Fachlich geprüft vom medizinischen Team von Doctorcura am 26. September 2026, Stand: 24. September 2026 · So entstehen unsere Inhalte
Juckreiz, Brennen und ein weißlicher, krümeliger Ausfluss sprechen häufig für einen Scheidenpilz. Für die Behandlung kommen vor allem zwei Wege infrage: Clotrimazol, das als Vaginaltablette direkt in der Scheide wirkt, und Fluconazol, das als Kapsel geschluckt wird. Beide gehören zu den Azol-Antimykotika. Ob Fluconazol oder Clotrimazol besser passt, hängt von Schwangerschaft, anderen Arzneimitteln und Vorerkrankungen ab. Dieser Beitrag erklärt die Unterschiede und wann eine persönliche Untersuchung nötig ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Laut S2k-Leitlinie zur Vulvovaginalkandidose wirken lokale und orale Behandlungen bei akutem Scheidenpilz gleichwertig.
- Clotrimazol wird laut Fachinformation an 3 Abenden als Vaginaltablette mit 200 mg angewendet und ist apothekenpflichtig. Fluconazol ist verschreibungspflichtig und wird bei akutem Scheidenpilz einmalig mit 150 mg eingenommen.
- Fluconazol hat zahlreiche Wechselwirkungen, die noch Tage nach der Einnahme auftreten können.
- In der Schwangerschaft wird laut Leitlinie vor allem im ersten Drittel lokal mit Clotrimazol behandelt, und zwar nach ärztlicher Abklärung.
- Ob und welcher Wirkstoff infrage kommt, entscheidet die ärztliche Prüfung. Es gelten die Fachinformation und die Packungsbeilage.
Was bei Scheidenpilz passiert
Scheidenpilz, medizinisch Vulvovaginalkandidose, wird meist durch den Hefepilz Candida albicans verursacht. Er kommt bei vielen Frauen in der Scheide vor, ohne Beschwerden zu machen. Vermehrt er sich stark, etwa nach Antibiotika, bei hormonellen Veränderungen, Diabetes oder geschwächter Abwehr, entsteht eine Entzündung. Nach Angaben des IQWiG haben bis zu 75 von 100 Frauen mindestens einmal im Leben einen Scheidenpilz. Typisch sind Juckreiz, Brennen, eine gerötete Schleimhaut und ein weiß-gelblicher, krümeliger Ausfluss.
Die Beschwerden allein sind kein sicherer Beweis. Laut Leitlinie lassen sich die Ursachen einer Scheidenentzündung anhand der Symptome nicht verlässlich unterscheiden; gesichert wird die Diagnose durch die Kombination aus Beschwerden und dem mikroskopischen Nachweis von Pilzfäden. In einer dort zitierten Studie hatte nur etwa ein Drittel der Frauen, die ein Scheidenpilzmittel zur Selbstbehandlung gekauft hatten, tatsächlich eine Pilzinfektion. Eine häufige andere Ursache ist die bakterielle Vaginose.
Fluconazol oder Clotrimazol: die Unterschiede
Clotrimazol: Behandlung direkt in der Scheide
Laut Fachinformation wird an 3 aufeinanderfolgenden Abenden je eine Vaginaltablette mit 200 mg möglichst tief in die Scheide eingeführt; sind die Schamlippen mitbetroffen, kommt eine Creme mit Clotrimazol hinzu. Nur etwa 3 bis 10 Prozent des Wirkstoffs gelangen ins Blut. Als mögliche Nebenwirkungen nennt die Fachinformation leichtes Brennen in der Scheide, Reizungen an den Schamlippen und allergische Reaktionen. Gegenanzeige ist eine Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder Hilfsstoffe. Die Hilfsstoffe können während der Behandlung die Sicherheit von Latexkondomen und Diaphragmen beeinträchtigen. Laut Packungsbeilage kann Clotrimazol die Blutspiegel von Tacrolimus und Sirolimus erhöhen. Die Packungsbeilage rät beim ersten Auftreten und bei mehr als vier Pilzinfektionen in 12 Monaten zu ärztlichem Rat.
Fluconazol: eine Kapsel zum Einnehmen
Fluconazol wirkt über den Blutkreislauf. Wegen seiner Halbwertszeit von etwa 30 Stunden genügt laut Fachinformation bei akutem Scheidenpilz eine Einzeldosis von 150 mg, unabhängig von den Mahlzeiten. Die Fachinformation sieht Fluconazol bei Scheidenpilz vor, wenn eine lokale Therapie nicht geeignet ist; die Leitlinie führt es bei ausgeprägter erster Infektion außerhalb der Schwangerschaft als Alternative zur lokalen Behandlung.
Häufige Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Hautausschlag und erhöhte Leberwerte. Fluconazol hemmt Leberenzyme, die viele Arzneimittel abbauen, und zwar noch 4 bis 5 Tage nach der Einnahme. Fluconazol darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen Azole. Ausgeschlossen ist auch die Kombination mit Arzneimitteln, die das QT-Intervall im EKG verlängern und über das Enzym CYP3A4 abgebaut werden, zum Beispiel Erythromycin, Chinidin oder Pimozid. Vorsicht gilt bei Blutverdünnern vom Cumarin-Typ, bestimmten Statinen, Sulfonylharnstoffen gegen Diabetes, Leberfunktionsstörungen und Herzrhythmusstörungen.
Was die Leitlinie zur Wahl sagt
Die Heilungsraten lagen laut Leitlinie für alle geprüften Behandlungen bei etwa 85 Prozent 1 bis 2 Wochen und etwa 75 Prozent 4 bis 6 Wochen nach Behandlungsende. Die Leitlinie empfiehlt, je nach Bedürfnissen der Frau lokal oder oral zu behandeln, bei der ersten Infektion primär lokal mit einem Imidazol wie Clotrimazol. Das IQWiG beschreibt einen leichten Vorteil der Tablette in Studien; Juckreiz und Brennen linderten aber alle Präparate gleich gut.
Schwangerschaft, Stillzeit und Jugendliche
In der Schwangerschaft soll laut Leitlinie insbesondere im ersten Drittel lokal mit Clotrimazol behandelt werden. Laut Fachinformation ist das nur unter ärztlicher Kontrolle und ohne Applikator vorgesehen, weil sonst Fruchtblase oder Ungeborenes verletzt werden könnten. Fluconazol darf in der Schwangerschaft nur bei eindeutiger Notwendigkeit eingesetzt werden: Beobachtungsstudien deuten bei Einnahme im ersten oder zweiten Drittel auf ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko hin, einzelne Studien auf bestimmte Fehlbildungen. Nach einer Einzeldosis empfiehlt die Fachinformation eine Woche Abstand bis zu einer geplanten Schwangerschaft. Wenn Sie schwanger sind oder es sein könnten, lassen Sie Beschwerden frauenärztlich untersuchen.
In der Stillzeit bevorzugt Embryotox, das Beratungsportal der Charité, bei Scheidenpilz die lokale Behandlung. Nach einmalig 150 mg Fluconazol kann laut Fachinformation weiter gestillt werden, nach wiederholter oder hoher Dosierung wird davon abgeraten. Clotrimazol soll in der Stillzeit nur nach ärztlicher Anleitung angewendet werden. Bei Mädchen vor der ersten Periode ist Scheidenpilz laut Leitlinie praktisch nicht zu erwarten, und für Fluconazol ist die Sicherheit bei Genitalinfektionen im Kindes- und Jugendalter nicht untersucht. Beschwerden bei Kindern und Jugendlichen gehören in eine persönliche Untersuchung.
Wiederkehrender Scheidenpilz
Bei mehr als vier Infektionen im Jahr spricht die Leitlinie von einer chronisch rezidivierenden Vulvovaginalkandidose. Dann soll der Erreger mit einer Pilzkultur bestimmt werden, und begünstigende Faktoren wie Diabetes sollten abgeklärt werden. Die Fachinformation von Fluconazol beschreibt für vier oder mehr Episoden pro Jahr ein Schema mit 150 mg an den Tagen 1, 4 und 7 und danach 150 mg wöchentlich über 6 Monate. Seltenere Hefepilze wie Candida glabrata sprechen auf die üblichen Mittel schlechter an, Candida krusei ist gegen Fluconazol praktisch resistent. Eine Langzeitbehandlung gehört in frauenärztliche Betreuung vor Ort.
Warnzeichen: wann eine persönliche Untersuchung nötig ist
Laut Fachinformation von Clotrimazol sollten Sie ärztlichen Rat einholen bei Fieber ab 38 °C, Unterleibs- oder Rückenschmerzen, übel riechendem Ausfluss, Übelkeit, Blutungen aus der Scheide oder Schulterschmerzen. Gleiches gilt, wenn die Beschwerden nach der Behandlung nicht abgeklungen sind oder sich verschlimmert haben. Nach Fluconazol sind Gelbfärbung von Haut oder Augen, anhaltende Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und ausgeprägte Schwäche Warnzeichen einer Leberschädigung, die sofort ärztlich abgeklärt werden müssen. Selten sind schwere Hautreaktionen wie das Stevens-Johnson-Syndrom beschrieben; Ausschlag mit Blasen oder sich ablösender Haut erfordert sofort ärztliche Hilfe. Bei Atemnot oder Schwellungen im Gesicht wählen Sie den Notruf 112.
Was online möglich ist und was nicht
Bei einer Online-Behandlung beurteilt eine Ärztin oder ein Arzt einen medizinischen Fragebogen; eine körperliche Untersuchung, einen mikroskopischen Nachweis oder eine Pilzkultur gibt es online nicht. Die Leitlinie empfiehlt, erst nach ärztlich gesicherter Diagnose mit mikroskopischem Nachweis zu behandeln. Eine Behandlung nach Fragebogen ersetzt diese Untersuchung nicht. Sie kommt allenfalls infrage, wenn ein Scheidenpilz bereits ärztlich festgestellt wurde und die Beschwerden gleich sind. Beim ersten Auftreten, in der Schwangerschaft, bei mehr als vier Infektionen im Jahr und bei Warnzeichen ist eine Untersuchung vor Ort nötig. Erfasst werden unter anderem Schwangerschaft und Stillzeit, Leber- und Herzerkrankungen sowie alle Arzneimittel. Ob Fluconazol, Clotrimazol oder keine Behandlung passt, entscheidet die ärztliche Prüfung; verbindlich sind die Fachinformation und die Packungsbeilage.
Häufige Fragen
Fluconazol oder Clotrimazol: Was wirkt besser?
Laut Leitlinie führen beide Wege bei akutem Scheidenpilz zu gleichwertigen Ergebnissen. Welche Form passt, hängt von Schwangerschaft, anderen Arzneimitteln und Vorerkrankungen ab und wird ärztlich entschieden.
Wie schnell gehen die Beschwerden zurück?
Laut Fachinformation von Clotrimazol gehen Juckreiz, Ausfluss und Brennen meist innerhalb der ersten vier Tage deutlich zurück. Bleiben die Beschwerden bestehen, ist eine ärztliche Untersuchung nötig.
Muss mein Partner mitbehandelt werden?
Laut Leitlinie bringt die Behandlung eines Partners ohne Beschwerden keinen Nutzen. Hat er Juckreiz oder eine Entzündung, sollte er sich ebenfalls behandeln lassen.
Beeinflusst die Behandlung die Verhütung?
Clotrimazol kann während der Behandlung die Sicherheit von Latexkondomen und Diaphragmen beeinträchtigen; laut Packungsbeilage sollten Sie in dieser Zeit auf Geschlechtsverkehr verzichten. Fluconazol beeinträchtigt laut Fachinformation die Wirksamkeit kombinierter Pillen wahrscheinlich nicht.
Darf ich während der Periode behandeln?
Die Behandlung mit Clotrimazol-Vaginaltabletten sollte vor Beginn der Menstruation abgeschlossen sein. Fluconazol wird geschluckt, eine Anwendung in der Scheide entfällt.
Quellen
- AWMF: S2k-Leitlinie Vulvovaginalkandidose, Registernummer 015/072, Stand September 2020, derzeit in Überarbeitung. register.awmf.org
- IQWiG: Pilzinfektion der Vagina (Scheidenpilz), Stand Januar 2026. gesundheitsinformation.de
- IQWiG: Was hilft gegen eine Pilzinfektion der Vagina? gesundheitsinformation.de
- Fachinformation Fluconazol 50 mg und 150 mg Hartkapseln, Stand Januar 2024. fachinfo.de
- Fachinformation Clotrimazol 200 mg Vaginaltabletten und Creme, Stand April 2026. fachinfo.de
- Gebrauchsinformation Clotrimazol 200 mg Vaginaltabletten, Stand Januar 2025. beipackzettel.apocdn.net
- Embryotox, Charité Berlin: Fluconazol in Schwangerschaft und Stillzeit. embryotox.de
Was die ärztliche Prüfung bei Scheidenpilz umfasst, lesen Sie auf unserer Behandlungsseite; mehr zu Wechselwirkungen von Fluconazol in einem eigenen Beitrag.
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