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Ratgeber

Heuschnupfen: Antihistaminika, Kortison-Nasensprays und Kombinationen im Vergleich

Illustration: Arzneimittelpackungen und Nasensprays mit Fluticasonfuroat, Cetirizin und Azelastin/Fluticasonpropionat

Fachlich geprüft vom medizinischen Team von Doctorcura am 26. September 2026, Stand: 24. September 2026 · So entstehen unsere Inhalte

Laut einer Auswertung des Robert Koch-Instituts von 2017 gaben rund 12,3 Millionen Erwachsene in Deutschland an, von einem allergischen Schnupfen betroffen zu sein. Für die Behandlung kommen vor allem drei Arzneimittelgruppen infrage: Antihistaminika als Tablette, Kortison-Nasensprays und Kombinationssprays, die beides enthalten. Dieser Beitrag vergleicht, wie die Mittel wirken, wann ein Kortison-Nasenspray bei Heuschnupfen sinnvoll ist und was Sie zu Nebenwirkungen und Warnzeichen wissen sollten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kortison-Nasensprays sind laut IQWiG wirksamer als Antihistaminika-Tabletten und lindern auch eine verstopfte Nase. Die volle Wirkung baut sich über einige Tage auf.
  • Antihistaminika wie Cetirizin oder Loratadin wirken innerhalb etwa einer Stunde. Müdigkeit ist möglich.
  • Kombinationssprays aus Kortison und Antihistaminikum sind für mittelschwere bis schwere Beschwerden vorgesehen.
  • Einige Kortison-Nasensprays sind für Erwachsene nach ärztlicher Erstdiagnose rezeptfrei, andere Wirkstoffe und Anwendungen erfordern ein Rezept.
  • Eine Kortison-Depotspritze gehört laut Leitlinie nicht zur empfohlenen Behandlung.

Zwei Angriffspunkte in der Nase

Bei Heuschnupfen reagiert das Immunsystem auf eigentlich harmlose Pollen. Dabei wird unter anderem Histamin freigesetzt, das Niesen, Juckreiz und eine laufende Nase auslöst; zugleich entzündet sich die Nasenschleimhaut und schwillt an. Antihistaminika blockieren die H1-Rezeptoren, über die Histamin wirkt. Glukokortikoide, umgangssprachlich Kortison, dämpfen die allergische Entzündung selbst. Die Leitlinie zur Allergen-Immuntherapie unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie nennt beide als Grundlage der Behandlung, einzeln oder kombiniert.

Antihistaminika als Tablette

Häufig eingesetzt werden Cetirizin und Loratadin. Laut gesundheitsinformation.de, dem Informationsangebot des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), wirken die Tabletten innerhalb der ersten Stunde und lindern Beschwerden an Nase und Augen. Für Erwachsene sehen beide Fachinformationen 10 mg einmal täglich vor. Beide Wirkstoffe sind in der Apotheke ohne Rezept erhältlich.

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Müdigkeit und Kopfschmerzen. Wer sich schläfrig fühlt, sollte nicht Auto fahren; bei Cetirizin rät die Fachinformation zur Vorsicht mit Alkohol. Bei einer Nierenerkrankung im Endstadium darf Cetirizin nicht eingenommen werden, bei schweren Lebererkrankungen ist für Loratadin eine niedrigere Anfangsdosis vorgesehen. Vor einem Allergie-Hauttest werden die Tabletten abgesetzt, Loratadin mindestens 48 Stunden und Cetirizin drei Tage vorher.

Kortison-Nasenspray bei Heuschnupfen

Wirkung und Anwendung

Kortison-Nasensprays lassen die Schleimhaut abschwellen und lindern eine laufende oder verstopfte Nase. gesundheitsinformation.de beschreibt sie als wirksamer als Antihistaminika-Tabletten. Verbreitete Wirkstoffe sind Mometasonfuroat, Fluticasonpropionat und Fluticasonfuroat.

Für Fluticasonfuroat wurde ein Wirkungsbeginn schon acht Stunden nach der ersten Anwendung beobachtet, für Mometasonfuroat bei einigen Patienten innerhalb von zwölf Stunden. Die volle Wirkung braucht jedoch mehrere Tage. Die Fachinformationen empfehlen deshalb eine tägliche Anwendung während des Pollenflugs, bei stärkeren Beschwerden unter Umständen schon einige Tage vorher. Sind die Beschwerden unter Kontrolle, wird die Dosis auf die niedrigste wirksame Menge gesenkt.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Weil nur wenig Wirkstoff ins Blut gelangt, gelten Kortison-Nasensprays als risikoarm; bei längerer Anwendung ist eine regelmäßige ärztliche Kontrolle sinnvoll. Möglich sind vor allem Nasenbluten, Kopfschmerzen, Brennen in der Nase und Geschmacksstörungen. Seit 2017 verlangen die europäischen Arzneimittelbehörden für alle Kortisonpräparate einen Hinweis auf Sehstörungen: Verschwommenes Sehen sollte augenärztlich abgeklärt werden.

Je nach Wirkstoff nicht oder nur nach ärztlicher Abwägung angewendet werden die Sprays bei einer unbehandelten Infektion der Nasenschleimhaut, etwa durch Herpes, und nach einer Operation oder Verletzung der Nase bis zur Abheilung. Ritonavir und Cobicistat können die Menge des Kortisonwirkstoffs im Blut erhöhen und Nebenwirkungen im ganzen Körper auslösen; eine gleichzeitige Anwendung sollte vermieden werden. Wenden Sie zusätzlich Kortison in anderer Form an, etwa als Asthmaspray, ist die gesamte Kortisonmenge zu berücksichtigen.

Rezeptfrei oder verschreibungspflichtig

Nach der Arzneimittelverschreibungsverordnung sind Mometasonfuroat, Fluticasonpropionat und Beclometasondipropionat als Nasenspray für Erwachsene mit saisonalem Heuschnupfen rezeptfrei, wenn die Erkrankung zuvor ärztlich festgestellt wurde, die Tagesdosis begrenzt ist und die Packung auf Erwachsene beschränkt ist. Für Fluticasonfuroat gilt diese Ausnahme nicht, ebenso wenig für Präparate zur Anwendung bei Kindern, bei ganzjährigen Beschwerden oder bei Nasenpolypen.

Kombinationssprays mit Kortison und Antihistaminikum

Kombinationssprays enthalten zum Beispiel Azelastin mit Fluticasonpropionat oder Olopatadin mit Mometasonfuroat. Vorgesehen sind sie für mittelschwere bis schwere Beschwerden, bei Azelastin mit Fluticasonpropionat ausdrücklich dann, wenn ein Spray mit einem Wirkstoff nicht ausreicht. Beide Kombinationen sind für Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren bestimmt und werden morgens und abends angewendet.

Häufig ist ein unangenehmer Geschmack, meist durch einen zu weit zurückgeneigten Kopf beim Sprühen. Durch das Antihistaminikum können Müdigkeit oder Schwindel auftreten und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen; Alkohol verstärkt das. Kombinationssprays sind in der Regel verschreibungspflichtig. Für Azelastin mit Fluticasonpropionat sieht die Verordnung nur für Erwachsene mit ärztlich diagnostiziertem saisonalem Heuschnupfen eine eng begrenzte Ausnahme vor.

Welche Behandlung zu welchen Beschwerden passt

Antihistaminika wirken schneller und helfen vor allem bei Niesen, Juckreiz und Augenbeschwerden. Kortison-Nasensprays sind wirksamer, auch gegen eine verstopfte Nase, brauchen aber einige Tage und eine tägliche Anwendung. Reicht ein Mittel nicht aus, kann laut gesundheitsinformation.de ein Wechsel oder eine Kombination helfen. Bleiben die Beschwerden trotz Medikamenten stark, kommt nach der Leitlinie eine Allergen-Immuntherapie infrage, wenn ein Allergietest die passende Sensibilisierung zeigt.

Abschwellende Nasensprays eignen sich nicht zur Dauerbehandlung und sollten höchstens fünf bis sieben Tage verwendet werden. Von einer Depotspritze mit Kortison rät die Leitlinie ausdrücklich ab, weil sie Muskelschwund, Abszesse und langfristig Diabetes, Osteoporose oder grauen Star verursachen kann.

Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder

Die Fachinformationen sind hier zurückhaltend: Kortison-Nasensprays sollen nur angewendet werden, wenn der Nutzen das Risiko rechtfertigt, und von Loratadin wird aus Vorsichtsgründen abgeraten. Das Beratungszentrum Embryotox der Charité nennt dagegen Loratadin und Cetirizin als Antihistaminika der Wahl und Budesonid als Kortison-Nasenspray der Wahl in der Schwangerschaft. Wenn Sie schwanger sind, eine Schwangerschaft planen oder stillen, besprechen Sie die Behandlung persönlich mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt.

Für Kinder gelten eigene Altersgrenzen und Dosierungen, und bei längerer Anwendung von Kortison-Nasensprays wird das Wachstum kontrolliert. Die Behandlung von Kindern gehört in die kinderärztliche Praxis.

Warnzeichen und wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Rufen Sie sofort den Notruf 112, wenn Lippen, Zunge oder Rachen anschwellen oder Atemnot auftritt. Schwere Überempfindlichkeitsreaktionen sind auch bei Nasensprays selten, aber beschrieben.

Lassen Sie Beschwerden zeitnah vor Ort untersuchen, wenn die Nase anhaltend gereizt ist, wunde Stellen oder wiederholt Nasenbluten auftreten, Sie Sehstörungen bemerken oder Husten, pfeifende Atmung oder Engegefühl in der Brust hinzukommen. Menschen mit allergischem Schnupfen haben nach der Leitlinie ein etwa 3,5-fach erhöhtes Risiko, innerhalb von zehn Jahren ein Asthma zu entwickeln.

Was eine Online-Anfrage leisten kann

Bei einer Online-Anfrage prüft eine Ärztin oder ein Arzt Ihre Angaben im medizinischen Fragebogen. Geeignet ist das vor allem bei bekanntem Heuschnupfen; erstmalige oder ungewöhnliche Beschwerden sollten vor Ort abgeklärt werden. Ob ein verschreibungspflichtiges Nasenspray für Sie infrage kommt, entscheidet die ärztliche Prüfung; maßgeblich sind die Fachinformation und die Packungsbeilage. Geben Sie im Fragebogen an, ob Sie stillen, Kortisontabletten einnehmen, ein Glaukom, einen grauen Star, Tuberkulose oder Epilepsie haben. Online nicht möglich sind ein Allergietest, eine Untersuchung der Nase und der Beginn einer Immuntherapie, deren erste Dosis je nach Präparat unter ärztlicher Aufsicht eingenommen wird.

Häufige Fragen

Wie lange darf ich ein Kortison-Nasenspray anwenden?

Die Fachinformationen sehen eine Anwendung für die Dauer des Pollenflugs vor. Bei einer Behandlung über mehrere Monate sollte die Nasenschleimhaut regelmäßig ärztlich kontrolliert werden.

Macht ein Kortison-Nasenspray abhängig?

Eine Gewöhnung wie bei abschwellenden Nasensprays ist für Kortison-Nasensprays nicht bekannt. Das in vielen Sprays enthaltene Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid kann bei längerer Anwendung die Nasenschleimhaut reizen oder anschwellen lassen.

Kann ich eine Tablette und ein Kortison-Nasenspray kombinieren?

Das ist möglich, wenn ein Mittel allein nicht ausreicht; die Entscheidung trifft die Ärztin oder der Arzt. Für Mometasonfuroat und Loratadin wurden keine Wechselwirkungen beobachtet. Geben Sie alle Medikamente an.

Wer trägt die Kosten?

Rezeptfreie Arzneimittel zahlen Erwachsene in der Regel selbst, weil § 34 SGB V sie von der Kassenleistung ausschließt; Ausnahmen gelten etwa für Kinder bis zwölf Jahre. Bei verschreibungspflichtigen Sprays hängt es davon ab, ob ein Kassen- oder Privatrezept ausgestellt wird und was Ihr Tarif vorsieht.

Quellen

  • IQWiG, gesundheitsinformation.de: Welche Medikamente können Heuschnupfen lindern? gesundheitsinformation.de
  • DGAKI u. a.: S2k-Leitlinie Allergen-Immuntherapie bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen, AWMF 061-004, 2022. register.awmf.org
  • Robert Koch-Institut: 12-Monats-Prävalenz von Allergien in Deutschland, 2017. edoc.rki.de
  • Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung. gesetze-im-internet.de
  • Fachinformation Mometasonfuroat Nasenspray, Stand August 2023. fachinfo.de
  • Unionsregister: Fachinformation Fluticasonfuroat Nasenspray, 2025. ec.europa.eu
  • Fachinformation Azelastin und Fluticasonpropionat Nasenspray, Stand Dezember 2023. fachinfo.de
  • Fachinformation Olopatadin und Mometasonfuroat Nasenspray, Stand Dezember 2025. fachinfo.de
  • Fachinformation Cetirizin 10 mg, Stand März 2024. fachinfo.de
  • Fachinformation Loratadin 10 mg, Stand August 2023. fachinfo.de
  • EMA, CMDh: Sehstörungen als Klasseneffekt von Kortikosteroiden, PSUSA Budesonid, 2017. ema.europa.eu
  • Embryotox, Charité Berlin: Allergie in der Schwangerschaft. embryotox.de
  • § 34 SGB V. gesetze-im-internet.de

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