12 Jahren ist die Wirksamkeit von Valaciclovir nicht untersucht. Kinder und Jugendliche mit Beschwerden im Genitalbereich gehören in ärztliche Betreuung vor Ort.

Was online möglich ist und was nicht

Bei bekannter Diagnose kann eine Ärztin oder ein Arzt anhand eines medizinischen Fragebogens beurteilen, ob eine Episoden- oder Dauertherapie mit Aciclovir oder Valaciclovir infrage kommt. Gefragt wird unter anderem nach bisherigen Ausbrüchen, Nierenerkrankungen, Immunstatus, weiteren Medikamenten, Schwangerschaft und Stillzeit. Ob ein Rezept ausgestellt wird, entscheidet die ärztliche Prüfung; sie kann eine Anfrage auch ablehnen. Es gelten die Fachinformation und die Packungsbeilage; die Abgabe erfolgt über eine Partnerapotheke. Online nicht möglich sind die Erstdiagnose mit Abstrich, eine körperliche Untersuchung, Blutuntersuchungen etwa der Nierenwerte, Tests auf weitere sexuell übertragbare Infektionen und die Betreuung in Schwangerschaft, Stillzeit oder bei Immunschwäche.

Kosten

Eine Online-Behandlung ist eine Privatleistung; die Kosten für ärztliche Prüfung und Arzneimittel tragen Sie selbst. Sie hängen vom Wirkstoff, von Stärke und Packungsgröße und von der Behandlungsdauer ab. Ob eine private Krankenversicherung erstattet, richtet sich nach dem Tarif.

Häufige Fragen

Ist Valaciclovir wirksamer als Aciclovir?

Nein. Nach Einschätzung des IQWiG sind beide ähnlich wirksam. Valaciclovir wird besser aufgenommen und deshalb seltener eingenommen.

Wann sollte ich bei einem Rückfall mit der Einnahme beginnen?

So früh wie möglich, am besten bei den ersten Anzeichen wie Jucken oder Spannungsgefühl und innerhalb der ersten 24 Stunden.

Schützt die Dauertherapie meine Partnerin oder meinen Partner?

Laut IQWiG wahrscheinlich etwas; ob die Medikamente zusätzlich zu Kondomen schützen, ist aber unklar. Kondome und der Verzicht auf Sex bei Beschwerden bleiben wichtig.

Kann ich einen ersten Ausbruch online behandeln lassen?

Nein. Ein erster Ausbruch sollte vor Ort untersucht und mit einem Abstrich gesichert werden. Eine Online-Anfrage kommt erst bei bekannter Diagnose infrage.

Quellen

  • Fachinformation Valaciclovir 500 mg / 1000 mg Filmtabletten, Stand Dezember 2022. sandoz.com
  • Fachinformation Aciclovir 200 mg / 400 mg / 800 mg Tabletten, Stand Februar 2022. sandoz.com
  • AWMF S2k-Leitlinie 059-006: Sexuell übertragbare Infektionen, Beratung, Diagnostik und Therapie (2018, abgelaufen). register.awmf.org
  • AWMF S2k-Leitlinie 093-001: Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen. register.awmf.org
  • Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG): Leitfaden STI-Therapie, -Diagnostik und -Prävention, 4. Auflage 2023/2024. dstig.de
  • IQWiG, gesundheitsinformation.de: Wie kann Genitalherpes behandelt werden? gesundheitsinformation.de
  • IQWiG, gesundheitsinformation.de: Genitalherpes. gesundheitsinformation.de
  • Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Genitalherpes (Herpes genitalis). gesund.bund.de

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Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112 (Schweiz: 144).

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