Fachlich geprüft vom medizinischen Team von Doctorcura am 3. Oktober 2026, Stand: 14. Oktober 2026 · So entstehen unsere Inhalte
Triptane sind die wichtigsten Medikamente gegen eine akute Migräneattacke, wenn gewöhnliche Schmerzmittel nicht ausreichen. Sumatriptan, Rizatriptan, Zolmitriptan und vier weitere Wirkstoffe gehören dazu. Richtig eingesetzt helfen sie vielen Betroffenen, zu oft eingenommen verstärken sie den Kopfschmerz, und für manche Menschen sind sie nicht geeignet.
Dieser Ratgeber erklärt für Menschen mit ärztlich diagnostizierter Migräne, wie Triptane wirken, wann sie passen, wer sie nicht nehmen darf, warum höchstens zehn Einnahmetage im Monat gelten und was der Arzt vor einem Rezept wissen will.
Das Wichtigste in Kürze
- Triptane wirken am besten früh in der Kopfschmerzphase. Während der Aura, also vor dem Kopfschmerz, sind sie nicht wirksam.
- Nicht geeignet bei koronarer Herzkrankheit, nach Herzinfarkt, Schlaganfall oder TIA, bei unkontrolliertem Bluthochdruck, peripherer Gefäßkrankheit sowie bei hemiplegischer oder Basilaris-Migräne.
- Höchstens zehn Einnahmetage im Monat: Ab zehn Tagen über mehr als drei Monate droht ein Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch.
- Häufige Nebenwirkungen sind Enge- oder Druckgefühl in Brust und Hals, Kribbeln, Schwindel und Müdigkeit. Brustschmerz, der an Herzbeschwerden erinnert, muss abgeklärt werden.
- Bei drei oder mehr beeinträchtigenden Attacken im Monat oder steigendem Medikamentenbedarf prüft der Arzt eine Prophylaxe.
Wie Triptane wirken und welche Wirkstoffe es gibt
Triptane wirken an den Serotonin-Rezeptoren 5-HT1B und 5-HT1D. Sie verengen erweiterte Blutgefäße der Hirnhäute, bremsen die Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe und dämpfen die Schmerzweiterleitung im Trigeminusnerv. Zugelassen sind sieben Wirkstoffe: Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan.
Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) vom 8. August 2025 empfiehlt Triptane als Mittel der ersten Wahl bei mittelschweren und schweren Attacken, die auf gewöhnliche Schmerzmittel nicht ausreichend ansprechen. Eletriptan, Rizatriptan und Sumatriptan nennt sie als die am besten wirksamen Triptane. Naratriptan und Frovatriptan wirken langsamer und etwas schwächer, dafür am längsten. Einen Vergleich der beiden häufigsten Wirkstoffe bietet der Beitrag Sumatriptan oder Rizatriptan.
Der richtige Zeitpunkt: früh im Kopfschmerz, nicht in der Aura
Triptane wirken umso besser, je früher sie in der Kopfschmerzphase eingenommen werden, also sobald der typische Migränekopfschmerz einsetzt. Während einer Aura (Sehstörungen, Kribbeln, Sprachstörungen vor dem Schmerz) sind Triptane laut Leitlinie nicht wirksam. Aus Sicherheitsgründen sollen Menschen mit Aura ein Triptan erst nehmen, wenn die Aura abgeklungen ist und der Schmerz beginnt.
Die frühe Einnahme empfiehlt die Leitlinie nur, wenn die Attacken nicht zu häufig sind (weniger als fünf Kopfschmerztage im Monat) und wenn Sie Ihren Kopfschmerz sicher als Migräne erkennen. Bei 15 bis 40 Prozent der Behandelten kehrt der Kopfschmerz nach anfänglicher Besserung innerhalb von 2 bis 24 Stunden zurück. Dann darf frühestens zwei Stunden nach der ersten Einnahme eine zweite Dosis folgen. Hat die erste Dosis gar nicht gewirkt, soll in dieser Attacke keine zweite folgen, sondern ein Schmerzmittel. Die Fachinformationen begrenzen die Tagesmenge: Sumatriptan auf 300 mg oral, Rizatriptan auf zwei Einzeldosen in 24 Stunden.
Wer Triptane nicht nehmen darf
Weil Triptane Blutgefäße verengen, gelten klare Gegenanzeigen. Die Fachinformationen für Sumatriptan und Rizatriptan nennen übereinstimmend:
- koronare Herzkrankheit, Angina pectoris, früherer Herzinfarkt oder Gefäßkrämpfe der Herzkranzgefäße
- Schlaganfall oder transitorische ischämische Attacke (TIA) in der Vorgeschichte
- mittelschwerer bis schwerer sowie leichter, aber unkontrollierter Bluthochdruck
- periphere arterielle Verschlusskrankheit und andere Gefäßerkrankungen
- schwere Leberfunktionsstörung, bei Rizatriptan auch schwere Nierenfunktionsstörung
- gleichzeitige Einnahme von Ergotamin-Präparaten oder eines zweiten Triptans
- MAO-Hemmer, auch in den ersten zwei Wochen nach deren Absetzen
Die Fachinformationen raten außerdem ab bei hemiplegischer Migräne (mit Lähmungen) und Basilaris-Migräne (mit Hirnstammsymptomen). Wer Risikofaktoren für eine Herzerkrankung hat (Rauchen, Diabetes, höheres Alter, Herzerkrankungen in der Familie), soll vor dem ersten Triptan kardiologisch untersucht werden. Das Gesamtrisiko ist klein: Lebensbedrohliche Zwischenfälle wurden bei Sumatriptan in einer Häufigkeit von etwa 1 zu 1.000.000 beobachtet, fast immer bei bestehender Gegenanzeige oder falscher Diagnose. Wer in einer Online-Anfrage eine Gegenanzeige angibt, erhält kein Triptan-Rezept; mehr dazu im Beitrag Wann wird ein Online-Rezept abgelehnt.
Wechselwirkungen: Antidepressiva, MAO-Hemmer und Ergotamine
Viele Menschen mit Migräne nehmen zugleich ein Antidepressivum vom Typ SSRI (etwa Citalopram, Sertralin) oder SNRI (Venlafaxin, Duloxetin). Beide verstärken wie Triptane die Serotoninwirkung. Die Fachinformationen weisen auf seltene Fälle eines Serotoninsyndroms hin: Unruhe, Verwirrtheit, Herzrasen, Schwitzen, Fieber, Muskelzuckungen. Die Kombination ist nicht verboten, verlangt aber ärztliche Abwägung, vor allem zu Beginn und bei Dosiserhöhungen. Die Leitlinie ordnet das Risiko als sehr gering ein und bevorzugt bei serotonerger Begleitmedikation Triptane, die nicht über das Enzym MAO-A abgebaut werden: Eletriptan, Naratriptan oder Frovatriptan.
- MAO-Hemmer: mit Sumatriptan oder Rizatriptan kontraindiziert, auch in den zwei Wochen nach dem Absetzen.
- Ergotamin und Abkömmlinge: nie gleichzeitig. Nach einem Triptan mindestens 6 Stunden warten, nach Ergotamin mindestens 24 Stunden.
- Propranolol (Betablocker): erhöht den Rizatriptan-Spiegel; dann gelten 5 mg und zwei Stunden Abstand.
Nebenwirkungen und Warnzeichen
Die meisten Nebenwirkungen treten kurz nach der Einnahme auf und klingen von selbst ab. Häufig, also bei 1 bis 10 von 100 Behandelten, sind laut Fachinformation von Sumatriptan: Schwindel, Kribbeln oder Taubheitsgefühl, ein vorübergehender Blutdruckanstieg, Hitzegefühl, Übelkeit, Müdigkeit sowie Schwere, Druck oder Enge an verschiedenen Körperstellen, auch in Brust und Hals. Für Rizatriptan nennt die Fachinformation Schwindel, Schläfrigkeit und Müdigkeit als häufigste Beschwerden.
Das Engegefühl in der Brust ist meist harmlos. Wirkt der Brustschmerz aber wie ein Herzproblem, strahlt er in Arm oder Kiefer aus oder kommt Atemnot dazu, darf keine weitere Dosis genommen werden, und die Beschwerden müssen abgeklärt werden. Mehr dazu im Beitrag Sumatriptan Nebenwirkungen: Brustenge, Schwindel und Warnzeichen. Sofort Hilfe brauchen Sie auch bei Anzeichen eines Serotoninsyndroms oder einer allergischen Reaktion.
Höchstens zehn Tage im Monat: Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch
Wer Triptane zu oft nimmt, riskiert einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch (medication overuse headache, MOH). Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (ICHD-3) definiert ihn als Kopfschmerz an 15 oder mehr Tagen im Monat, verbunden mit regelmäßigem Übergebrauch von Akutmedikamenten über mehr als drei Monate. Für Triptane liegt die Schwelle bei zehn oder mehr Einnahmetagen im Monat, für einfache Schmerzmittel wie Ibuprofen bei 15 oder mehr Tagen. Die Leitlinie übernimmt diese Grenzen, und auch das IQWiG rät zu höchstens zehn Einnahmetagen im Monat.
Entscheidend sind Einnahmetage, nicht Tabletten: Zwei Dosen an einem Tag zählen als ein Tag. Ein Kopfschmerzkalender macht die Zahl sichtbar. Ist der Übergebrauch da, sind eine ärztlich begleitete Medikamentenpause und meist eine Prophylaxe nötig.
Wann eine Prophylaxe sinnvoll ist
Die Leitlinie nennt als Gründe für eine vorbeugende Behandlung: drei oder mehr Migräneattacken im Monat, die die Lebensqualität beeinträchtigen, Attacken, die regelmäßig länger als 72 Stunden dauern, fehlendes Ansprechen auf die Akuttherapie oder deren Nebenwirkungen sowie eine zunehmende Attackenfrequenz mit steigendem Medikamentenverbrauch. Eine Prophylaxe gilt als wirksam, wenn sich die Attackenhäufigkeit mindestens halbiert.
Was der Arzt im Fragebogen fragt und wann Sie in die Praxis gehören
Bei einer Online-Anfrage ersetzt ein Fragebogen das Gespräch. Der Online-Arzt fragt bei Triptanen gezielt nach:
- Herz und Gefäße: koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Schlaganfall oder TIA, Durchblutungsstörungen
- Blutdruck: bekannter Bluthochdruck, aktuelle Werte, Einstellung
- Kopfschmerzmuster: wer die Diagnose gestellt hat, Kopfschmerz- und Einnahmetage im Monat, Art der Aura
- andere Medikamente: Antidepressiva (SSRI, SNRI, MAO-Hemmer), Ergotamine, andere Triptane, Propranolol
- Leber- und Nierenerkrankungen, Krampfanfälle, Schwangerschaft und Stillzeit
Ehrliche Antworten schützen Sie. Wie ein solcher Fragebogen aufgebaut ist, zeigt der Beitrag Arztfragebogen vor dem Rezept. Bei Doctorcura prüft eine Ärztin oder ein Arzt diese Angaben im Behandlungsbereich Migräne und entscheidet, ob und welches Triptan infrage kommt; die Lieferung übernimmt eine EU-Partnerapotheke.
Wann Praxis oder Notaufnahme nötig sind
Eine Online-Anfrage eignet sich für Menschen mit ärztlich gesicherter Migräne. In die Praxis gehört, wer zum ersten Mal migräneartige Kopfschmerzen hat, wessen Kopfschmerz sich verändert hat oder wer die Zehn-Tage-Grenze erreicht. Den Notruf wählen Sie bei einem Donnerschlagkopfschmerz (nie gekannt, innerhalb von Sekunden maximal stark), bei neurologischen Ausfällen, die nicht zur gewohnten Aura passen (Lähmung, Sprachstörung, Sehverlust, Verwirrtheit), bei Kopfschmerz mit Fieber und Nackensteife sowie bei Brustschmerz nach einem Triptan mit Atemnot. Dass ein Triptan hilft, beweist nicht, dass es Migräne ist: Laut Leitlinie können Triptane auch bei einer Hirnblutung wirken.
Häufige Fragen
Darf ich ein Triptan schon bei den ersten Anzeichen nehmen?
Ja, sobald der Migränekopfschmerz einsetzt, aber nicht während der Aura. Voraussetzung laut Leitlinie: Sie erkennen Ihre Migräne sicher und haben weniger als fünf Kopfschmerztage im Monat.
Ich nehme ein Antidepressivum. Darf ich trotzdem Triptane nehmen?
Mit einem SSRI oder SNRI ist die Kombination möglich, aber eine ärztliche Entscheidung mit Beobachtung, besonders zu Beginn und bei Dosisänderungen. Die Leitlinie bevorzugt dann Eletriptan, Naratriptan oder Frovatriptan. Mit MAO-Hemmern sind Sumatriptan und Rizatriptan kontraindiziert.
Was passiert, wenn ich öfter als zehn Tage im Monat Triptane brauche?
Dann ist das Risiko für einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch deutlich erhöht. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt eine Prophylaxe und eine begleitete Medikamentenpause.
Quellen
- Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, S1-Leitlinie, AWMF-Registernummer 030/057, Version 7.1 (Deutsche Gesellschaft für Neurologie und Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, 8. August 2025)
- ICHD-3: 8.2 Medication-overuse headache (International Headache Society, 3. Auflage der Internationalen Kopfschmerzklassifikation, 2018)
- Migräne (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, gesundheitsinformation.de, aktualisiert am 13. Juli 2022)
- Fachinformation Sumatriptan 50 mg und 100 mg Filmtabletten (Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen, Arzneispezialitätenregister, Stand Oktober 2020)
- Fachinformation Rizatriptan 5 mg und 10 mg Tabletten (Heumann Pharma, Stand Juli 2026)
Passende Präparate
Maxalt (Rizatriptan)Rizatriptanab 36,82 €34,03 €CHF 31,35CHF 28,5031,87 €31,59 €32,80 €33,73 €38,68 €32,18 €35,12 €32,49 €33,42 €30,94 €
Imigran (Sumatriptan) TablettenSumatriptanab 43,17 €39,91 €CHF 36,76CHF 33,4237,37 €37,04 €38,46 €39,55 €45,35 €37,73 €41,18 €38,09 €39,18 €36,28 €
Imigran (Sumatriptan) NasenspraySumatriptanab 155,03 €143,31 €CHF 132,00CHF 120,00134,19 €133,02 €138,10 €142,01 €162,85 €135,49 €147,87 €136,79 €140,70 €130,28 €


