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Ratgeber

Sumatriptan oder Rizatriptan: Unterschiede bei Wirkungseintritt und Verträglichkeit

Frau hält sich bei einer Migräneattacke den Kopf, der Bildrand ist verschwommen

Fachlich geprüft vom medizinischen Team von Doctorcura am 26. September 2026, Stand: 24. September 2026 · So entstehen unsere Inhalte

Sumatriptan oder Rizatriptan: Beide Wirkstoffe gehören zu den Triptanen, der Wirkstoffgruppe mit der besten Wirksamkeit in der akuten Migräneattacke. Beide greifen am selben Rezeptor an und haben nahezu gleiche Gegenanzeigen, unterscheiden sich aber bei Wirkungseintritt, Darreichungsformen, Dosierung und Nebenwirkungsprofil. Dieser Beitrag vergleicht beide anhand der Fachinformationen und der Patientenleitlinie von DGN und DMKG.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Patientenleitlinie nennt für Rizatriptan einen Wirkungseintritt von etwa 30 Minuten, für Sumatriptan-Tabletten 45 bis 60 Minuten; am schnellsten wirkt Sumatriptan als Injektion.
  • Sumatriptan gibt es als Tablette, Nasenspray und Injektion, Rizatriptan auch als Schmelztablette ohne Wasser.
  • Häufige Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit und Engegefühl in der Brust sowie die Gegenanzeigen bei Herz- und Gefäßerkrankungen sind bei beiden weitgehend gleich.
  • In der Schwangerschaft gilt Sumatriptan als Mittel der Wahl, Rizatriptan kann in Betracht gezogen werden; in der Stillzeit gelten die Hinweise der Fachinformation.
  • Ob und welches Triptan für Sie infrage kommt, entscheidet die ärztliche Prüfung. Es gelten die Fachinformation und die Packungsbeilage.

Zwei Wirkstoffe, ein Wirkprinzip

Beide Wirkstoffe sind selektive Agonisten an den Serotonin-Rezeptoren 5-HT1B und 5-HT1D. Sie verengen die während einer Attacke erweiterten Blutgefäße der Hirnhäute und hemmen die Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe. Damit lindern sie Kopfschmerz, Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit.

Die Patientenleitlinie von DGN und DMKG (Stand September 2025) empfiehlt Triptane, wenn einfache Schmerzmittel nicht ausreichen, und zählt Eletriptan, Rizatriptan und Sumatriptan zu den am schnellsten und besten wirksamen oralen Triptanen. Beide Fachinformationen verlangen eine eindeutige Diagnose vor der ersten Anwendung.

Sumatriptan oder Rizatriptan: Wirkungseintritt im Vergleich

Sumatriptan

Nach der Fachinformation setzt die klinische Wirkung etwa 30 Minuten nach oraler Einnahme ein, nach subkutaner Injektion nach 10 bis 15 Minuten. Die Halbwertszeit liegt bei etwa 2 Stunden. Die Patientenleitlinie beziffert den Wirkungseintritt der Tablette mit 45 bis 60 Minuten und nennt die subkutane Injektion als wirksamste und schnellste Behandlung einer Attacke. Das Nasenspray wird schneller aufgenommen und ist bei Übelkeit und Erbrechen eine Alternative.

Rizatriptan

Für die 10-mg-Schmelztablette berichtet die Fachinformation aus einer klinischen Studie eine signifikante Schmerzlinderung bereits 30 Minuten nach der Einnahme. Die maximale Plasmakonzentration wird bei der Schmelztablette 30 bis 60 Minuten später erreicht als bei der Tablette, die Halbwertszeit beträgt 2 bis 3 Stunden. Die Leitlinie ordnet Rizatriptan mit etwa 30 Minuten und starker Wirkung ein. Die Schmelztablette löst sich auf der Zunge auf und braucht kein Wasser, was bei Übelkeit hilfreich ist.

Was den Wirkungseintritt verzögert

Bei Rizatriptan verzögert eine Mahlzeit die Aufnahme um etwa eine Stunde. Beide wirken am besten, wenn sie früh in der Kopfschmerzphase eingenommen werden; bei Migräne mit Aura erst mit Einsetzen der Kopfschmerzen. Sumatriptan bleibt laut Fachinformation auch bei späterer Einnahme wirksam.

Wirksamkeit in Zahlen

Nach gesundheitsinformation.de sind ohne Schmerzmittel etwa 10 von 100 Betroffene innerhalb von zwei Stunden schmerzfrei, mit Sumatriptan 20 bis 30 von 100; bei weiteren 25 von 100 tritt zumindest eine Linderung ein. Für die Rizatriptan-Schmelztablette nennt die Fachinformation aus einer Studie mit 547 Teilnehmenden eine Schmerzlinderung nach zwei Stunden bei 74 Prozent unter 10 mg gegenüber 28 Prozent unter Placebo. Diese Zahlen stammen aus verschiedenen Studien und sind nicht direkt vergleichbar.

Verträglichkeit und Nebenwirkungen

Das Nebenwirkungsprofil beider Wirkstoffe ist ähnlich. Häufig sind unter Sumatriptan Schwindel, Benommenheit, Kribbeln oder Taubheitsgefühle, ein vorübergehender Blutdruckanstieg, Hitzewallungen, Atemnot und Übelkeit, außerdem ein vorübergehendes, manchmal intensives Enge- oder Druckgefühl in Brust und Hals. Im Cochrane-Review traten unter 100 mg bei 43 Prozent Nebenwirkungen auf, unter Placebo bei 23 Prozent, meist leicht und vorübergehend.

Für Rizatriptan waren in den Studien Schwindelgefühl, Schläfrigkeit und Schwäche oder Müdigkeit am häufigsten; häufig sind auch Missempfindungen, Herzklopfen, Hitzewallungen, Atemnot, Übelkeit und ein Druckgefühl in Brust oder Hals. Die Leitlinie stuft Almotriptan und Eletriptan als die Triptane mit den wenigsten Nebenwirkungen ein. Ein Wiederkehrkopfschmerz tritt bei bis zu 40 Prozent der behandelten Attacken auf, weil die meisten Triptane kurz wirken.

Gegenanzeigen und Warnzeichen

Beide Wirkstoffe dürfen nicht angewendet werden bei koronarer Herzkrankheit, Herzinfarkt in der Vorgeschichte, Prinzmetal-Angina, Schlaganfall oder transitorischer ischämischer Attacke, peripherer Gefäßerkrankung, mäßigem bis schwerem oder unbehandeltem leichtem Bluthochdruck sowie schwerer Leberfunktionsstörung; Rizatriptan zusätzlich bei schwerer Niereninsuffizienz. Ausgeschlossen ist die Anwendung zusammen mit MAO-Hemmern und in den zwei Wochen nach deren Absetzen sowie zusammen mit Ergotamin und anderen Triptanen. Bei hemiplegischer oder Basilaris-Migräne sind beide nicht angezeigt. Wer Risikofaktoren für eine Herzerkrankung hat, soll vor der ersten Verordnung untersucht werden.

Ein Enge- oder Druckgefühl in Brust oder Hals ist nach beiden Fachinformationen in der Regel vorübergehend, kann aber intensiv sein. Lassen die Beschwerden auf eine Durchblutungsstörung des Herzens schließen, darf keine weitere Dosis genommen werden; dann ist eine ärztliche Untersuchung nötig, bei plötzlichen starken Brustschmerzen mit Atemnot der Notruf. In Kombination mit Antidepressiva vom Typ SSRI oder SNRI ist ein Serotonin-Syndrom möglich; eine solche Kombination erfordert ärztliche Begleitung.

Dosierung nach Fachinformation

Sumatriptan: Die empfohlene Dosis beträgt 50 mg, manche benötigen 100 mg. Wer auf die erste Dosis nicht anspricht, nimmt für dieselbe Attacke keine zweite. Kehrt der Kopfschmerz nach Besserung zurück, ist eine zweite Dosis nach mindestens 2 Stunden möglich; innerhalb von 24 Stunden höchstens 300 mg.

Rizatriptan: Die empfohlene Dosis beträgt 10 mg. Zwischen zwei Dosen müssen mindestens 2 Stunden liegen, innerhalb von 24 Stunden sind höchstens zwei Dosen vorgesehen, bei Nichtansprechen keine zweite für dieselbe Attacke. Wer Propranolol einnimmt, erhält 5 mg mit mindestens 2 Stunden Abstand, weil Propranolol den Rizatriptan-Spiegel um 70 bis 80 Prozent erhöhen kann. Auch bei leicht bis mäßig eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion sind 5 mg vorgesehen. Für Sumatriptan sind keine Wechselwirkungen mit Propranolol bekannt.

Schwangerschaft, Stillzeit, Kinder und ältere Menschen

Nach der Patientenleitlinie gibt es bislang keine Hinweise, dass Triptane zu Fehlbildungen führen; die umfangreichsten Erfahrungen liegen für Sumatriptan vor, das deshalb als Mittel der Wahl in der Schwangerschaft gilt. Rizatriptan kann in Betracht gezogen werden. Embryotox (Charité) kommt zur gleichen Einschätzung; die Fachinformationen verlangen dennoch eine Nutzen-Risiko-Abwägung, und jede Einnahme in der Schwangerschaft sollte ärztlich abgesprochen sein. In der Stillzeit lässt sich nach beiden Fachinformationen die Belastung des Säuglings durch eine Stillpause von 12 Stunden verringern. Embryotox nennt Sumatriptan als Option in der Stillzeit, wenn Ibuprofen und Paracetamol nicht ausreichen, und berichtet keine unerwünschten Wirkungen bei gestillten Kindern; zu einer Stillpause macht Embryotox keine Angabe. Die Patientenleitlinie empfiehlt für Triptane außer Eletriptan als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme, die Muttermilch vor der Einnahme abzupumpen. Besprechen Sie das Vorgehen ärztlich.

Für Kinder und Jugendliche sind beide Tablettenformen nicht vorgesehen: Sumatriptan-Tabletten werden unter 18 Jahren nicht empfohlen: unter 10 Jahren fehlen Daten, für 10- bis 17-Jährige wurde die Wirksamkeit in Studien nicht nachgewiesen; für Rizatriptan gibt es unter 18 Jahren keine Dosierungsempfehlung. Bei Kindern werden laut Leitlinie zunächst Ibuprofen oder Paracetamol eingesetzt. Für Menschen über 65 Jahre sind die Erfahrungen begrenzt, die Fachinformation zu Sumatriptan rät hier von der Anwendung ab.

Wechsel zwischen Triptanen und die Zehn-Tage-Grenze

Spricht eine Attacke nicht an, können spätere Attacken trotzdem ansprechen; bei wiederholtem Nichtansprechen oder Nebenwirkungen empfiehlt die Leitlinie ein anderes Triptan. Die Kombination mit dem lang wirksamen Schmerzmittel Naproxen kann einen Wiederkehrkopfschmerz zum Teil verhindern. Unabhängig vom Wirkstoff liegt die Schwelle für einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch bei Triptanen bei 10 Einnahmetagen pro Monat. Ein Kopfschmerztagebuch hilft, diese Grenze im Blick zu behalten, und erleichtert die ärztliche Beurteilung, auch wenn Ärztinnen und Ärzte Ihre Angaben in einem Online-Fragebogen prüfen.

Häufige Fragen

Welches Triptan wirkt schneller, Sumatriptan oder Rizatriptan?

Die Patientenleitlinie gibt für Rizatriptan etwa 30 Minuten an, für Sumatriptan-Tabletten 45 bis 60 Minuten; am schnellsten wirkt Sumatriptan als subkutane Injektion. Bei Ihnen kann es davon abweichen.

Darf ich Sumatriptan und Rizatriptan kombinieren?

Nein. Die gleichzeitige Anwendung zweier Triptane ist in beiden Fachinformationen kontraindiziert, weil sich die gefäßverengende Wirkung addieren kann; zwischen zwei verschiedenen Triptanen sollen mindestens 24 Stunden liegen. Ein Wechsel zwischen Attacken wird ärztlich abgesprochen.

Warum sind bei Rizatriptan manchmal nur 5 mg vorgesehen?

Die Fachinformation sieht 5 mg vor bei gleichzeitiger Einnahme von Propranolol, das den Rizatriptan-Spiegel deutlich erhöhen kann, sowie bei leicht bis mäßig eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion. Zu Propranolol sollen mindestens 2 Stunden Abstand liegen.

Darf ich in der Schwangerschaft ein Triptan einnehmen?

Nach Patientenleitlinie und Embryotox gilt Sumatriptan als Mittel der Wahl, Rizatriptan kann in Betracht gezogen werden. Die Fachinformationen verlangen eine Nutzen-Risiko-Abwägung; sprechen Sie jede Einnahme in Schwangerschaft und Stillzeit ärztlich ab.

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie und Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: Leitlinie Therapie der Migräne für Patientinnen und Patienten, AWMF-Registernummer 030/057, September 2025. register.awmf.org
  • Fachinformation Sumatriptan 50 mg/100 mg Filmtabletten, Stand Juli 2025. fachinformation.srz.de
  • Fachinformation Rizatriptan 5 mg/10 mg Schmelztabletten, Stand April 2024. fachinformation.srz.de
  • IQWiG, gesundheitsinformation.de: Medikamente gegen Migräne. gesundheitsinformation.de
  • IQWiG, gesundheitsinformation.de: Arzneimittelbedingte Kopfschmerzen. gesundheitsinformation.de
  • Embryotox, Charité Universitätsmedizin Berlin: Sumatriptan in Schwangerschaft und Stillzeit. embryotox.de
  • Embryotox, Charité Universitätsmedizin Berlin: Rizatriptan in Schwangerschaft und Stillzeit. embryotox.de
  • Cochrane: Sumatriptan (oral route of administration) for acute migraine attacks in adults, 2012. cochrane.org

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